Therapie undenkbar ohne Schulung!

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Therapie undenkbar ohne Schulung!

Wer Diabetes hat, benötigt Wissen und Fertigkeiten für den Alltag. Beides erhält man in Deutschland im Rahmen von Diabetes-Schulungs- und Behandlungsprogrammen. Welche Inhalte haben die Programme, warum muss es für die unterschiedlichen Diabetes-Typen eigene Programme geben, und welche kritischen Zeitpunkte rufen dringend nach einer Schulung? Hier die Antworten.

Für eine erfolgreiche selbstverantwortliche Umsetzung einer Diabetesbehandlung im Alltag benötigt jeder Diabetiker Wissen und Fertigkeiten – die werden ihm normalerweise vermittelt im Rahmen von strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogrammen sowie in Einzelschulungen.

Eine Diabetesbehandlung ohne Schulung ist heute undenkbar. Deutschland hat durch die Disease-Management-Programme (DMPs) den Anspruch auf Zugang zu strukturierter Diabetesschulung formal verankert. Allerdings haben längst nicht alle Menschen mit Diabetes an einem solchen Programm teilgenommen:

Längst nicht alle Patienten sind geschult

Bislang nutzten dies 50 bis 70 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes und 87 Prozent der Typ-1-Diabetiker. Die Basisschulung sollte entsprechend dem Diabetestyp, der Art der Behandlung und dem Gesamtrisikoprofil des jeweiligen Betroffenen erfolgen; daneben gibt es Wiederholungs-, Auffrischungs- und Ergänzungsschulungen, die je nach Problem und Zielgruppe als Gruppen- oder Einzelschulung angeboten werden. Letztere kann z. B. angezeigt sein bei Umstellung auf eine Insulintherapie (Typ-2-Diabetes) oder bei Beginn einer Insulinpumpenbehandlung bei Kindern.

Der Umfang eines Schulungsprogramms liegt zwischen 8 und 24 Unterrichtsstunden à 45 Minuten und kann für Typ-2-Diabetiker stattfinden in diabetologischen Schwerpunktpraxen bzw. Schulungszentren sowie auch in (spezialisierten) Hausarztpraxen.

Schulungen für Typ-1-Diabetiker finden dagegen in der Regel in der diabetologischen Schwerpunktpraxis und in Schulungs- oder Versorgungszentren statt. Für Vorschulkinder, Schulkinder und Jugendliche mit Diabetes (und ihre Eltern) sind in Abhängigkeit vom Alter und Entwicklungsstand der Kinder unterschiedliche Schulungen notwendig.

Wesentliche Schulungsaspekte für beide Diabetestypen

Die Inhalte für Typ-1- und Typ-2-Diabetes-Schulungen unterscheiden sich teils – aber folgende wesentliche Aspekte sind unverzichtbar für beide Diabetestypen:

  • Unterstützung zum eigenverantwortlichen Umgang mit dem Diabetes,
  • Erlernen von Selbstkontrollmaßnahmen sowie deren Dokumentation und Interpretation,
  • Erkennen, Behandeln und Vorbeugen von Akutkomplikationen wie Unterzuckerung und Überzuckerung,
  • Bedeutung der Ernährung und der körperlichen Bewegung in Zusammenhang mit der Diabetesbehandlung,
  • Verhalten in besonderen Situation, z. B. auf Reisen.

Die internationale Diabetes-Fachzeitschrift Diabetes Care (Juli 2015) beschäftigt sich mit einer Stellungnahme der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA) zum Thema “Schulung und Unterstützung zum Diabetes-Selbstmanagement bei Typ-2-Diabetes”. Die Fachgesellschaft bekräftigt, wie bedeutsam es für alle Menschen mit Diabetes ist, eine Schulung sowie weitere Unterstützung zum Diabetes-Selbstmanagement zu erhalten – sowohl bei Diagnosestellung als auch bei Bedarf danach.

Vier kritische und wichtige Zeitpunkte für Schulung

Eine solche Schulung habe sich laut ADA als kosteneffektiv und wirksam erwiesen. Sie habe zu weniger Krankenhausaufnahmen und geringeren gesundheitsbezogenen Kosten geführt – mit einem niedrigeren Risiko für Komplikationen. Günstige Auswirkungen habe eine Schulung zum Selbstmanagement auch auf andere Bereiche wie psychosoziale Aspekte und Lebensqualität. Das oberste Ziel sei in jedem Fall ein stärker engagierter und informierter Patient.

Nach Ansicht der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft gibt es 4 kritische Zeitpunkte, zu denen der Schulungsbedarf erhoben, eine Schulung durchgeführt bzw. Anpassungen vorgenommen werden müssen:

  1. bei Diagnosestellung,
  2. bei jährlichen Erhebungen zum Schulungsstatus, zur Ernährung und zu emotionalen Bedürfnissen,
  3. wenn neue verkomplizierende Faktoren das Selbstmanagement beeinflussen,
  4. während Übergangsstadien in der Versorgung.

Leitprinzipien und Schlüsselelemente einer Schulung

Leitprinzipien und Schlüsselelemente einer Schulung zum Selbstmanagement beinhalten Engagement, das Teilen von Information, psychosoziale- und Verhaltensunterstützung, die Integration anderer Behandlungen sowie eine Koordination der Versorgung im Sinne einer Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen und Versorgungsstrukturen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Identifizierung und Überwindung von Barrieren (z. B. ein bestehendes Missverständnis hinsichtlich der Notwendigkeit und der Wirksamkeit einer Schulung zum Diabetes-Selbstmanagement), die betroffenen Patienten den Zugang zu einer Schulung zum Selbstmanagement erschweren.

Wichtiges Wissen über das Diabetes-Selbstmanagement

Der Begriff “Diabetes-Selbstmanagement” bezieht sich meistens auf eine Selbstkontrolle des Stoffwechsels und damit in der Regel auf Blutzucker- bzw. Harnzuckermessungen, bei Verdacht auf Stoffwechselentgleisung zudem auf eine Ketonkörpermessung sowie unter Umständen auf eine Selbstkontrolle und Selbstmessung von Blutdruck und Körpergewicht.

Damit Sie als Betroffener erfolgreich eine Selbstkontrolle des Stoffwechsels durchführen können, ist unabdingbare Voraussetzung eine ausreichende Wissensvermittlung zur Erkrankung, eine Schulung in Funktion und Handhabung der jeweiligen Fertigkeiten bzw. Geräte sowie der Interpretation und Dokumentation von Messergebnissen und der sich daraus ableitenden Therapieentscheidungen.

Selbstkontrolle bedeutet aber auch ein aktives Mitwirken seitens des Patienten, eine regelmäßige Besprechung des Tagebuchs mit den dokumentierten Werten, eine von Patient und Arzt gemeinsam vorgenommene Festlegung individueller Therapieziele und Therapieabsprachen sowie ein Einverständnis über regelmäßige wichtige Untersuchungen (z. B. HbA1c, Augenhintergrund etc.).

Diagnostische und therapeutische Neuentwicklungen

In Zukunft könnten auch diagnostische und therapeutische Neuentwicklungen eine bedeutende Rolle beim Diabetes-Selbstmanagement spielen und das Gebiet der Selbstkontrolle und Insulindosisanpassung erweitern bzw. womöglich revolutionieren: z. B. kontinuierliche Glukosemonitoring-Systeme (CGM-Systeme) bzw. eine künstliche Bauchspeicheldrüse mit einem geschlossenen Regelkreis (closed loop) – bestehend aus einem z. B. auf einem Smartphone befindlichen Algorithmus (Rechenmodell) sowie einer automatisierten Insulindosisanpassung einer Insulinpumpe auf Basis kontinuierlicher, in der Zwischenzellflüssigkeit der Haut gemessener Zuckerwerte mittels CGM-System.

Schwerpunkt Diabetesmedikamente 2015

von Dr. Sabine Arnolds
Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH,
Hellersbergstraße 9, 41460 Neuss,
E-Mail: sabine.arnolds@profil.com

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (10) Seite 30-31

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  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 1 Woche

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

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