- Behandlung
Nach Herzinfarkt trotzdem in Urlaub fliegen?
4 Minuten

Menschen mit Diabetes haben ein höheres Risiko für Erkrankungen wie einen Herzinfarkt. Mitten in der Reisezeit fragt sich der eine oder andere: Kann ich denn nach kürzlich überstandenem Herzinfarkt mit gutem Gewissen in Urlaub fliegen?
Vor Flugreisen gilt es, gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und seine Flugtauglichkeit prüfen zu lassen: vom Hausarzt bzw. Kardiologen/Internisten/Allgemeinarzt. Im Zweifelsfall sogar von einem speziell ausgebildeten Flugmediziner: einem Arzt mit einer Zusatzausbildung in Flugmedizin. Laut dem Fachmagazin MMW finden jährlich etwa 2 Mrd. Flugreisen statt; allein am Frankfurter Flughafen reisen jährlich etwa 60 Mio. Passagiere an und ab.
Das Fallbeispiel
Herr Peters, Diabetiker, hatte erst vor drei Monaten einen Herzinfarkt erlitten. Er hatte deswegen vorübergehend im Akutkrankenhaus sogar einen Herzschrittmacher erhalten und war wiederbelebt worden.
Nach der Reha ging es ihm aber wieder gut – er konnte wieder ohne Luftnot gehen. Auch sein Diabetes, der vorübergehend mit Insulin behandelt werden musste (Stress!), war nun mit seinen ursprünglichen Tabletten wieder im Lot.
Herr Peters hatte schon im letzten Winter geplant, Tochter und Enkelkinder (2 Mädchen) im Sommer in Amerika zu besuchen. Geht dies denn trotz alledem?
Fluggäste immer älter
Durch EU-weites Recht (Grundrecht auf Mobilität) darf einem Menschen mit einer Behinderung oder wegen einer möglichen Einschränkung seiner Mobilität die Teilnahme an einem Flug nicht verwehrt werden – wenn dem keine ausdrücklichen Sicherheitsbedenken entgegenstehen. Dies führt auch dazu, dass immer mehr ältere Menschen teils mit mehreren Erkrankungen ebenfalls im Flugzeug zu finden sind.
1.600 Notfälle an Bord
Die Anzahl der Notfälle liegt bei etwa 1 600 jährlich, mit etwa 5 bis 6 Notfällen, die tödlich enden.
Bezüglich des oben geschilderten Falls unseres Diabetikers Peters, der einen Herzinfarkt gut überstanden hat, sollte Folgendes berücksichtigt werden: Mit zunehmender Flughöhe (um 10.000 bis 12.000 m bei Linienflügen) sinkt der Sauerstoffdruck in der Kabine des Flugzeuges um etwa 30 mmHg, wodurch die Sauerstoffsättigung des Blutes der Passagiere auf etwa 90 Prozent absinkt.
Außerhalb des Flugzeuges herrscht meist auch eine unwirkliche Temperatur von minus 56 °C. Die Flugzeugkabine selbst ist eine Art Druckkabine, der Druck darin entspricht einer Höhe von etwa 2.400 m über dem Meeresspiegel – vergleichbar einer Gebirgstour! Wie beim Bergsteigen in größerer Höhe besteht die Gefahr, dass durch den Sauerstoffmangel die Herzfrequenz steigt, was bei bekannter Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit, KHK) kritisch werden kann.
Darf ich fliegen? Ja, wenn …
Ob ein Patient nach einem durchgemachten Herzinfarkt oder mit bekannter KHK in der Lage ist, eine Flugreise durchzuführen, kann anhand von folgenden Kriterien des Herzzentrums Duisburg in etwa abgeschätzt werden. Jemand kann durchaus fliegen, wenn er:
- ohne Probleme 100 m gehen kann,
- 10 bis 12 Treppenstufen ohne Probleme steigen kann,
- der Blutdruck unter Belastung unter 200/120 mmHg bleibt.
Ein Patient mit ständig hohen Blutdruckwerten über 200/120 mmHg ist nicht flugtauglich. Je nach bereits vorhandenen Folgeschäden kann also die Flugtauglichkeit eingeschränkt sein. Wenn darüber Zweifel bestehen, können Sie gemeinsam mit Ihrem Hausarzt den medizinischen Dienst der jeweiligen Fluggesellschaft konkret dazu befragen. Entsprechende Formulare (MEDA-Formulare) können bei der Fluggesellschaft oder über das Reisebüro angefordert werden.
Durchfall und Reisen – Besonderheiten bei Diabetes
Gerade bei Reisen in die Subtropen, Tropen oder auch nach Südamerika muss man als Europäer auch ohne schwere Erkrankungssymptome in den ersten Tagen mit Durchfall rechnen.
Was die Lebensmittelhygiene angeht, denken Sie bitte an Folgendes: Nie ungekochtes, rohes oder ungeschältes Gemüse oder Obst essen (cook it, boil it, peel it – or forget it!) – wenn dies nicht möglich ist, lassen Sie es ganz sein!
Es sollten keine Getränke mit Eiswürfeln bestellt werden, da das Eis in der Regel aus Leitungswasser zubereitet wurde – das vorher meist nicht abgekocht war. Wasser sollte nur aus fest verschlossenen Originalflaschen oder Dosen getrunken werden. Zu Ihrer Sicherheit sollten Sie Hände- und Toilettendesinfektionsmittel mitführen.
Bei Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall können entsprechende Elektrolytlösungen oder Medikamente wie Imodium, Kohle oder MCP-Tropfen nützlich sein.
Merke: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können aber auch Zeichen einer Stoffwechselentgleisung mit hohen Blutzuckerwerten sein (Ketoazidose!) – deshalb bei Diabetes immer auch an so etwas denken und den Blutzucker und Urin (Ketone!) testen!
Bei etwas Vorbereitung und vorausschauendem Denken (dies ist absolut sinnvoll!) ist ein Flug in den Urlaub natürlich auch für Diabetiker möglich – auch in die Tropen und trotz ernster Vorerkrankungen. Viel Freude und heile Rückkehr!
Kennzeichen einer Reise-Diarrhö: mehr als 3 ungeformte (dünnflüssige) Stuhlgänge pro Tag, begleitet von Erbrechen, Übelkeit, schmerzhaftem Durchfall und/oder Fieber.
Maßnahmen bei Reise-Diarrhö:
- in der Regel nimmt man nur vorübergehend Substanzen wie Imodium, Kohle etc. nach Maßgabe des Hausarztes (den man vorher zu Hause gefragt hat!)
- Antibiotika nur unter folgenden Voraussetzungen und ebenfalls nur in Absprache mit einem Arzt:
- a) komplizierter Verlauf mit hohem, anhaltenden Fieber, blutigen Stühlen sowie Durchfall mit extremem Wasserverlust und der Gefahr des Austrocknens
- b) bekannte Vorerkrankungen (z. B.) entzündliche Dickdarm-/Dünndarmerkrankungen (M. Crohn/Colitis ulcerosa) oder eine Immunschwäche
Spritzen, Kanülen und Katheter: Bescheinigung mitführen!
Diabetiker, die Insulin brauchen, sollten einen Teil der mitgenommenen Menge immer im Flugzeug mit sich führen: Im Frachtraum könnte es gefrieren, beschädigt werden oder insgesamt abhandenkommen! Führen Sie daher auch Pens und Insulinspritzen möglichst im Urlaub bei sich nahe am Körper. Spritzen, Kanülen, Katheter für die Pumpe: Damit es keine Missverständnisse bei den Kontrollen am Flughafen gibt, sollten Sie sich auch immer vor der Reise eine Bescheinigung holen!
Darin sollte Ihnen bestätigt werden, dass Sie Diabetiker sind und Insulin benötigen – dies gilt auch für eine Insulinpumpe; alles möglichst auf Englisch und/oder in der jeweiligen Landessprache. Denn manch Kontrolleur oder Zöllner an der Grenze reagiert beim Auffinden von Spritzen zunächst überempfindlich. Entsprechende Vordrucke gibt es bei den Fachgesellschaften und auch beim Kirchheim-Verlag.
Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2013; 62 (8) Seite 38-41
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uho1 postete ein Update vor 3 Tagen, 13 Stunden
@calvin240
Ich hätte eine Frage zum
Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute- calvin240 antwortete vor 3 Tagen, 13 Stunden
Habe ich angenommen, schreibe mir gerne eine Nachricht
Liebe Grüße
123novesia postete ein Update vor 5 Tagen, 11 Stunden
Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.
- lena-schmidt antwortete vor 4 Tagen, 12 Stunden
Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staatsexamen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena
jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo zusammen,
heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
Wir freuen uns auf Euch! 🙂Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im September – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 8. September! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]




