- Behandlung
Weniger Gluten – höheres Typ-2-Diabetes-Risiko?
2 Minuten
Eine Ernährung mit wenig Gluten kann das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen, hauptsächlich dann, wenn der Ballaststoffgehalt der Lebensmittel gering ist. Hinweise auf diese Zusammenhänge gibt die gemeinsame Auswertung von drei großen amerikanischen Beobachtungsstudien.
Glutenfreie Lebensmittel liegen derzeit auch bei Menschen ohne Zöliakie (Glutenunverträglichkeit; siehe Kasten) im Trend – als Bestandteile einer vermeintlich gesunden Ernährung. Eine wissenschaftliche Bestätigung gibt es hierfür nicht.
Zöliakie – erhöhtes Risiko bei Typ-1-Diabetes
Wer Typ-1-Diabetes hat, trägt auch ein höheres Risiko, an Zöliakie zu erkranken. Denn Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) ist ebenfalls eine Autoimmunerkrankung. In Deutschland sind ca. 400.000 Menschen davon betroffen. Hier entstehen Entzündungsherde – durch eine immunologische Reaktion an der Dünndarmschleimhaut auf das Weizeneiweiß Gliadin. Verläuft diese Entzündung in weiten Bereichen, kommt es zu Durchfall, Müdigkeit, Mangelerscheinungen und Bauchschmerzen.
Sollte ein Verdacht auf dieses Krankheitsbild bestehen, muss durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden, ob Antikörper gegen Gliadin vorliegen. Nur wenn diese nachgewiesen werden, wird zusätzlich eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Dünndarm genommen. Eine Zöliakie kann aber auch vorliegen, wenn keine starken Beschwerden vorhanden sind. Bei Risikopatienten, also Menschen mit Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen, sind daher regelmäßige Screeningmaßnahmen empfohlen.
Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Schwerpunkt Typ-1-Diabetes plus Zöliakie, der in der Diabetes-Journal-Ausgabe 3/2016 erschienen ist:
Drei große Beobachtungsstudien aus den USA dokumentierten die Ernährungsgewohnheiten von rund 200.000 Personen über einen Zeitraum von 20 bis 28 Jahren:
- Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stabil zwischen zwei und zwölf Gramm Gluten pro Tag zu sich.
- Als glutenhaltige Lebensmittel verzehrten sie hauptsächlich Nudeln, Vollkornbrot, Müsli, Pizza, Weißbrot und Backwaren aus Weizen.
- Menschen mit einem höheren Anteil an Gluten in der Nahrung ernährten sich insgesamt gesünder als die Personen mit einer glutenreduzierten Kost.
Erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko durch glutenarme Kost
Eine Auswertung dieser Untersuchungen zeigte, dass eine glutenfreie Ernährung auch Gesundheitsrisiken mit sich bringen kann – zumindest was Diabetes vom Typ-2 betrifft. Insgesamt entwickelten acht Prozent (15.947 Personen) aller Studienteilnehmer im Beobachtungszeitraum Diabetes vom Typ-2.
Es zeigte sich:
- Je weniger Gluten die Studienteilnehmer und –teilnehmerinnen zu sich nahmen, desto häufiger entwickelten sie Typ-2-Diabetes.
- Eine vermehrte Aufnahme von Ballaststoffen wirkte dabei dem Diabetesrisiko entgegen.
Zu geringe Ballaststoffe-Aufnahme kann negative Folgen haben
Fazit der Autoren: Eine glutenarme Ernährung geht häufig mit einer zu geringen Aufnahme von Ballaststoffen einher, da beispielsweise auch auf Vollkornbrot verzichtet wird. Dies kann gesundheitliche Folgen haben und unter anderem zu einem erhöhten Typ-2-Diabetesrisiko beitragen.
Ballaststoffe, wie sie zum Beispiel in Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten wie Bohnen und Erbsen enthalten sind, werden vom Körper nahezu unverändert wieder ausgeschieden. Sie bewirken, dass Kohlenhydrate aus dem Darm langsamer ins Blut übergehen. Der Blutzuckerspiegel steigt also nach dem Essen nicht so schnell an. Außerdem fördern sie die Verdauung und beugen Verstopfung vor.
Quelle: Diabetesinformationsdienst München | Redaktion
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht
Apotheken-Reform: Testfall für die Versorgung
3 Minuten
- Aus der Community
Erfahrungsbericht: Mein Weg zur Insulin-Therapie bei Typ-2-Diabetes
7 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 19 Stunden
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 4 Tagen, 17 Stunden
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri -
cina_polada postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hi, ich bin Julija und komme aus Frankfurt. Vor ein paar Wochen wurde bei mir Diabetes Typ 2 mit gerade mal 33 Jahren diagnostiziert.. Kämpfe im Moment noch sehr mit der Diagnose und würde mich über etwas Austausch sehr freuen 🙂
-
lena-schmidt antwortete vor 6 Tagen, 5 Stunden
Hallo Cina,
wir vom Diabetes-Anker treffen uns am 25.2 virtuell per Teams falls das für dich relevant ist 🙂
Schau gerne mal in den Veranstaltungen
Liebe Grüße
Lena
-
