Von täglicher Zahlenakrobatik und verschwundenem Orangensaft

3 Minuten

Community-Beitrag
Von täglicher Zahlenakrobatik und verschwundenem Orangensaft

Wann und was habe ich zuletzt gegessen, wie viel Insulin gegeben, wie wird mein Essen voraussichtlich weiter wirken, wie das Insulin? Wie verändert sich mein Zucker, wenn ich mich jetzt bewege? Habe ich alles eingepackt? Pens oder Pumpe und Zubehör, Insulin, Messgerät, Sensor, Notfallkohlenhydrate… Ach ja, und die Sachen, die sonst jeder Mensch auch so braucht? Handy, Portemonnaie, Schlüssel, Maske? Okay, dann kann der Tag beginnen.

Quelle: https://pixabay.com/de/vectors/zwischenablage-sch%c3%bcler-schreiben-2899586/

Von genau so einem Tag im Diabetes-Leben und all den Dingen, die dabei schiefgehen können, haben die 16 Menschen erzählt, mit denen ich während meiner Zeit in Schottland gesprochen habe. Dabei wurde immer wieder klar: Diabetes ist einfach unglaublich viel Denkarbeit, die ganz schön anstrengend werden kann und die vor allem Menschen ohne Diabetes nur ganz schwer nachvollziehen können. In diesem Post teile ich ein paar dieser Erfahrungen und vor allem einen tollen Comic, den Alex Lorson (Insta: @lordysart) gezeichnet hat – der zeigt einen Arbeitstag von Lily, einer jungen Ärztin. Lasst euch überraschen. 😊

Quelle: https://pixabay.com/de/illustrations/meditation-achtsamkeit-%c3%bcberholung-1000062/

Immer alles mitdenken müssen

Lavina, die mit Ende 40 schon über 35 Jahre Diabetes-Erfahrung hat, beschreibt das so: „Stell dir vor, du sitzt da und unterhältst dich mit deinen Freunden, aber du weißt, dass du gleich los musst, irgendwas machen, vielleicht spazieren, Sport machen, arbeiten, Auto fahren. Und sofort geht die Rechenmaschine in deinem Kopf an: „Okay, ich brauche ungefähr einen Zucker von X, damit ich diese Aktivität machen kann. Muss ich dafür noch was essen oder spritzen, oder geht das so?“ All das läuft innerhalb von Sekundenbruchteilen in deinem Kopf ab, aber es ist da – während du dich eigentlich unterhältst.“

Und Emma, Anfang 20 und seit mehr als 10 Jahren mit Diabetes unterwegs, fügt hinzu: „Manche Menschen sehen, wie ich meinen Zucker messe oder etwas an der Pumpe eingebe und sagen erstmal: ‚Ah, du hast Diabetes, also musst du ab und an messen und was spritzen? Das geht ja eigentlich, oder?‘ Wenn ich sie kritisch anschaue, fragen sie mich dann manchmal, was es tatsächlich bedeutet, mit Diabetes zu leben. Wenn mir danach ist, frage ich sie: ‚Hast du ein paar Minuten Zeit? Okay, dann kommt hier die Bio-Einführungs-Vorlesung und was das für mich im Alltag heißt.‘ Die meisten Leute sind dann schon vom Zuhören völlig überfordert und können sich kaum vorstellen, dass ich das so jeden Tag, jede Stunde, einfach ständig machen muss.“

Quelle: https://pixabay.com/de/vectors/pixelchen-vorlesung-h%c3%b6rsaal-studium-3976296/

Statt langer Erklärungen: Comics teilen 😊

Damit Emma – und jeder für uns, denn irgendwie sind wir alle ein bisschen Emma – das nicht immer alles erklären muss, hat Alex Lorson die Geschichte von Lily, einer jungen Ärztin, in einen Comic verwandelt, der genau das aufgreift. Lily ist Ende 20 und erzählt: „Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit und am Lenker habe ich eine kleine Tasche, in der ich ein Päckchen Orangensaft immer griffbereit habe. Das ist super, falls ich unterwegs zu tief bin – da komme ich sogar im Fahren dran. Jedenfalls lasse ich mein Fahrrad auf der Arbeit immer im Fahrradschuppen stehen. Eines Tages hat doch tatsächlich jemand meinen Orangensaft geklaut! Ich war völlig baff und hätte am liebsten draufgeschrieben – auf den nächsten natürlich, der hier war ja weg – ‚Das ist lebensrettender medizinischer Orangensaft! Bitte nicht entfernen!‘“

Quelle: Mirjam Eiswirth / Umsetzung: Alex Lorson

Wie ist das bei euch? Wir erklärt ihr den Menschen um euch herum, was Diabetes für euch bedeutet? Und was war euer verrücktestes Diabetes-Erlebnis?


Weitere Comics von Mirjam findet ihr hier:

„Meine Freundin hat mir das Leben gerettet“

„Neee, ich hab den Kuchen nur angeschaut und davon ist mein Zucker hoch gegangen…“

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes – immer im Gepäck
Reisen mit Diabetes, das ist so eine Sache. Wir können ja eigentlich alles machen, was Menschen mit funktionierender Bauchspeicheldrüse können: Überall hinreisen, fliegen, fahren, wandern, was auch immer. Doch jetzt kommt das Aber – Diabetes will immer mitgedacht und mitgetragen werden, Diabetes ist immer mit im Gepäck. Davon erzählt auch Tess, mit der Mirjam in Schottland über ihre Erfahrungen mit dem Diabetes-Alltag gesprochen hat.

3 Minuten

Community-Beitrag
„Meine Freundin hat mir das Leben gerettet“
In diesem neuen Comic von Mirjam und Alex geht es um das Thema Diabetes und Alkohol. Das kann manchmal nicht ganz einfach sein…

3 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

Verbände