20. Hecker-Symposium: Chancen und Herausforderungen der Früherkennung des Typ-1-Diabetes

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20. Hecker-Symposium: Chancen und Herausforderungen der Früherkennung des Typ-1-Diabetes | Foto: Johanna Weekes
Foto: Johanna Weekes
20. Hecker-Symposium: Chancen und Herausforderungen der Früherkennung des Typ-1-Diabetes

Früherkennung, neue Therapien und moderne Technologie – die Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes ist im Wandel. Beim 20. Hecker-Symposium in Stuttgart diskutierten Fachleute, Selbsthilfe und Betroffene über Chancen und Herausforderungen.

Typ-1-Diabetes kann heute bereits diagnostiziert werden, bevor die ersten Symptome auftreten. Ein einfacher Bluttest macht es möglich: Er weist Antikörper gegen die Insulin-produzierenden Zellen nach. Oft lange, bevor die Erkrankung sichtbar wird. Diese Früherkennung gewinnt zunehmend an Bedeutung, denn seit Kurzem ist in Deutschland ein Medikament zugelassen, das im Frühstadium den Beginn der Insulintherapie hinauszögern kann. Weitere Wirkstoffe werden derzeit in Studien getestet.

Impulse für Versorgungsthemen

Darum ging es auch beim 20. Hecker-Symposium am 7. März 2026 in Stuttgart. Diese Fortbildung für Diabetologinnen und Diabetologen, Diabetesberaterinnen und Diabetesberater sowie Psychologinnen und Psychologen wird gemeinsam von der Selbsthilfe „Diabetiker Baden-Württemberg“ (DBW) und der Arbeitsgemeinschaft Diabetologie Baden-Württemberg (ADBW) organisiert.

Sie verknüpft medizinische Fortbildung, Selbsthilfe und Diabetes-Teams, gibt Impulse für Versorgungsthemen und weist auf Lücken hin. Benannt nach dem Kinder-Diabetologen Dr. Wolfgang Hecker aus Stuttgart, dem besonders das Vermitteln von Wissen in Form von Schulungen am Herzen lag, legt dieser Tag besonderen Wert auf die Zusammenkunft zwischen den unterschiedlichen Beteiligten in der Kinder-Diabetologie. Thema war in diesem Jahr alles rund um die Manifestation des Typ-1-Diabetes.

Impressionen vom diesjährigen Hecker-Symposium gibt es auf der Website der Diabetiker Baden Württemberg e.V.

Vortragende aus Deutschland und der Schweiz referierten über den Beginn der Diabetes-Erkrankung. Studien zeigen, dass Typ-1-Diabetes bereits vor dem Beginn der klassischen Symptome diagnostiziert werden kann. Hierfür wird in einer Blutprobe nach Antikörpern gegen die Insulin-produzierenden Zellen gesucht. Ab dem Vorhandensein von Antikörpern ist das Risiko hoch, im Laufe des Lebens an Typ-1-Diabetes zu erkranken.

Ein Immun-Modulator zum Verzögern der Insulintherapie bei Typ-1-Diabetes wurde in Deutschland zugelassen. Dieses Medikament beeinflusst das Immunsystem und kann unter bestimmten Voraussetzungen im Frühstadium verabreicht werden. Hierdurch gewinnt ein Screening auf Typ-1-Diabetes zunehmend an Bedeutung. Weitere Medikamente zum Verzögern der Erkrankung oder zum Erhalt der Insulin-produzierenden Zellen werden in Studien getestet.

Screening für weniger Entgleisungen

Ziel des Screenings ist vor allem das Verhindern schwerer Stoffwechsel-Entgleisungen, indem bei erhöhtem Risiko eine Aufklärung über die Symptome und regelmäßige Kontroll-Untersuchungen erfolgen. Außerdem steht die Begleitung der Familien im Vordergrund. Besonders wichtig ist eine neutrale Aufklärung über die Möglichkeit des Screenings mit allen Vor- und Nachteilen, damit die Familien eine informierte Entscheidung treffen können.

Bei früher Diagnose des Typ-1-Diabetes ist nicht nur das Verhindern einer Stoffwechsel-Entgleisung wichtig, sondern auch eine stabilere Stoffwechsellage mit geringerem Insulinbedarf zu erwarten. Die Remissionsphase kurz nach Beginn der Erkrankung, in der vorübergehend weniger Insulin benötigt wird und die Stoffwechsellage sehr stabil ist, kann hierdurch bedeutend verlängert werden. Auch die Dauer der Krankenhaus-Aufenthalte kann reduziert werden.

Allerdings gaben die Vortragenden zu bedenken, dass es bei fehlendem Krankheitsgefühl auch zu erschwerter Akzeptanz der Erkrankung kommen kann sowie zu einer Belastung durch die doppelte Manifestation: zuerst beim Screening mit positivem Befund und dann beim notwendigen Beginn der Insulintherapie.

Empfehlungen zum Screening auf Typ-1-Diabetes

  1. die Möglichkeiten zur Aufklärung nutzen
  2. Vor- und Nachteile des Screenings neutral schildern
  3. Betroffene stets begleiten und schulen

Wissen kann erleichtern und traumatisieren

Aus psychologischer Sicht wurde betont, dass die Mitteilung der Screening-Befunde behutsam erfolgen muss. Denn mehr Wissen kann einerseits zwar zu weniger Ungewissheit führen, andererseits aber auch als Dauerbedrohung wahrgenommen werden. Der Umgang mit dem Risiko führe dann zur Traumatisierung und nicht das Risiko selbst. Es sei also eine psychologische und strukturierte Begleitung nötig. Fehlende Versorgungsstrukturen wurden als Barriere aufgezeigt.

Die Selbsthilfe könne hier möglicherweise unterstützen. Wirksame Selbsthilfe führt unter anderem zur Übernahme von Verantwortung, Erfahren von Selbstwirksamkeit und erleichtert gesundes Verhalten. Aktuell sind die Strukturen der Selbsthilfe jedoch so ausgelegt, dass sie erst ab Beginn der Insulintherapie greifen.

In der anschließenden Diskussion kamen Betroffene zu Wort. Persönliche Erfahrungen bei der Diagnose des Typ-1-Diabetes waren entscheidend, ob die Familien sich für oder gegen ein Screening aussprachen. Insbesondere bei schwerer Entgleisung mit Ketoazidose, einer Übersäuerung des Körpers durch Insulin-Mangel, und Aufenthalt auf der Intensivstation war der Wunsch nach einer Früherkennung stark. Die Möglichkeit einer etwaigen Therapie zur Verzögerung im Frühstadium war auch Teil der Überlegungen sowie der Wunsch, das Kind für sich selbst entscheiden zu lassen.

Schulung bei Manifestation entscheidend

Im zweiten Teil des Symposiums wurde der Fokus auf die Therapie und Schulung nach Manifestation gelegt, einschließlich des frühen Einsatzes von Systemen zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID). Seit 2023 in der Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes stand, dass allen Patientinnen und Patienten eine solche Therapie angeboten werden sollte, hat die Technisierung rasch zugenommen.

Bei kleineren Kindern unter sechs Jahren wird in aller Regel direkt eine Therapie mit Insulinpumpe gestartet. Bei größeren Kindern komme es nach wie vor häufig zu Verzögerungen, je nach Hersteller und Krankenkasse. Die Schulung zur Technik nimmt breiten Raum ein, denn die Technik muss verständlich erklärt werden. Betont wurde auch, dass „Worst-Case“-Szenarien geschult werden müssen, wie: Was mache ich, wenn ich keine Sensoren mehr habe oder wenn meine Pumpe kaputt ist?

Die Diabetologie befindet sich stets im Wandel, sei es durch Technologisierung oder Screening sowie die Einführung von neuen Therapien. Der Austausch zwischen den Diabetes-Teams und der Selbsthilfe zum Erfassen von Möglichkeiten und Lücken war an diesem Tag gegeben und kann zur besseren Versorgung der Menschen mit Typ-1-Diabetes beitragen.


von Dr. med. Johanna Weekes

Dr. med. Johanna Weekes ist Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde mit der Zusatzbezeichnung Diabetologin DDG. Sie ist tätig in der Abteilung für pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (6) Seite 40-41

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  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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