- Psyche
Wohlbefinden von Menschen mit Diabetes: „CGM-Werte erzählen nicht die ganze Geschichte“
3 Minuten

CGM-Daten gelten als objektive Messgröße im Diabetes-Management. Doch die subjektive Interpretation bzw. Wahrnehmung der Glukose kann losgelöst von den tatsächlichen CGM-Werte sein. Sie wirkt sich ebenfalls auf das Erleben klinischer Symptome aus – und auf das Ausmaß an diabetesbezogener Belastung und somit auf das Wohlbefinden.
Menschen mit Diabetes denken pro Tag im Schnitt 77 Minuten lang an ihren Diabetes, ihre Stoffwechsel-Erkrankung ist also alle etwa 12 Minuten in irgendeiner Form Thema für sie. Das hat eine Studie des Online-Befragungsportals Dialink ergeben.
Diese permanente Präsenz der Erkrankung kann zu Diabetes-Distress führen, erklärte Privatdozent Dr. Dominic Ehrmann vom FIDAM Forschungszentrum Diabetes-Akademie Bad Mergentheim. „Etwa ein Drittel aller Menschen mit Diabetes berichten über Diabetes-Distress – und das ist durchaus ein klinisches Problem, weil Diabetes-Distress ein Risikofaktor für schlechtere Lebensqualität, Depression und suboptimale glykämische Kontrolle ist.“
Sorgen wegen Schwankungen auf Spitzenplatz
Dr. Ehrmann plädierte daher dafür, auch objektivierbare Glukosedaten aus der psychosozialen Perspektive zu betrachten: „Natürlich ist Diabetes-Technologie ein wahnsinnig tolles Tool, um die Diabetes-Belastung zu reduzieren. Gleichzeitig führt sie aber auch zu neuen Belastungen.“ Etwa weil man Glukoseschwankungen mitbekommt, die mit punktuellen Blutzuckermessungen gar nicht sichtbar gewesen wären.
Tatsächlich belegen Sorgen wegen Glukoseschwankungen mit über 20 % einen Spitzenplatz unter den vielen Belastungsquellen von Menschen mit Diabetes – gleich nach den im Tagesverlauf erforderlichen Therapieentscheidungen, die rund 40 % der Überlegungen ausmachen. „Erst viel später kommen Hypoglykämien oder die Angst vor Folgeerkrankungen, von denen wir immer dachten, dass sie die Hauptbelastungsquelle darstellen“, erklärte Dr. Ehrmann. Auffällig sei, dass oft sogar diejenigen sich weniger Glukoseschwankungen wünschen, deren Ambulantes Glukose-Profil (AGP) eine völlig unbedenkliche Glukosevariabilität aufweist.
Um besser vorhersehen zu können, welche Aspekte der Diabetestherapie bei welchen Menschen mit Stress einhergehen, hat man im Rahmen weiterer Beobachtungsstudien Menschen mit Diabetes in einer Tagebuch-App mehrfach täglich Angaben zu ihrem subjektiven Erleben bzw. Diabetes-Distress machen lassen – Ecological Momentary Assessment (EMA) – und diese Daten dann zu den parallel dazu erhobenen CGM-Daten in Relation gesetzt (Studie 1, Studie 2). „Die Paarung von CGM und EMA ist sehr spannend, denn sie zeigt uns die subjektive Glukoseempfindung“, sagte Dr. Ehrmann. Bei manchen der Teilnehmenden schwankte die Glukose, die Stimmung blieb aber stabil. Bei anderen hingegen wies die Stimmungskurve ähnliche Ausschläge auf wie der Glukoseverlauf.
Subjektive Interpretation entscheidend
Personalisierte Stressprognosen, so Dr. Ehrmann, könnten dabei helfen, Menschen mit Diabetes gezielter zu unterstützen. Wenn der Diabetes-Distress durch eine messbar ungünstige Stoffwechsellage getrieben wird, seien Therapieanpassungen sinnvoll. „Wenn er hingegen eher von subjektiven Erwartungen und Interpretationen herrührt, sollte man in Schulungen an dieser Reflexion arbeiten“, meinte der Psychologe.
Diese Sichtweise wird durch Ergebnisse aus der HypoRESOLVE-Studie untermauert: Dort zeigte sich, dass von den Betroffenen berichtete Hypoglykämien einen deutlich stärkeren Einfluss auf Stimmung, Energielevel und kognitive Leistungsfähigkeit haben als Hypoglykämien, die nur im CGM detektiert wurden. Dr. Ehrmanns Fazit: „CGM-Werte erzählen nicht die ganze Geschichte, stattdessen sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen.“ Dessen subjektive Interpretation bzw. Wahrnehmung der Glukosewerte könne nämlich losgelöst von messbaren CGM-Werten sein und sich auf die Entwicklung von Diabetes-Distress auswirken.
Hypo-Symptome hängen nicht nur von Glukosewerten ab
Sein Kollege Professor Dr. Norbert Hermanns, ebenfalls vom Diabetes Zentrum Mergentheim, präsentierte Daten aus einer aktuellen Studie, in der auf der Basis von EMA- und CGM-Daten von knapp 400 Teilnehmenden Subgruppen mit bestimmten Symptomprofilen gebildet worden waren. Zu den abgefragten Symptomen zählten zum Beispiel Konzentrationsprobleme, Durst, Harndrang, Heißhunger, Zittern oder Übelkeit. Das Ziel der Studie war es, individuelle Muster und Cluster zu ermitteln. „Wir konnten zeigen, dass Symptome nicht nur von Glukosewerten, sondern auch von Faktoren wie Alter, Diabetestyp, Geschlecht, BMI, Komorbiditäten oder psychischer Verfassung abhängen“, erklärte Prof. Hermanns.
Als ein zentraler Verstärker habe sich Depressivität herausgestellt: „Sie beeinflusst nahezu alle Symptome signifikant. Menschen mit erhöhter Depressivität nehmen fast alle Beschwerden intensiver wahr“, so Prof. Hermanns.
von Antje Thiel
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florahdo postete ein Update vor 4 Tagen, 17 Stunden
Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!
Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂
mr postete ein Update vor 1 Woche
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?
moira postete ein Update vor 1 Woche
Hallo!
Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
Ich wüsste gerne wie gut das klappt.- moira antwortete vor 6 Tagen, 8 Stunden
Ich meinte Liberty




