Medikamenten-Check: Mehr Sicherheit für die Patienten

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Medikamenten-Check: Mehr Sicherheit für die Patienten

Sind Sie Diabetiker und nehmen mehr als fünf Medikamente regelmäßig? Ab und zu kaufen Sie sich gegen Erkältung oder Kopfschmerzen etwas zusätzlich in der Apotheke? Da ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Lassen Sie sich in der Apotheke zur eigenen Sicherheit beraten!

Arzneimittelsicherheit wünscht sich jeder. Wer Arzneimittel einnehmen muss, möchte gern, dass alle Medikamente zueinander passen, verträglich sind und gut wirken. Tatsächlich treten jedoch bei etwa 5 Prozent der medikamentös behandelten Patienten unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf; und 10 bis 30 Prozent der Krankenhauseinweisungen von älteren Menschen sind ebenfalls darauf zurückzuführen. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass 30 bis 40 Prozent unerwünschter Arzneimittelwirkungen vermeidbar wären.

Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist aktuell ein wichtiges Thema bei allen Beteiligten des Gesundheitswesens. Um gemeinsam Strategien zum Nutzen der Patienten zu entwickeln, ist der Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit ins Leben gerufen worden. Zur Umsetzung des Aktionsplans 2008/2009 wurde bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) eine Koordinierungsgruppe eingerichtet.

Dieser gehören Vertreter der Ärzteschaft, der Apothekerschaft sowie Patientenvertreter und Mitarbeiter des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) an. Die Arbeit der Koordinierungsgruppe hat sich bis heute bewährt; aus der Feder dieser Gruppe stammt auch ein Entwurf für einen einheitlichen Medikationsplan, den die einzelnen Gruppen im Gesundheitswesen gemeinschaftlich nutzen sollen.

Medikationsmanagement

Ein Baustein zu mehr Arzneimittelsicherheit ist ein umfassendes Medikationsmanagement: Hausärzte und Apotheken bieten ihren Patienten einen Arzneimittel-Check an. Die ABDA definierte 2008 das Medikationsmanagement in Apotheken wie folgt: “Es ist die Analyse der gesamten Medikation eines Patienten, inklusive der Selbstmedikation, mit dem Ziel, arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen und zu lösen.”

Ziel des Medikationsmanagements soll sein, die Sicherheit der Patienten im Umgang mit ihren Arzneimitteln zu verbessern. Besonders Diabetiker profitieren von einer optimalen Anwendung der Arzneimittel, dem Wissen darüber, welche Risiken zu Unter- oder Überzuckerungen führen und was bei der Einnahme zu beachten ist.

Welche Arten von Medikationsmanagement gibt es?

Zurzeit werden eine Reihe unterschiedlicher Konzepte zur Umsetzung eines Medikationsmanagements bei Ärzten, Krankenkassen, Pflegeeinrichtungen und Apothekern erprobt. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass einige Konzepte den Schwerpunkt auf eine Betrachtung der derzeit eingenommenen Arzneimittel legen und andere eine langfristige kontinuierliche Betreuung der Patienten favorisieren.

Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft empfiehlt in Übereinstimmung mit dem Pharmaceutical Care Network Europe (PCNE) die Unterscheidung in die folgenden drei Stufen:

  • Ein einfaches Medikationsmanagement anhand der in der Apotheke vorliegenden Daten (z. B. Rezepte, Selbstmedikation, Kundendatei). Hiermit können vor allem Doppelverordnungen desselben Wirkstoffs, Wechselwirkungen und unlogische Dosierungen erkannt werden.
  • Ein erweitertes Medikationsmanagement erfolgt wie unter 1. beschrieben unter zusätzlicher Einbeziehung weiterer Informationen vom oder über den Patienten. Hiermit können auch unerwünschte Arzneimittelereignisse, Probleme mit der Therapietreue und Anwendungsfehler erkannt werden.
  • Ein klinisches Medikationsmanagement wie unter 2. beschrieben mit zusätzlichem Einbeziehen ärztlicher Daten (z. B. Diagnosen, Labordaten). Hiermit können die Medikation auch auf Anwendungsgebiete und Gegenanzeigen überprüft und die Dosierung der Arzneimittel an die Nieren- und Leberfunktion angepasst werden.

Medikationsmanagement – ein Erfahrungsbericht

“Vor einigen Wochen”, sagt Marita Müller, “wurde ich in meiner Apotheke angesprochen, als ich ein Rezept aus dem Notdienst von einem fremden Arzt einlösen wollte. Das verordnete Antibiotikum vertrug sich nicht mit meinen sonstigen Medikamenten. Nach Rücksprache der Apothekerin mit dem Arzt bekam ich ein alternatives Antibiotikum. Bei der Gelegenheit bot mir meine Apothekerin einen Gesamt-Medikationscheck an.”

Die Stamm-Apotheke von Frau Müller ist schon immer recht aktiv in der Beratung ihrer Kunden. Doch zu diesem Zeitpunkt nahm sie an dem Pilotprojekt ATHINA (Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken) der Apothekerkammer Nordrhein teil.

Das Pilotprojekt

Mit dem Projekt wurde die strukturierte Umsetzung eines standardisierten Medikationsmanagements erprobt – auf Basis der gesamten Medikation des Patienten inklusive der Mittel aus der Selbstmedikation und der Nahrungsergänzungsmittel. Die vom Patienten aktuell eingenommenen Medikamente wurden überprüft auf Verträglichkeit, Verfall, Neben- und Wechselwirkungen, die richtige Einnahme vor, nach oder mit der Mahlzeit in den richtigen Dosierungen und individuelle Anwendungsprobleme.

Marita Müller: “Zunächst gab mir meine Apothekerin eine Arzneimittel-Sicherheitstüte mit. In diese packte ich dann alle Medikamente, die ich einnehme, sowie meinen Einnahmeplan vom Arzt und brachte alles zurück in die Apotheke.

Dokumentation Ihrer aktuellen Medikamente …

Zusammen mit mir sah die Apothekerin die Packungen durch, sortierte ein Mittel, das abgelaufen war, aus und befragte mich zur Einnahme.” So beschreibt Marita Müller den Einstieg in ihr Medikationsmanagement. Im Rahmen dieses Gesprächs über die Medikation dokumentiert der Apotheker alle Medikamente in der Apothekensoftware, der Patient kann dann alle Arzneimittel direkt wieder mit nach Hause nehmen.

Auch arzneimittelbezogene Probleme, über die der Patient berichtet, werden mit in die Auswertung einbezogen. Automatisch werden Wechselwirkungen überprüft, und der Apotheker kontrolliert Dosierungen und Einnahmeempfehlungen gemäß dem ärztlichen Medikationsplan, sofern dieser vorliegt. Marita Müller: “Wir haben dann einen Besprechungstermin einige Tage später vereinbart; hierfür nahm sich meine Apothekerin Zeit: Wir sprachen neben den Medikamenten auch über die Funktionsweise meines neuen Insulinpens und den täglichen Nadelwechsel.

Außerdem hatte ich zwei Packungen Zucker-Tabletten, die zwar den gleichen Wirkstoff enthielten, aber unterschiedliche Namen hatten – das verunsicherte mich, so dass ich nicht genau wusste, welche ich einnehmen sollte. Die Apothekerin markierte die Packungen und notierte beide Namen auf einem aktualisierten Medikationsplan. Sie riet mir, den Plan, der nun die Arzneimittel des Hausarztes und des Diabetologen sowie die von mir selbst gekauften enthielt, meinem Hausarzt zu zeigen.”

Der Informationsaustausch

In der Apotheke laufen die Gesamtmedikation verschiedener Ärzte und die Selbstmedikation des Patienten zusammen. Also ist hier eine gute Schnittstelle, um eine erste Gesamtauswertung vorzunehmen, die dann natürlich an die behandelnden Ärzte in Form des aktualisierten Plans weitergegeben wird.

Der Arzt ist außerdem mit Einwilligung des Patienten immer der erste Ansprechpartner, wenn Probleme entdeckt werden, die die erfolgreiche Therapie gefährden – oder die Gesundheit des Patienten! So ein Gesamt-Check ist für Diabetiker zudem eine Chance, weitere Informationen rund um die Diabetestherapie zu erhalten – zum Beispiel zu den Blutzuckermessungen und der sonstigen Lebensführung.

Die Dienstleistung des Medikationschecks unterscheidet sich von einer normalen Beratung darin, dass sich der Apotheker oder der Hausarzt einen Gesamtüberblick über die Medikation verschafft. Das braucht, wenn es qualifiziert durchgeführt wird, Zeit, die sich Fachleute für den Patienten nehmen. “Im Rahmen des Pilotprojektes hatte ich Glück”, so Marita Müller: „Für den Check mit allem Drum und Dran hat sich die Apothekerin eine Stunde Zeit genommen – aber für mich war es kostenlos.“

„Bedenkt man aber, was heute schon eine Handwerkerstunde kostet, dann sollte diese Dienstleistung angemessen bezahlt werden. Ich fühle mich nun viel sicherer im Umgang mit meinen Medikamenten. Außerdem kann ich mir bei Veränderungen der Verordnung immer wieder einen neuen aktualisierten Einnahmeplan ausdrucken lassen, den ich dann zum Arzt mitnehme. Dieses Medikationsmanagement ist eine tolle Sache“, findet Frau Müller.

Schwerpunkt „Therapie-Sicherheit“


von Dr. Katja Renner

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 62 (10)  Seite 22-25

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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