Diabetes und Herzleiden: Von einem gefährlichen Paar

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Diabetes und Herzleiden: Von einem gefährlichen Paar

Die meisten Menschen mit koronarer Herzkrankheit haben einen Diabetes – teils noch unentdeckt. Patienten mit beiden Erkrankungen haben ein besonders hohes Komplikationsrisiko – konsequent sollte man alle Risikofaktoren angehen!

Einer der wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung der koronaren Herzkrankheit ist der Diabetes mellitus – neben dem Bluthochdruck, den erhöhten Blutfettwerten und dem Rauchen. In den vergangenen Jahren hat die Häufigkeit des Diabetes deutlich zugenommen, fast 10 Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen. Dafür verantwortlich sind zum Beispiel die fehlende körperliche Bewegung und das häufig daraus resultierende Übergewicht der Menschen.

Zwei von Drei Diabetikern sterben an Herzkomplikationen

Seit einigen Jahren ist Deutschland das Land in Europa mit dem höchsten Anteil an Übergewichtigen (Körper-Masse-Index, BMI, über 30 kg/m2). Dies führt dazu, dass schon junge Menschen einen Diabetes entwickeln und damit auch früher Folgeerkrankungen erleiden können. Das Risiko für Diabetiker, einen Herzinfarkt zu bekommen, ist vierfach erhöht im Vergleich zu Nichtdiabetikern.

Zwei Drittel der Diabetiker versterben letztlich an Komplikationen des Herzes wie dem Herzinfarkt oder der Herzschwäche. Entscheidend ist daher vor allem die Aufklärung der Bevölkerung: Denn die Dunkelziffer der Erkrankung ist hoch.

Herzkranke sind oftmals auch Diabetiker

Im Rahmen einer europäischen Untersuchung von herzkranken Patienten aus dem Jahr 2004, in der gezielt nach dem Vorliegen eines Diabetes gesucht wurde, hatten 31 Prozent der Patienten bereits einen bekannten Diabetes. In weiteren 40 Prozent konnte ein neu diagnostizierter Diabetes oder seine Vorstufe dokumentiert werden.

Aufgrund dieser Erkenntnisse, dass Diabetes und Herzkrankheit häufig zusammen auftreten, haben die medizinischen Fachgesellschaften für Kardiologie und Diabetologie eine gemeinsame Leitlinie entwickelt. Diese empfiehlt, dass bei Patienten mit Herzkrankheit gezielt nach einem Diabetes und bei Patienten mit Diabetes gezielt nach einer Herzkrankheit gesucht werden sollte.

Diabetes kompliziert eine Herzkrankheit

Diabetes ist also ein wesentlicher Risikofaktor für das Entstehen der koronaren Herzkrankheit und ein Risikofaktor für gefährliche Komplikationen bei bestehender Herzkrankheit! Seit langem ist aus großen Registerstudien bekannt, dass zum Beispiel Herzinfarktpatienten mit Diabetes eine deutlich höhere Sterblichkeit haben – akut im Krankenhaus und auch innerhalb des ersten Jahres nach einem Infarkt. Das hat sich in den vergangenen Jahren trotz deutlicher Verbesserungen in der Herzinfarktbehandlung nicht geändert.

Häufig wird der Diabetes auch erst dann diagnostiziert, wenn bereits eine Komplikation wie ein Herzinfarkt eingetreten ist: Die deutsche Registerstudie Sweetheart-Register legte einen speziellen Fokus auf die Suche nach einem bislang unentdeckten Diabetes; dort konnten ca. 15 bis 20 Prozent der Patienten mit bislang unerkanntem Diabetes identifiziert werden. In der Nachbeobachtung über 3 Jahre starben besonders viele dieser Patienten; ihre Sterblichkeit war ähnlich hoch wie die von Patienten mit bereits bekanntem Diabetes.

Diabetes gezielt suchen

Diese Ergebnisse unterstreichen die bereits in den Leitlinien der Fachgesellschaften geforderte gezielte Suche nach dem Diabetes. Und auch außerhalb des Herzinfarkts ist der Diabetes bei bestehender Herzkrankheit besonders gefährlich – neuere Untersuchungen eines deutschen Registers

Interdisziplinär behandeln!

Aufgrund des hohen Risikos der Patienten mit Diabetes und koronarer Herzkrankheit ist eine interdisziplinäre Behandlung besonders wichtig. Dazu gehören eine gute Einstellung des Blutzuckers sowie die konsequente Therapie aller anderen Risikofaktoren. Bei der Einstellung des Blutzuckers ist vor allem bei Patienten mit Herzkrankheit darauf zu achten, dass Unterzuckerungen vermieden werden.

Krankes Herz macht mehr Unterzuckerungen

Eine deutsche Studie über die ambulante Behandlung des Diabetes im Alltag (DiaRegis-Studie) konnte zeigen, dass Patienten mit Herzkrankheit besonders gefährdet für Hypoglykämien sind; eine gute Blutzuckereinstellung scheint nicht immer gut zu sein. Patienten mit Diabetes und koronarer Herzkrankheit sollten also vor allem Medikamente erhalten, die aufgrund ihres Wirkmechanismus ein niedriges Unterzuckerungsrisiko haben.

Aufzüge und Rolltreppen abschaffen?

Vor der medikamentösen Behandlung steht der Versuch, gesünder zu leben: sich gesund zu ernähren, mit dem Rauchen aufzuhören, sich körperlich mehr zu bewegen – hier reichen schon regelmäßige Spaziergänge oder der Verzicht aufs Auto für kurze Distanzen. Das erfordert eine Umstellung der täglichen Gewohnheiten wie Nutzung von Treppen statt Aufzügen. Eine theoretische Stilllegung aller Aufzüge und Rolltreppen würde Schätzungen zufolge die Zahl der Übergewichtigen und der Diabetiker nahezu halbieren.

Andere Risiken verkleinern

Auch die anderen klassischen Risikofaktoren sollen bei Diabetikern mit Herzerkrankung besonders gut eingestellt sein. Das gilt für den Blutdruck, der maximal bei 140/90 mmHg liegen sollte, ebenso für die Fettwerte, insbesondere das LDL-Cholesterin, das unter 70 mg/dl eingestellt sein sollte – hierfür sind meist Medikamente wie Statine nötig.

Leider ist die medikamentöse Einstellung der Patienten im Alltag noch nicht optimal. In einer großen internationalen Studie zur Dokumentation der Zielwerterreichung des LDL-Cholesterins bei mehr als 20 000 Patienten in Europa

Das gefährliche Paar

Diabetes und koronare Herzkrankheit sind eng miteinander verbunden – ein untrennbares und gefährliches Paar. Die Mehrzahl der Patienten mit koronarer Herzkrankheit haben einen bekannten oder noch unentdeckten Diabetes. Patienten mit beiden Erkrankungen haben ein besonders hohes Komplikationsrisiko und bedürfen einer konsequenten Kontrolle aller ihrer Risikofaktoren.

Leider sind viele der gesetzten Ziele in der Behandlung der Risikofaktoren nur schwer zu erreichen. Dies ist nur mit einer individuell abgestimmten Therapie jedes einzelnen Patienten möglich – unter Einbeziehung beider Disziplinen: der Diabetologie und der Kardiologie, in enger Zusammenarbeit mit den Patienten und den behandelnden Hausärzten.


von Dr. Anselm K. Gitt

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2025; 61 (2) Seite 28-31

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 5 Tagen, 15 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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