- Behandlung
Kuriose Geschichten rund um das Wundermittel Insulin
2 Minuten
Insulin ist zweifelsfrei ein Wundermittel! Innerhalb von 90 Jahren seit seiner Entdeckung hat seine Bedeutung durchaus zugenommen. Aber der Alltag bringt immer wieder kuriose Erlebnisse mit diesem Wundermittel hervor. Der bekannte Diabetologe Prof. Hellmurt Mehnert erzählt.
Merkwürdige Symptome durch Insulin
Im August 1921 wurde von dem Physiologen und Orthopäden Frederick Banting und dem Medizinstudenten Charles Best Insulin entdeckt – aber schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte Georg Ludwig Zülzer ein injizierbares Insulin, das er Patienten verabreichte. Die bekamen nun merkwürdige Zustände wie Zittrigkeit, Heißhunger, Blässe, Schwitzen, Herzklopfen – alles natürlich Symptome einer durch das Insulin ausgelösten Unterzuckerung.
Diese Erscheinungen wurden aber fehlgedeutet, und man verbot Zülzer wegen einer angeblichen „Fremdeiweißreaktion“, weitere Untersuchungen am Menschen durchzuführen. Die Unterzuckerung durch eine Blutzuckermessung festzustellen, war damals schwierig – ein Viertelliter Blut pro Messung.
Uralte intensivierte Insulintherapie
Die intensivierte Insulintherapie, die heute die Standardtherapie der Typ-1-Diabetiker ist, hielt erst viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Einzug in die Behandlung instabiler Diabetiker – obwohl sie von Elliott Proctor Joslin bereits im Jahr 1928 beschrieben worden war als richtige Therapiemaßnahme bei Typ-1-Diabetikern. Joslin erklärte damals, dass der instabile Diabetes solcher Patienten nur durch mehrere kleine Injektionen von Altinsulin (heute: Normalinsulin) einigermaßen befriedigend eingestellt werden konnte.
Ministerium bremst gentechnische Herstellung
Zehn Jahre Verzögerung gab es in Deutschland bei der gentechnischen Herstellung von Insulin – weil ein hessisches Ministerium blockierte. Grotesk war, dass während dieser zehn Jahre aus dem Ausland Insuline eingeführt wurden, die natürlich gentechnisch hergestellt waren.
Insulin außen am Fenster befestigt
Es gibt Nichtdiabetiker, die sich Insulin injizieren, um dadurch aufzufallen und in Extremfällen sogar wegen eines angeblichen Insulinoms, also eines Tumors, der selbständig und unkontrolliert Insulin produziert, operiert zu werden. Wir hatten Patienten, die z. B., als es noch keine Insulinpens gab, die Insulinampulle im Enddarm versteckten oder die außen am Fenster ihres Krankenzimmers an einer Mullbinde ein Säckchen mit Insulinspritze und Insulinampulle befestigten, damit es im Zimmer nicht entdeckt wurde.
Lift nur mit Kohlenhydraten betreten
Noch ein Geschichtchen zur Insulintherapie sei erzählt: Als ich als junger Assistenzarzt 1957 an die Joslin Clinic in Boston in den USA kam, wurde mir, der ich kaum Englisch sprechen konnte, aufgetragen, eine Gruppe von Patientinnen und Patienten zum Abendessen in die Cafeteria zu führen. Ich wusste nicht, dass diese Diabetiker bereits Insulin gespritzt hatten. Wir stiegen in einen Lift, der nach wenigen Metern steckenblieb. Jetzt kam Unruhe unter den Patienten auf, die natürlich eine Unterzuckerung befürchteten.
Eine der Amerikanerinnen klammerte sich an mich und rief mir zu: „Doctor, I need food!“, deutsch: „Doktor, ich brauche etwas zu essen!“ Ich einfältiger junger Mann dachte: Die Frau hat eigentlich recht, es ist ja Abendessenszeit. Also antwortete ich: „I also need food.“, deutsch: „Ich brauche auch etwas zu essen.“ Glücklicherweise löste sich das Problem relativ rasch, weil ein findiger Hausmeister den Lift wieder zum Fahren brachte. Was lernen wir daraus? Benutze nie mit Insulinpatienten einen Lift, wenn Du nicht reichlich Kohlenhydrate dabeihast …

Kontakt:
Forschergruppe Diabetes e. V., Drosselweg 16, 82152 Krailling
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
4 Minuten
- Eltern und Kind
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
uho1 postete ein Update vor 12 Stunden, 52 Minuten
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
-
diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
-
gregor-hess antwortete vor 3 Tagen, 18 Stunden
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 3 Tagen, 13 Stunden
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
-
-
ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
-
diahexe antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
-
