- Behandlung
Richtig spritzen, besser leben!
3 Minuten
Die richtige Injektionstechnik ist mitentscheidend für eine optimale Einstellung des Blutzuckers – was Betroffenen letztlich zu höherer Lebensqualität verhilft.
“Gestern hatte ich eine Unterzuckerung. Ich kann mir gar nicht erklären, woher diese kam.” – “Herr Doktor, mein Zucker spinnt. Der ist mal ganz hoch und mal ganz niedrig.” Dies, liebe Leser, kann auch an der falschen Spritztechnik liegen. Denn obwohl es im Grunde recht einfach ist, Insulin zu spritzen, gibt es einige wesentliche Punkte zu beachten. Welche genau? Dies hat eine Arbeitsgruppe des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) zusammengestellt – in einem beachtenswerten Leitfaden.
Der VDBD-Leitfaden enthält die aktuellsten Empfehlungen zur Injektion bei Menschen mit Diabetes; berücksichtigt wurden neueste Studien. In der Vergangenheit wurde viel Augenmerk gelegt auf die Wirkweise der verschiedenen Insuline – und verhältnismäßig wenig auf die Art und Weise, wie die Substanzen verabreicht werden sollten. Heute weiß man, dass vor allem die richtige Injektionstechnik entscheidend ist für eine optimale Einstellung des Blutzuckers.
Bessere Blutzuckerwerte, höhere Lebensqualität
Der VDBD-Injektionsleitfaden steht auf sicherem Fundament. Nicht nur die vielen Diabetesberaterinnen des VDBD setzen inzwischen auf den Leitfaden – auch Kassenverbände, Gesundheitsämter und -ministerien sowie Weiterbildungsstätten setzen auf die Empfehlungen. Der Leitfaden wird vielen insulinspritzenden Diabetespatienten, wie es im Vorwort heißt, “zu besseren Blutzuckerwerten und höherer Lebensqualität verhelfen”.
Und das sind die Kernaussagen des VDBD-Leitfadens Die Injektion bei Diabetes mellitus:
Der Ablauf der Injektion
Der routinemäßige Ablauf der Injektion mit einem Insulinpen soll folgendermaßen aussehen:
- Überprüfen der Injektionsstelle (Sauberkeit, Abstand zu vorheriger Stelle, keine Hautveränderungen erkennbar)
- Überprüfen, ob das Medikament der Verordnung entspricht (kurz- oder langwirksames Insulin)
- Durchmischen des Insulins (falls nötig)
- Funktionskontrolle des Insulinpens
- Einstellen der Dosis
- Hautfalte anheben (nur, wenn nötig)
- Kanüle im 90°-Winkel zur Oberfläche der Hautfalte einstechen
- Insulin langsam und gleichmäßig injizieren
- Kanüle weitere 10 Sekunden in der Haut lassen, nachdem der Injektionsknopf des Insulinpens vollständig heruntergedrückt ist
- Kanüle aus der Haut ziehen
- eventuell gebildete Hautfalte loslassen
- gebrauchte Kanüle sicher entsorgen
Die Injektionsbereiche
- Langwirksame Insulinanaloga und GLP-1-Wirkstoffe können an jeder beliebigen Injektionsstelle verabreicht werden.
- Normalinsulin und kurzwirksame Insulinanaloga sollen wegen der dort erhöhten Stoffaufnahmerate in den Bauch injiziert werden.
- NPH-Insulin soll in den Oberschenkel oder das Gesäß injiziert werden, um eine langsame Stoffaufnahme zu erzielen und das Risiko von Unterzuckerungen zu reduzieren.
- Intramuskuläre Injektionen von NPH-Insulin und langwirkenden Insulinanaloga müssen aufgrund des Risikos schwerer Unterzuckerungen vermieden werden.
Wechsel der Injektionsstelle (Rotation)
- Menschen mit Diabetes sollen zu Beginn der Injektionstherapie einen leicht zu befolgenden Rotationsplan erlernen.
Krankhafte Veränderung des Unterhautfettgewebes
Lipodystrophien sind krankhafte Veränderungen des Unterhautfettgewebes, die durch wiederholtes Injizieren in dieselbe Hautstelle entstehen können:
- Menschen mit Diabetes sollen lernen, ihre eigenen Injektionsbereiche zu inspizieren, und sie sollen darin geschult werden, wie man Lipodystrophien erkennt.
- Menschen mit Diabetes sollen nicht in Bereiche mit Lipodystrophie injizieren.
- Die besten gegenwärtigen Strategien, um Lipodystrophien zu vermeiden und zu behandeln, sind: Einsatz gereinigter Insuline, Wechsel der Injektionsstelle bei jeder Injektion, Verteilen der Injektionen auf größere Injektionszonen, Einmalverwendung der Kanülen.
- Die Injektionsbereiche und Spritzstellen sollten bei jedem Besuch von der medizinischen Fachkraft inspiziert werden – besonders dann, wenn schon eine Lipodystrophie vorhanden ist.
- Jeder Injektionsbereich soll mindestens einmal jährlich inspiziert werden (beim Kinderarzt vorzugsweise bei jedem Besuch).
Die Kanülenlänge
- Kinder und Jugendliche sollten 4-, 5- oder 6-mm-Kanülen verwenden.
- Es gibt keinen medizinischen Grund, Kanülen mit einer Länge von mehr als 6 mm für Kinder und Jugendliche zu empfehlen.
- Kanülen der Länge 4, 5, 6 oder 8 mm können von erwachsenen Menschen mit Diabetes einschließlich solchen mit Übergewicht verwendet werden.
- Es gibt keinen medizinischen Grund, Kanülen mit einer Länge von mehr als 8 mm für Erwachsene zu empfehlen.
Das Fazit
Die richtige Injektionstechnik ist mitentscheidend für eine optimale Einstellung des Blutzuckers – ein Faktum, welches den Betroffenen letztlich zu höherer Lebensqualität verhilft. Und auf nicht weniger zielt der VDBD-Leitfaden Die Injektion bei Diabetes mellitus ab.
Elisabeth Schnellbächer |
Dr. Eric Risch |
Kontakt:
VDBD-Geschäftsstelle, Am Eisenwald 16, 66386 St. Ingbert, E-Mail: risch.pr@online.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (1) Seite 26-28
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 5 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Tagen, 6 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 4 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
Elisabeth Schnellbächer
Dr. Eric Risch
