Worauf bezüglich der Ernährung bei einer Inkretin-Therapie zu achten ist

2 Minuten

Worauf bezüglich der Ernährung bei einer Inkretin-Therapie zu achten ist | Foto: Studio Romantic – stock.adobe.com
Foto: Studio Romantic – stock.adobe.com
Worauf bezüglich der Ernährung bei einer Inkretin-Therapie zu achten ist

Inkretin-Medikamente helfen Menschen mit Typ-2-Diabetes und erleichtern das Abnehmen. Doch nur mit der richtigen Ernährung bleiben sie wirksam und sicher. Warum die Nährstoffzufuhr und regelmäßige Mahlzeiten unter dieser Therapie besonders wichtig sind, war Thema auf der DDG-Herbsttagung.

Medikamente, die den Inkretin‑Effekt nutzen (z.B. GLP‑1‑Rezeptoragonisten), helfen Menschen mit Typ-2-Diabetes bei der Stoffwechselkontrolle und mittlerweile auch vielen Menschen ohne Diabetes beim Abnehmen. Damit die Behandlung aber wirklich langfristig funktioniert und gesund bleibt, spielt die richtige Ernährung eine zentrale Rolle. Denn wer durch die Medikamente weniger isst, nimmt oft auch zu wenig Eiweiß und wichtige Vitamine und Mineralstoffe auf.

Umfassender individueller Behandlungsplan

Professorin Dr. Diana Rubin vom Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin in Berlin betonte auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Mannheim, dass Inkretin‑Medikamente immer in einen umfassenden Behandlungsplan eingebettet sein sollten. Dazu gehören Ernährungsberatung und Unterstützung bei der Umstellung des Lebensstils – vor, während und nach der Gewichtsabnahme. Die Medikamente wirken zwar sehr gut, bringen aber auch Herausforderungen mit sich: Magen-Darm-Beschwerden, Verlust von Muskel- und Knochenmasse bei zu schnellem Gewichtsverlust, hohe Kosten, ein häufiger Therapieabbruch und ein erneuter Gewichtsanstieg nach dem Absetzen.

Auf einen Blick: wichtige Bausteine für die Ernährungstherapie bei einer Inkretin-Therapie

  • individuelle, patientenzentrierte Planung
  • ausführliche Ernährungsanalyse und ggf. BIA‑Messung
  • begleitende Ernährungsberatung (z.B. 8‑Tage‑Ernährungsprotokoll)
  • Vermeidung von Eiweiß- und Nährstoffmangel
  • Umgang mit Magen-Darm‑Nebenwirkungen
  • Schutz von Muskel- und Knochenmasse (Alltagsbewegung, Ausdauer‑ und Krafttraining)
  • bestmögliche Unterstützung der Gewichtsabnahme
  • Förderung weiterer gesunder Lebensgewohnheiten (z.B. Stressabbau, guter Schlaf)

Eine große US-Studie zeigt, worauf in der Behandlung besonders geachtet werden muss. Wichtig ist vor allem, dass die Therapie individuell geplant wird und Patientinnen und Patienten aktiv einbezogen werden. Dazu gehört eine ausführliche Befragung zur bisherigen Ernährung, zum Lebensstil und zur gesundheitlichen Vorgeschichte. Auch Messungen wie Körpermaße oder eine Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) zur Bestimmung der Körperzusammensetzung können sinnvoll sein. Hilfreich ist ein spezieller Fragebogen des Bunds Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM).

Genug Eiweiß und Nährstoffe – trotz kleiner Portionen

Viele Betroffene essen unter Inkretin-Therapie sehr wenig – manchmal unter 1.000 kcal pro Tag. Das ist zu wenig, um den Körper ausreichend mit Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Deshalb sollte genau dokumentiert werden, was gegessen wird, am besten über mehrere Tage. Wenn nötig, werden Eiweiß oder Mikronährstoffe ergänzt. Empfohlen wird eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung mit ausreichend Protein und orientiert an allgemeinen Ernährungsrichtlinien.

Wenn vor Beginn der Therapie bereits Magen-Darm-Beschwerden vorhanden waren, kann das später die Verträglichkeit beeinflussen. Dann helfen Ernährungsanpassungen, eine niedrigere Dosis oder Medikamente gegen Übelkeit.

Regelmäßige Mahlzeiten sind entscheidend

Viele Menschen essen unregelmäßig – oft ein wichtiger Faktor für Übergewicht. Doch gerade unter Inkretin-Therapie ist es wichtig, feste Mahlzeiten beizubehalten, auch wenn der Appetit gering ist oder Übelkeit auftritt. Dafür braucht es oft Unterstützung: Wie sieht der Alltag aus? Welche Gewohnheiten gibt es? Welche Möglichkeiten hat die Person? Methoden wie „Motivational Interviewing“ helfen, gemeinsam passende Lösungen zu finden. Pauschale Tipps wie „essen Sie einfach gesünder“ oder „machen Sie mehr Sport“ bringen dagegen wenig.

Allerdings gilt: Die Forschung zur Ernährung während einer Inkretin-Therapie ist noch nicht sehr umfangreich, da die Medikamente erst seit relativ kurzer Zeit gegen Adipositas eingesetzt werden.


von Gregor Hess und Dr. Karin Kreuel

Avatar von gregor-hess

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in der diabetes zeitung 8/2025 und wurde für den Diabetes-Anker überarbeitet.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Doppel-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: Wenn Typ-1- und Typ-2-Diabetes zusammentreffen
Lange Zeit galten Typ-1- und Typ-2-Diabetes als zwei klar voneinander getrennte Erkrankungen. Doch in den vergangenen Jahren zeigt sich auch bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger ein Phänomen, das beide Krankheitsbilder miteinander verbindet: der Doppel-Diabetes.
Ein Jugendlicher mit Brille betrachtet auf einem Smartphone seinen Glukosesensor am Oberarm. Auf dem Tisch liegen weitere Diabetes-Utensilien.

3 Minuten

Diabetes und Gürtelrose: Das Risiko im Blick behalten – mit Video und Podcast
Wer Diabetes hat, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. Der Diabetologe Dr. Dietrich Tews erklärt im Video- und Podcast-Interview, welche Rolle das Immunsystem dabei spielt, welche Komplikationen auftreten können und warum Vorsorge und stabile Blutzuckerwerte das Risiko senken.
Dr. med. Katrin Kraatz (links) und Dr. med. Dietrich Tews stehen lächelnd vor einer grünen Hecke.

3 Minuten

Anzeige
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 3 Tagen, 23 Stunden

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?