PCOS – ein vielfältiges Krankheitsbild, das auch Diabetikerinnen betreffen kann

3 Minuten

Community-Beitrag
PCOS – ein vielfältiges Krankheitsbild, das auch Diabetikerinnen betreffen kann

veranoverde - fotolia.com
veranoverde – fotolia.com

Beim letzten Besuch bei meiner Internistin hatte ich einen spannenden Kontakt mit einer jungen Dame mit Diabetes und Schwangerschaftswunsch. Während der Wartezeit unterhielten wir uns über unsere Probleme mit dem Blutzucker. Sie schilderte mir folgende Symptome: unerklärlich hohe Blutzuckerwerte nach dem Essen, ein hohes HbA1c und unerklärliche Schwankungen der Blutzuckerwerte, die wie aus dem Nichts kommen. Das erinnerte mich teilweise etwas an mich. Und sie wies mich auf das PCOS hin. Eine Erkrankung, die auch Frauen mit Diabetes betreffen kann. PCOS und Diabetes? Das klang zunächst etwas verwirrend. Ich machte mich daher etwas schlauer über diesen Zusammenhang.

Das polyzystische Ovarialsyndrom (oh je, was für ein kompliziertes Wort für einen Nichtmediziner wie mich), kurz PCOS genannt, ist eine hormonelle Funktionsstörung der Eierstöcke, deren Ursache bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Das PCOS tritt bei Frauen meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. In Europa sind davon ca. 4 bis 12% der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen. Die Erkrankung kann sich unterschiedlich auswirken und variiert mit ihren Symptomen. Und sie kann eben auch Auswirkungen auf den Diabetes haben. Doch dazu später.

Merkmale des PCOS:

  • Neigung zu unreiner Haut
  • die Regel kommt unregelmäßig oder gar nicht
  • teilweise mit Übergewicht verbunden
  • Frau kann unter Haarausfall leiden
  • hat manchmal starke Behaarung im Gesicht oder am Körper
  • Schwierigkeiten, schwanger zu werden
  • Frau weist überdurchschnittlich viel männliche Hormone auf
kasanka19 - fotolia.com
kasanka19 – fotolia.com

Wie kann man die Erkrankung feststellen?

Zunächst untersucht der Arzt mittels Ultraschall die Eierstöcke der Frau. Bei einer Frau mit einem PCOS sind die Eierstöcke oft vergrößert. Die Eierstöcke sind dann polyzystisch, das bedeutet, sie sind voll mit mehreren zystenartig vergrößerten Follikeln mit Eizellen, weil der Eisprung gar nicht oder nur unregelmäßig stattfindet. Außerdem zeigen die Blutwerte, dass etwas aus dem Takt geraten ist. Bei Frauen mit PCO-Syndrom sind unter anderem die Konzentrationen der männlichen Hormone erhöht.

Welche Auswirkungen hat das PCOS auf den Diabetes?

Oft tritt bei einem PCOS auch eine Insulinresistenz auf. So kommt es zu erhöhten Blutzuckerwerten, weil das körpereigene Insulin nicht ausreicht, wie das vom Typ-2-Diabetes bekannt ist. Dieses Zuviel an Insulin kann wiederum Einfluss auf die Produktion der männlichen Geschlechtshormone haben.

Da oft auch Übergewicht vorhanden ist, kann eine Gewichtsreduktion bereits positive Effekte auf das PCOS haben. Liegt eine Insulinresistenz vor, die sich durch eine Gewichtsabnahme nicht ausreichend beeinflussen lässt, kann als Therapiemaßnahme das Medikament Metformin verschrieben werden, das als Mittel der ersten Wahl auch bei Typ-2-Diabetes eingesetzt wird. Dieses Medikament reduziert unter anderem die Insulinresistenz und sorgt dafür, dass körpereigenes Insulin wieder besser wirken kann, so dass es hilft, den Blutzuckerspiegel zu senken. Außerdem hemmt es die Glukose-Neubildung in der Leber und bremst die Zuckeraufnahme aus dem Darm ins Blut. Erfahrungen zeigen, dass Metformin, ergänzend zu gynäkologischen Therapien, Frauen mit PCOS und Diabetes die Möglichkeit eröffnet, dennoch schwanger zu werden.

RioPatuca Images - fotolia.com
RioPatuca Images – fotolia.com

Ich selbst kenne die Herausforderungen einer Schwangerschaft aus Erfahrung. Ich möchte mit meinem Artikel speziell den weiblichen Leserinnen unter uns Mut machen, bei einem unerfüllten Schwangerschaftswunsch auch einmal seinen Gynäkologen zu besuchen und ihn im Zusammenhang mit dem Diabetes um Rat zu fragen. Auch die Lösungen von Schwangerschaft mit Diabetes sind vielfältig.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Kinderwunsch: Warum ich aufgrund meines Typ-1-Diabetes (vermutlich) keine Kinder haben möchte
Olivia berichtet in diesem Beitrag über Ihre Gedanken zum Thema Kinderwunsch. Einige ihrer Freunde und Bekannten bekommen derzeit Kinder und auch sie hat sich die Frage gestellt: Möchte ich überhaupt Kinder bekommen? Und wenn nicht, warum denn nicht? Zu welchem Schluss sie gekommen ist und was ihre Typ-1-Diabetes-Erkrankung damit zu tun hat, erfahrt Ihr hier.
Kinderwunsch: Warum ich aufgrund meines Typ-1-Diabetes (vermutlich) keine Kinder haben möchte

5 Minuten

Community-Beitrag
Beschäftigungsverbot bei Schwangerschaft mit Typ-1-Diabetes 
Nadja hat gerade die Schwangerschaft mit ihrem ersten Kind hinter sich. Bereits relativ früh in der Schwangerschaft hat sie sich Gedanken zum Beschäftigungsverbot gemacht. Ihre Erfahrung erzählt sie euch hier. 

4 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 3 Tagen, 16 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂