So kommen Sie gesund durch die kalte Jahreszeit

3 Minuten

So kommen Sie gesund durch die kalte Jahreszeit

Das Wetter wirkt sich enorm auf unser Wohlbefinden aus; es gibt sogar Zusammenhänge mit der Verschlimmerung oder dem Auftreten bestimmter, manchmal ernsthafter Erkrankungen. Im Rahmen des MONICA-Projektes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich, dass ein plötzlicher Kaltlufteinbruch mit etwa 10 °C Temperatursenkung die Herzinfarktrate um ca. 11 Prozent erhöht, die Rate für Re-Infarkte (zweiter Infarkt) um 26 Prozent sowie dadurch die Rate für plötzlichen Tod um ebenfalls 11 Prozent.

Kälte schwächt

Welche Gefahren bestehen konkret?

1. Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege mit anfallsartiger Atemnot durch Verengung der Atemwege (Brochialobstruktion). Durch immer wiederkehrende Entzündungen nimmt die Empfindlichkeit der Atemwege (bronchiale Hyperreagibilität) zu, hervorgerufen durch verschiedene Reize. Von der Erkrankung betroffen sind etwa 5 Prozent der Erwachsenen und bis zu 10 Prozent der Kinder. Bei 45-jährigen Erwachsenen überwiegt die Asthma-Form, die durch Infekte ausgelöst und verstärkt wird, im Jugendalter das rein allergische Asthma.

Es gibt zahlreiche mögliche Auslöser für einen Asthmaanfall:

Wer Asthma hat, sollte im Winter besonders auf eine ausreichende Therapie mit z. B. inhalierbaren Sprays und evtl. auch Tabletten achten. Außerdem sollten Betroffene beim Heraustreten in die Kälte nie direkt die kalte Luft einatmen, sondern sich z. B. einen Schal/ein Tuch vor den Mund halten.

Eine weitere vorbeugende Maßnahme ist, sich rechtzeitig gegen die Virusgrippe impfen zu lassen, denn wer eine chronische Erkrankung wie Diabetes hat, trägt auch ein höheres Grippe-Risiko. Für Menschen über 60 Jahre ist zusätzlich eine Impfung gegen besondere Erreger der Lungenentzündung (Pneumokokken) sinnvoll sein! Jeder bronchiale Infekt kann dazu beitragen, asthmatische Beschwerden auszulösen oder zu verstärken. Inhalationen und sekretlösende Maßnahmen sind ebenfalls sinnvoll!

Gefährlich: Wind, Kälte, trockene Luft

2. Koronare Herzkrankheit (KHK)

Die kalte Jahreszeit ist besonders auch für Herzpatienten nicht ungefährlich: Liegt eine koronare Herzkrankheit vor, können insbesondere bei Kälte akute Herzbeschwerden wie eine Angina pectoris durch Gefäßverkrampfungen (Spasmen) ausgelöst werden.

Die KHK tritt in verschiedenen Erscheinungsformen auf:

Es gibt Menschen, die ohne irgendwelche Beschwerden bzw. Schmerzen einen Herzinfarkt erleiden ("stumme Ischämie" – nicht selten bei Diabetikern!). Bei anderen äußert sich der Infarkt durch:

Aber auch, und zwar besonders bei Frauen, durch:

Sowohl plötzliche Kälte beim Heraustreten aus einem warmen Zimmer als auch Überanstrengungen, z. B. beim Schneeschippen, können im Winter einem Patienten mit KHK gefährlich werden. Indem man sich nicht plötzlich und direkt der Kälte aussetzt (z. B. durch das Tragen eines Schals/eines Tuches vor dem Mund), lässt sich ein akuter Angina-pectoris-Anfall meist verhindern. Eine gute, der Jahreszeit angepasste Medikamentenausstattung (z. B. Nitro-Spray in der Tasche!) kann ebenfalls hilfreich sein.

Vermeiden Sie außerdem übermäßige körperliche Anstrengungen im Winter – z. B. Schneeschippen, zu langes Skifahren, zu lange Touren, direkte Kälteeinwirkung. Trinken Sie zudem keine größeren Mengen Alkohol. Alkohol erweitert die Gefäße, und manchmal kommt es zu einem Blutdruckabfall und dadurch zu einem Kollaps!

Kälte wiederum verengt die Hautgefäße; es kommt zu einem Blutdruckanstieg und dadurch oft zu schnellerem Puls und höherem Sauerstoffbedarf. Bestehen Gefäß-Engen (Stenosen, z. B. bei KHK, periphere arterielle Verschlusskrankheit), kann dies zu einer Durchblutungsstörung führen!

Richtig angezogen

3. Raynaud-Syndrom

Beim Raynaud-Syndrom kommt es durch Kälteeinwirkung oder manchmal auch durch Gefühlsausbrüche (emotionale Reaktionen) zu einer anfallsartigen, oft sehr schmerzhaften, krampfartigen Verengung der kleinen Arterien der Finger (primäres Raynaud-Syndrom, dazu zählen 50 Prozent aller Fälle). Die Finger sind dann manchmal bis zu einer halben Stunde weiß, und der Betroffene hat extreme Schmerzen.

Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, bei denen die kleinen Fingerarterien derart reagieren können (Raynaud-Symptomatik):

Etwa 20 Prozent der Menschen in Deutschland leiden an einem primären Raynaud-Syndrom. In der Regel sind bei einem akuten Anfall alle Finger außer dem Daumen betroffen. Die Finger werden dabei bei Kälte plötzlich blass. Danach werden sie blau/bläulich (Zyanose). In der Folge rötet sich die Haut wieder durch eine erneute Weitstellung der Arterien (Vasodilatation). Die Erkrankung kann relativ rasch durch einfache Tests nachgewiesen werden:

Weiterführende Untersuchungen sind die Kapillarmikroskopie, die Kernspintomographie (MR-Angiographie) und Laboruntersuchungen.

Die wichtigste Maßnahme, um diese krankhafte, sehr schmerzhafte Weißfärbung der Finger zu verhindern, ist der Schutz vor Kälte und auch Nässe durch Handschuhe. Manchmal hilft es, bestimmte Medikamente abzusetzen (z. B. Betablocker, wenn nicht benötigt!?) und mit dem Rauchen aufzuhören. Manchmal hilft es auch, die Finger mit Nitrosalbe einzureiben und/oder bestimmte Medikamente einzunehmen, die die Gefäße erweitern, z. B. Nitro, Nifedipin, Sildenafil (Viagra!). Dies muss aber mit dem betreuenden Arzt abgestimmt werden!

Faustschlussprobe und Allen-Test

Das Fazit

Der Winter hat seinen eigenen Reiz – und wer dies verstanden hat, kann ihn auch genießen. Der Winter bringt jedoch auch Gefahren mit sich, speziell, wenn es um einige Erkrankungen geht. Diese Gefahren sollten Sie kennen und ihnen gut vorbereitet begegnen.

Eiskalte Finger – was tun?

Dr. Gerhard-W. Schmeisl, Bad Kissingen
Internist/Angiologe/Diabetologe, Chefarzt Deegenbergklinik, Burgstraße 21, Tel.: 09 71 / 8 21-0 und Chefarzt Diabetologie Klinik Saale (DRV-Bund), Pfaffstraße 10, Tel.: 09 71 /8 5-01, 97688 Bad Kissingen
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Neues CGM-System für Menschen mit Typ‑2‑Diabetes: Glukosesensor Dexcom Flex ist ab sofort in Deutschland erhältlich
Ein neu verfügbares CGM-System richtet sich an Erwachsene mit Typ‑2‑Diabetes, die ihren Stoffwechsel genauer im Blick behalten möchten. Der Glukosesensor Dexcom Flex kann bis zu 15 Tage lang getragen werden. Er misst Werte rund um die Uhr, zeigt Glukoseverläufe per App an und soll helfen, Alltagssituationen, Medikamente und Werte besser aufeinander abzustimmen.
Neues CGM-System für Menschen mit Typ‑2‑Diabetes: Glukosesensor Dexcom Flex ist ab sofort in Deutschland erhältlich | Foto: Dexcom

4 Minuten

Community-Rezept: Gemüse- Curry von Annika
Herzhaft, ballaststoffreich und vegan: Das Gemüse-Curry-Rezept von Annika aus der Community vereint Blumenkohl, Kichererbsen und Kokosmilch zu einem sättigenden Hauptgericht. Pro Portion liefert es 18 g Ballaststoffe – ideal auch als Meal-Prep für Menschen mit Diabetes.
Community-Rezept: Gemüse-Curry von Annika | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

3 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 5 Tagen, 8 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 6 Tagen, 1 Stunde

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%