- Begleit-Erkrankungen
Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas: Der Begriff „Schuld“ ist fehl am Platz!
2 Minuten
Oftmals bekommen Menschen mit Adipositas ungefragt und ohne differenzierte Diagnose-Stellung viele allgemeine Empfehlungen, auch von denjenigen, die sie Behandeln. Expertinnen und Experten fordern, dass Ärztinnen und Ärzte Betroffenen Respekt und Hoffnung statt Zuweisung von Schuld oder Stigmatisierung vermitteln sollten. Zudem müsse die Adipositas-Behandlung besser vergütet werden.
Es ist kein rein kosmetisches Problem und es geht nicht um „Willensschwäche“. Letzteres stecke leider immer noch im Hinterkopf vieler, bedauerte Professor Dr. Matthias Blüher in einem Symposium im Rahmen der Diabetes-Herbsttagung in Leipzig in der vergangenen Woche. Adipositas, der Fachbegriff für starkes Übergewicht, sei eine fortschreitende chronische Erkrankung und nicht heilbar, betonte der Leipziger Diabetologe und Mediensprecher der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Die Übergänge zwischen Gesundheit und Krankheit sind bei Adipositas fließend. Während sich eine verminderte Leistungsfähigkeit nicht bei allen Erkrankten direkt zeige, gebe es quasi immer verborgene Funktionsstörungen, die nicht leicht zu diagnostizieren sind. Im Sozialversicherungsrecht habe es inzwischen Verbesserungen gegeben, trotzdem würden erforderliche ärztliche Leistungen „nur bruchstückhaft bezahlt“.
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Die zugrundeliegenden Mechanismen für Adipositas seien immer noch nicht gut verstanden. Es sei unklar, warum nur manche Menschen bei überkalorischer Ernährung gemäß dem evolutionären Überlebensvorteil vermehrt „Fett für Notzeiten“ speicherten. „Adipositas ist in Ausdruck dafür, wie wir Menschen unsere planetaren Grenzen ausreizen“, aber dieses Verhalten sei zutiefst menschlich und der Begriff „Schuld“ fehl am Platz.
Stigmatisierung und Zuweisung von Schuld bei Adipositas – „Haben Sie je von einem Prosecco-Bauch gehört?”
Die Hamburger Diplom-Psychologin Susan Klever wies auf das Fehlen der Krankheit Adipositas bei psychischen Erkrankungen im ICD 10, der medizinischen Klassifikationsliste der Weltgesundheitsorganisation WHO, hin. Daher würden häufig „Umwege“ über abrechenbare Ess-Störungen genutzt. „Adipositas ist ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen“, betonte sie. Behandlungsbedürftige psychische Begleiterkrankungen würden häufig übersehen. Der Zusammenhang sei bei Frauen deutlicher. Dennoch sei ein „Bier-Bauch“ eher gesellschaftsfähig – niemand rede von einem „Prosecco-Bauch“. Stigmatisierung sei ohnehin ein großes Problem. Erkrankten mangelnde Krankheitseinsicht zu suggerieren, sollte unbedingt unterbleiben. Anstatt anzunehmen, dass ein Mensch mit Adipositas die Gewichtszunahme nicht bemerkt habe („Sie sind zu dick.“), sind Fragen wie: „Ist es für Sie in Ordnung, wenn wir über ihr Gewicht sprechen?“ angesagt.
Aufklärung und genaues Eingehen auf den Tagesablauf und die Beschwerden sind hilfreich. Allgemeine Empfehlungen kennen viele Betroffene zuhauf. Sie wünschen sich konkrete Empfehlungen und Motivation zur Initiative, damit sie Selbstwirksamkeit in der Selbstbehandlung erfahren können. Gefühle von Angst, Scham, Hilflosigkeit und jede weitere Stigmatisierung sind zu vermeiden, da Betroffene in eine Selbststigmatisierung geraten können und dadurch jeder Art von ärztlicher Hilfe, auch in anderen Bereichen, aus dem Weg gehen.
von Dr. Karin Kreuel
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hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo,
das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?-
ole-t1 antwortete vor 1 Woche
Hallo hexle,
ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.
Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.
Beste Grüße
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche
PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.
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schorschlinger antwortete vor 6 Tagen, 21 Stunden
Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.
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hexle antwortete vor 5 Tagen, 20 Stunden
@ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.
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hexle antwortete vor 5 Tagen, 20 Stunden
@schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….
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uho1 postete ein Update vor 2 Wochen
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
