Osteoporose – eine unterschätzte Erkrankung

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Osteoporose – eine unterschätzte Erkrankung

Am Beispiel von Heide D. (68) erklären unsere Autoren, wie bei ihr der Knochenschwund festgestellt wurde, warum gerade sie diese “Osteoporose” erlitt – und mit welchen Maßnahmen man die Verfassung ihres Knochengerüsts deutlich verbessern konnte. Vielleicht ein gutes Beispiel für Sie selbst, liebe Leser?

Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochengerüsts (Skeletts). Hierbei kommt es zu einer verminderten Knochendichte und einer reduzierten Knochenqualität. Stellen Sie sich doch einfach den Eiffelturm in Paris vor: Der Turm ist schon 128 Jahre so stabil, weil er eine bestimmte Materialmenge (Schmiedeeisen) und eine fein ausgeklügelte Architektur aufweist. Würde man die Eisenmenge vermindern und/oder mehrere Quer- und Längsverstrebungen entfernen, dann würde das Bauwerk instabil.

Genauso verhält es sich mit osteoporotischen Knochen: Sie haben weniger Mineralgehalt und damit eine geringere Knochendichte und eine deutlich verschlechterte Mikroarchitektur (weniger Quer- und Längsverstrebungen). Dabei verläuft die Osteoporose, also der Abbau der Knochensubstanz und die Verschlechterung der Mikroarchitektur, schleichend und von den Patienten unbemerkt.

Was sind Folgen der Osteoporose?

Schreitet die Erkrankung voran, kann es zum Knochenbruch kommen, auch wenn man nur einen schweren Gegenstand angehoben hat oder von der Bordsteinkante abgerutscht ist – und ohne dass man einen schweren Sturz oder einen Unfall hatte. Dabei sind am häufigsten Knochenbrüche der Hüfte (Schenkelhalsfraktur), der Wirbelkörper und des Unterarms (distale Radiusfraktur).

Solch ein Knochenbruch macht starke Schmerzen, und er kann besonders im Fall einer Schenkelhalsfraktur lebensbedrohlich sein – auch bei optimaler Bruchversorgung. Daher ist es wichtig zu wissen, ob man eine Osteoporose hat.

So wie bei Heide D. (68) …

So ging es auch unserer Patientin Heide D., 68 Jahre, die vor zwei Jahren beim Heben eines Mineralwasserkastens plötzlich starke Rückenschmerzen verspürte. Die Schmerzen waren so stark, dass sie sich kaum noch bewegen konnte. Als sie mit ihren Freundinnen telefonierte, hörte sie Sätze wie “man wird halt älter” und “das wird schon wieder”. Als die Schmerzen sich nicht besserten, ging sie zum Hausarzt, der eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule veranlasste und sie mit der Diagnose “Wirbelkörperbruch bei Verdacht auf Osteoporose” in unsere Behandlung überwies.

Wer ist gefährdet, eine Osteoporose zu bekommen?

Im Volksmund heißt es: “Die Osteoporose ist eine Erkrankung der alten Frauen.” Zwar sind Frauen nach den Wechseljahren stärker gefährdet, eine Osteoporose zu entwickeln, aber auch Männer können eine Osteoporose bekommen. Die Osteoporose-Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, aber es gibt Risikofaktoren, die auch bei jüngeren Menschen geschlechtsunabhängig zu einer Knochendichteminderung führen können – und besonders zu einer verschlechterten Mikroarchitektur: eine “Erbkomponente”, viele Erkrankungen, Mangelernährung, Lebensstil-Faktoren und Medikamente.

Erkrankungen, die eine Osteoporose begünstigen, sind u. a. eine Schilddrüsenüberfunktion, entzündliches Gelenk- oder Wirbelsäulenrheuma, bestimmte Darmerkrankungen wie die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Herzschwäche, der Morbus Parkinson sowie gerade der Typ-1-Diabetes; aber auch Typ-2-Diabetiker bekommen vermehrt Osteoporose.

Lebensstilfaktoren: Mangelernährung, Rauchen & Co.

Eine Mangelernährung mit zu wenig Kalzium, Vitamin D oder auch Eiweiß kann ebenfalls zu Osteoporose führen; Kalzium hat einen wichtigen Anteil am Knochenmineralgehalt, und ein Mangel geht mit verringerter Knochendichte einher. Vitamin D ermöglicht die Kalzium-Aufnahme aus dem Darm und stärkt die Muskeln: Das ist sehr wichtig für die “schnellen” Muskelfasern – wegen der Sturzverhinderung.

Auch ein Mangel an Vitamin D, der gerade bei Menschen über 65 Jahren häufig zu beobachten ist, kann deshalb zu Osteoporose führen. Eiweiß ist nötig für die Zellneubildung und den Muskelaufbau. Starke Muskeln bedeuten starke Knochen, da diese durch Druck und Zug der Muskeln aufgebaut werden können.

Zu den Lebensstil-Faktoren, die eine Osteoporose begünstigen, zählen Rauchen, Untergewicht, hoher Alkoholkonsum, zu wenig Bewegung und Mangelernährung.

Auch Medikamente können eine Osteoporose begünstigen

Medikamente, die zu einer Osteoporose beitragen, sind u. a. Kortison (schon niedrige Dosierungen), viele Neuroleptika und Beruhigungsmittel (die auch die Sturzgefahr steigern), Magensäurehemmer sowie bestimmte blutzuckersenkende Medikamente (Antidiabetika).

Unsere Patientin Heide D. hat einen seit 45 Jahren bekannten Typ-1-Diabetes, raucht seit über 30 Jahren mindestens 15 Zigaretten pro Tag, ist mit 58 kg bei 169 cm sehr schlank und meidet Milch und Milchprodukte, weil sie diese nicht mag.

Wie kann ich feststellen, ob ich persönlich eine Osteoporose habe?

Der Arzt wird intensiv fragen nach Stürzen, Knochenbrüchen in der Vorgeschichte, familiärer Osteoporose-Häufung, Erkrankungen, Lebensstil und Medikamenten, die eine Osteoporose begünstigen. Die dann gesammelten Risikofaktoren werden zusammen mit dem Alter des Patienten in einem Risiko-Score ausgewertet.

Wer erhält eine Osteoporose-Diagnostik? Generell wird die Diagnostik durchgeführt bei Frauen und Männern ab dem 70. Lebensjahr – aufgrund des ab diesem Alter erhöhten Risikos für einen Knochenbruch. Auch Patienten mit einem bereits stattgehabten Osteoporose-typischen Knochenbruch erhalten eine entsprechende Osteoporose-Diagnostik. Bei jüngeren Patienten ohne Knochenbruch wird der Arzt anhand der oben beschriebenen Risikofaktoren über eine weitere Diagnostik entscheiden.

Heide D. wurde von uns befragt und untersucht. Dabei stellte sich zusätzlich heraus, dass ihre Mutter im Alter von 71 Jahren bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch erlitten hatte, von dem sie sich nie richtig erholt hatte und 10 Monate später verstorben war. In Abstimmung mit der Patientin führten wir eine weitere Osteoporose-Diagnostik durch.

Osteoporose: die Diagnostik

Nach einer ausführlichen Befragung und Untersuchung (zum Beispiel der Wirbelsäule) werden weitere Untersuchungen veranlasst: Bei Schmerzen zum Beispiel an der Wirbelsäule können Röntgen-Untersuchungen der Wirbelsäule durchgeführt werden. Eine verminderte Knochendichte (ein zu niedriger Knochenmineralgehalt) lässt sich durch die Messung der Knochendichte (Osteodensitometrie; Methode: “DXA”) feststellen. Ist diese um einen bestimmten Betrag (T-Wert: unter -2,5) vermindert, ist eine Osteoporose anzunehmen.

Auch Patienten mit höherer Knochendichte können bei Vorliegen schwerwiegender Risikofaktoren eine Osteoporose entwickeln und benötigen gegebenenfalls eine Osteoporose-Therapie, da bei ihnen besonders Veränderungen der Mikroarchitektur vorliegen können.

Bei Heide D. wurde die Knochendichte in der DXA-Untersuchung mit einem T-Wert von -4 deutlich erniedrigt gemessen.

Eine Osteoporose kann man meist gut behandeln

Die Behandlung einer Osteoporose gelingt in den allermeisten Fällen gut. Der Knochen ist nämlich kein totes, nur mineralisches Gewebe, sondern es besteht an nahezu allen Stellen ein Knochenauf- und Knochenabbau durch zwei Zellarten, die ständig den Knochen umbauen. Überwiegt der Knochenabbau zum Beispiel im hohen Alter, bei viel zu geringer Bewegung, Rauchen oder auch Diabetes, wird eine Osteoporose entstehen.

Umgekehrt kann der Knochenaufbau gefördert werden – indem die Zellen des Knochenaufbaus gefördert werden durch Ernährung, Sport und Osteoporose-Medikamente oder eine Hemmung der Zellen des Knochenabbaus durch Osteoporose-Medikamente.

Ernährungsumstellung, Lebensstiländerung, Medikamente

Ist eine Osteoporose diagnostiziert, muss man sie auch effektiv und langfristig behandeln: Hierzu gehören eine Verbesserung der Ernährung und womöglich die Gabe von Kalzium, Vitamin D und Eiweiß sowie Lebensstil-Veränderung mit mehr Bewegung und Rauchverzicht. Bestehen Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder natürlich ein Diabetes, müssen diese optimal behandelt werden. Medikamente sollten auf ihre Notwendigkeit überprüft und gegebenenfalls ersetzt werden.

Für die spezielle Osteoporose-Therapie gibt es verschiedene Medikamente, die den Knochenabbau hemmen bzw. den Knochenaufbau zusätzlich fördern. Hierzu wird Sie der osteologisch versierte Arzt beraten.

Unserer Patientin Heide D. geht es inzwischen deutlich besser; sie hat kaum noch Rückenschmerzen, hat das Rauchen aufgegeben und hat sich einer Diabetes-Sportgruppe angeschlossen. Ihren Kalzium-Bedarf deckt sie über das Trinken sehr kalziumreichen Mineralwassers. Als medikamentöse Therapie erhält sie Vitamin D sowie ein Medikament (das Bisphosphonat Ibandronsäure), das den Knochenabbau hemmt. Eine kürzlich durchgeführte Knochendichtemessung zeigte einen deutlich gebesserten T-Wert von -2,8.

Das Fazit

Osteoporose ist eine oft unterschätzte, schleichend verlaufende Erkrankung mit Verminderung der Knochendichte und verschlechterter Knochenqualität, die zu oft schweren Knochenbrüchen führt. Nicht nur Alter und weibliches Geschlecht, sondern auch viele Risikofaktoren wie der Diabetes mellitus, Rauchen oder zu wenig Bewegung tragen zur Ausbildung dieser Erkrankung bei. Eine Therapie ist möglich und wirkungsvoll, um (weitere) Knochenbrüche zu verhindern.

Schwerpunkt: Diabetes und Osteoporose

von Prof. Dr. med. Heinz-Jürgen Lakomek
Direktor der Klinik für Rheumatologie und Geriatrie
weitere Schwerpunkte: Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie, physikalische Medizin,
Johannes Wesling Klinikum Minden, Universitätsklinikum RUB
und Dr. med. Mechthild Lakomek
Lehrbeauftragte der Klinik

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (2) Seite 18-23

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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