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„Gesundheit wartet nicht bis Schulschluss“: Expertenbericht fordert gesetzlich verankerte Schulgesundheitspflege
4 Minuten

Bereits 2021 hat die DDG in einem Positionspapier eine gesetzlich verankerte Schulgesundheitspflege gefordert, um Kindern mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes eine bessere Teilhabe zu ermöglichen. Ein jüngst vorgelegter Expertenbericht bestätigt die Datenlage – und politisch stehen die Chancen besser denn je, dass der flächendeckende Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften Teil der Regelversorgung wird.
Seit Jahren fordern die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Verbände für Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinderkrankenpflege und die Stiftung Kindergesundheit eine strukturell verankerte Schulgesundheitspflege: Sie soll Kindern mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen eine schulische Teilhabe ermöglichen und die Gesundheitsprävention stärken.
Noch hängt es hierzulande stark von Bundesland, Schulstandort oder einzelnen Modellprojekten ab, ob Kinder und Jugendliche mit Asthma, ADHS, psychischen Erkrankungen oder Typ-1-Diabetes im Schulalltag qualifizierte Unterstützung erhalten. Insgesamt arbeiten bundesweit an öffentlichen Schulen erst 150 Schulgesundheitsfachkräfte, viele davon in befristeten Modellprojekten. In Schweden, Großbritannien, Belgien, Australien, Kanada oder den USA hingegen sind School Nurses bzw. Schulgesundheitsfachkräfte längst Teil des regulären Schulsystems.
Die Lücke schließen durch Schulgesundheitsfachkräfte
Schulgesundheitsfachkräfte schließen eine Lücke, die hierzulande meist von Lehrkräften, Schulsekretariaten oder Eltern gekittet wird. Was das für Kinder mit Diabetes und ihre Familien bedeutet, schilderte Professor Dr. Andreas Neu, Kinder-Diabetologe und langjähriges DDG-Vorstandsmitglied, bei einer Pressekonferenz der DDG und des Expertenbündnisses Schulgesundheitspflege an einem Fallbeispiel:
Als der siebenjährige Max einige Wochen nach der Diagnose Typ-1-Diabetes erstmals ohne Begleitung seiner Mutter wieder in die Schule ging, schlug sein CGM-Sensor mit einem Glukosewert von über 300 mg/dl (16,7 mmol/l) Alarm. Max und seine Klassenlehrerin konnten ihn nicht einordnen. Die Schulsekretärin kontaktierte die Mutter, die seit zwei Wochen erstmals wieder am Arbeitsplatz war und das Kind abholte. Zu Hause zeigte sich: Max hatte mit einem Mitschüler das Pausenbrot getauscht, statt Käse gab es für ihn nun Schokocreme. Ein Extrabolus wäre die Lösung gewesen.
Das Beispiel zeige, dass CGM- und AID-Systeme zwar das Alltagsmanagement erheblich erleichtern, aber keine qualifizierte Pflegefachperson ersetzen, die Sensorsignale korrekt einordnet und im Notfall interveniert: „Kinder sind im Grundschulalter noch überfordert mit dem komplexen Diabetesmanagement. Schulen können das auch nicht leisten. Diese Defizite werden in der Regel von Müttern kompensiert, ohne Rücksicht auf die eigene berufliche Situation“, so Prof. Neu.
Auch gravierende finanzielle Folgen für Familie und Gesellschaft
Susanne Fitza, Mutter einer achtjährigen Tochter mit Typ-1-Diabetes, ist zwar voll berufstätig und kann im Alltag auf eine Schulbegleitung zurückgreifen. Doch wenn diese krankheitsbedingt ausfällt, muss sie improvisieren. Dann verlegt sie ihren Arbeitsplatz inklusive Videokonferenzen auch mal in die Schulbibliothek. „Viele Eltern haben im Job aber Präsenzpflicht oder können generell nicht mobil arbeiten“, betonte sie.
Die Konsequenzen für die Teilhabe am Arbeitsmarkt sind gravierend, wie die AMBA-Studie von 2019 zeigt: Demnach reduzieren 39 Prozent der Mütter nach der Diabetesdiagnose des Kindes ihre Arbeitszeit, 10 Prozent geben ihre Berufstätigkeit sogar ganz auf. Über finanzielle Einbußen ihres Haushalts durch die Diabetes-Erkrankung ihres Kindes berichten 46 Prozent der Familien.
Ökonomischer Nutzen durch Schulgesundheitsfachkräfte am Beispiel Hessen
- Die Heilbehandlungskosten pro Unfall sind an hessischen Schulen mit Schulgesundheitsfachkraft im Schnitt um 14 Prozent niedriger als an Vergleichsschulen. Die jährlichen Einsparungen werden bei einem landesweiten Einsatz solcher Kräfte auf etwa 1.565.000 Euro geschätzt.
- In hessischen Gymnasien gingen Rettungswageneinsätze im Rahmen der Modellprojekte um 46 Prozent zurück, in Gesamtschulen um 64 Prozent Prozent.
- In einem modellierten Szenario ergibt sich im Lebensverlauf ein „Return on Invest“ von 1:35 bei Typ-1-Diabetes und sogar 1:43 bei psychischen Erkrankungen. Das bedeutet: Jeder investierte Euro kann bis zu 35 bzw. 45 Euro gesellschaftlichen Nutzen erzeugen.
Angesichts der Tatsache, dass mittlerweile 20 bis 25 Prozent der Kinder mit chronischen Erkrankungen leben, kommt die Versorgungslücke in Deutschland auch die Sozialversicherungsträger teuer zu stehen. So erklärte Professorin Dr. Heidrun M. Thaiss, Professorin für Health Promotion an der TU München und Executive Director Medicine & Science der Felix Burda Stiftung: „Die Kosten entstehen nicht nur im SGB V. Schulbegleitung ist in SGB VIII geregelt, Eingliederungshilfe in SGB IX. Die sozialen Sicherungssysteme stehen mit dem Rücken zur Wand – und mit Schulgesundheitspflege könnte man die Kosten deutlich senken.“
Welchen immensen volkswirtschaftlichen Nutzen der Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften mit sich bringt, zeigen die Befunde des interdisziplinären Expertenrats, die Birgit Pätzmann-Sietas vom Berufsverband Kinderkrankenpflege präsentierte (siehe obigen Kasten). Sie forderte einen klaren Paradigmenwechsel: weg von punktuellen Projektangeboten, hin zu dauerhaft vor Ort verankerten interdisziplinären Teams. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“
„Noch in diesem Jahr auf den Weg bringen“
Die Umsetzung wird zwar durch die Zuständigkeitsverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen erschwert. Aber immerhin enthält der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung Anknüpfungspunkte: das Bekenntnis zu chancengerechter Bildung und zur Prävention psychischer Erkrankungen sowie die Förderung multiprofessioneller Teams an Schulen.
Die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU), gelernte Krankenpflegerin und Mitglied im Gesundheitsausschuss, möchte Schulgesundheitsfachkräfte an den Öffentlichen Gesundheitsdienst anbinden. „Erklärtes Ziel ist es, das noch in diesem Jahr auf den Weg zu bringen.“ Ihr Kollege Johannes Wagner (Bündnis 90/Die Grünen), Arzt und ebenfalls Mitglied im Gesundheitsausschuss, bekräftigte: „Wo ein Wille ist, gibt es auch Geld.“
Wie gut dieses Geld angelegt wäre, zeigte Nadine Haunstetter. Als Schulgesundheitsfachkraft ist sie an einem Stuttgarter Schulcampus mit 1.800 Kindern für medizinische Notfälle, Gesundheitsaufklärung und vertrauliche Gespräche zuständig – und entlastet täglich Lehrkräfte, Kinderarztpraxen und Notaufnahmen. Ihre Botschaft: „Schule ist ein Ort, an dem gelebt wird. Gesundheit wartet nicht bis Schulschluss. Nur wer sich gesund fühlt, kann auch am Unterricht teilnehmen.“
Weitere Organisationen fordern Schulgesundheitsfachkräfte
Inzwischen setzen sich weitere Mitstreiter für Schulgesundheitsfachkräfte ein. So veröffentlichten der Dachverband der betrieblichen Krankenversicherungen, die Bundesschüler*innenkonferenz, der Bundeselternrat und der Deutsche Pflegerat anlässlich des Internationalen Kindertages am 1. Juni 2026 das Memorandum „Eine starke Gesellschaft braucht gesunde Kinder – endlich Schulgesundheitsfachkräfte bundesweit etablieren!“. Die Verbände fordern einen gemeinsamen Schulgesundheitspakt von Bund und Ländern mit dem Ziel, bis zu 10.000 Stellen zu schaffen. Diese könnten über eine Zuckersteuer mitfinanziert werden.
von Antje Thiel
in leicht abgewandelter Form zuerst erschienen in diabetes zeitung, Ausgabe 4/2026
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






