- Begleiterkrankungen
Diabetes und Autismus-Spektrum-Störung: Besondere Herausforderungen im Alltag
3 Minuten

Treten Typ-1-Diabetes und eine Autismus-Spektrum-Störung gemeinsam auf, kann das Familien vor besondere Herausforderungen stellen. Feste Routinen, sensorische Empfindlichkeiten und Besonderheiten bei der Kommunikation beeinflussen das Diabetes-Management.
Die Diagnose eines Typ-1-Diabetes verändert durch Glukose-Messungen, Insulingaben, Kohlenhydrat-Berechnungen sowie Unter- oder Überzuckerungen den Alltag. Für viele Eltern ist diese erste Zeit geprägt von Unsicherheit, Überforderung und einem hohen organisatorischen Aufwand. Besteht zusätzlich eine Autismus-Spektrum-Störung, entstehen oftmals besondere Herausforderungen.
Genau diese Situation erlebte auch die Familie der zwölfjährigen Emilia (Name von der Redaktion geändert). Bereits vor der Diabetes-Diagnose war ihr Alltag stark von festen Strukturen, klaren Abläufen und verlässlichen Routinen geprägt. Veränderungen bedeuteten für Emilia durch die Autismus-Spektrum-Störung häufig Stress und Unsicherheit. Mit der Manifestation des Typ-1-Diabetes wurde diese Stabilität plötzlich durch zahlreiche neue Anforderungen unterbrochen.
Sensorische Besonderheiten durch Autismus
Eine besondere Rolle spielen sensorische Empfindlichkeiten, die bei vielen Menschen im Autismus-Spektrum auftreten. Berührungen, Druck, Geräusche oder bestimmte Materialien werden häufig intensiver wahrgenommen. Das kann direkte Auswirkungen auf die Diabetes-Behandlung haben.
Bei Emilia zeigte sich dies insbesondere bei der Einführung eines Sensors zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM). Während viele Kinder die neue Technik nach kurzer Eingewöhnung akzeptieren, versuchte sie mehrfach, den Sensor kurz nach dem Anbringen wieder zu entfernen. Für die Eltern entstand daraus eine enorme Belastung. Einerseits wussten sie um die Bedeutung der kontinuierlichen Glukose-Messung für die Sicherheit ihrer Tochter, andererseits erlebten sie täglich, wie stark sie der Sensor störte. Jeder Sensor-Wechsel wurde zunehmend von Anspannung begleitet.
Umgang mit Diabetes und Autismus
- Die Therapie muss an das Kind angepasst werden.
- Nicht Druck und starre Vorgaben, sondern Verständnis, Struktur und interdisziplinäre Zusammenarbeit führen zum Erfolg.
- Eltern und Betreuende müssen gut informiert werden, damit sie Sicherheit ausstrahlen.
Im Behandlungsteam wurde schnell deutlich, dass Druck oder Zwang die Situation nicht verbessern würden. Stattdessen musste ein Ansatz gefunden werden, der Emilias individuelle Wahrnehmung und ihre Bedürfnisse berücksichtigte. Gemeinsam mit den Eltern wurde analysiert, dass Emilia neue Situationen besser akzeptieren konnte, wenn sie ausreichend vorbereitet wurde und das Vorgehen ruhig und strukturiert ablief.
Die Einführung des Sensors erfolgte deshalb schrittweise. Zuerst wurde den Eltern der Sensor erklärt, damit sie sich sicher fühlten und dies auch gegenüber Emilia ausstrahlen konnten. Emilia durfte den Sensor anschauen, anfassen und Fragen stellen. Jeder einzelne Schritt wurde angekündigt und erklärt. Gleichzeitig achteten die Eltern auf eine Umgebung mit möglichst wenigen Reizen und ohne Zeitdruck oder zusätzliche Belastungen.
Zusätzlich wurden gezielt Ablenkungsstrategien eingesetzt. Während des Sensor-Wechsels durfte Emilia ihrer Lieblingstätigkeit, dem Malen, nachgehen. Nach dem Setzen wurde der Sensor zusätzlich mit einem Pflaster fixiert, was ihr ein größeres Gefühl von Stabilität vermittelte. Erst durch diese Kombination aus Vorbereitung, Struktur, visueller Begleitung und emotionaler Sicherheit gelang es schrittweise, die Sensor-Versorgung zu etablieren.
Herausforderungen in Schule und Betreuung
Neben den Herausforderungen im häuslichen Umfeld spielt auch die Betreuung in Schule oder Kindergarten eine entscheidende Rolle. Gerade hier treffen häufig Unsicherheiten aufeinander.
Emilia wurde bereits vor der Diabetes-Diagnose durch eine Individual-Begleitung unterstützt. Diese kannte ihre durch den Autismus bedingten Besonderheiten sehr gut, verfügte jedoch über keine Erfahrung im Umgang mit Typ-1-Diabetes. Auch die Schule fühlte sich durch die zusätzliche Verantwortung verunsichert. Teilweise war die Unsicherheit so groß, dass der reguläre Schulbesuch zunächst nicht problemlos möglich erschien.
Entscheidend war schließlich die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das Behandlungsteam suchte aktiv den Austausch mit Schule und Individual-Begleitung. In gemeinsamen Gesprächen wurden Grundlagen des Diabetes-Managements, typische Alltagssituationen und Notfall-Maßnahmen erklärt. Besonders wichtig war dabei die Vermittlung von Sicherheit. Viele Ängste entstanden weniger durch tatsächliche Risiken als durch fehlendes Wissen in Bezug auf die Erkrankung.
Technik als Chance?
Aufgrund der anfänglichen Schwierigkeiten bezüglich der Akzeptanz des Sensors wurde bei Emilia zunächst bewusst auf eine möglichst einfache Therapie gesetzt. Es erfolgte die Behandlung mit einer intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT). Für das Behandlungsteam stand die Akzeptanz der Therapie im Vordergrund.
Erst nachdem die Sensor-Versorgung zunehmend stabil funktionierte und die Familie mehr Sicherheit gewonnen hatte, wurde die Einführung eines Systems zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID) besprochen. Der Fokus war hier, die Stoffwechsel-Schwankungen aufgrund emotionaler Veränderung und heimlichen Naschens zu minimieren. Dies gestaltete sich unter ICT schwierig.
Zudem hatten die Stoffwechsel-Schwankungen große Auswirkung auf Emilias emotionale Lage und Stabilität. Auch hier erwies sich ein schrittweises Vorgehen als entscheidend. Mit der Zeit zeigten sich die Vorteile des Systems immer deutlicher. Die Eltern berichteten insbesondere von einer deutlichen Entlastung in der Nacht, durch die sie die täglichen Herausforderungen von Autismus und Typ-1-Diabetes mit mehr Energie meistern können.

Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes interdisziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.
von Sarah Obst
Sarah Obst ist Diabetesberaterin DDG, Diätologin B. Sc. und tätig in der Sektion für Kinderendokrinologie, -diabetologie und -nephrologie des Sozialpädiatrischen Zentrums im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg (Menzinger Straße 44, 80638 München)
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (8/9) Seite 44-45
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florahdo postete ein Update vor 3 Tagen, 9 Stunden
Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!
Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂
mr postete ein Update vor 5 Tagen, 20 Stunden
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 17 Stunden, 7 Minuten
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?
moira postete ein Update vor 5 Tagen, 22 Stunden
Hallo!
Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
Ich wüsste gerne wie gut das klappt.- moira antwortete vor 5 Tagen
Ich meinte Liberty



