Wie Menschen die aktuelle COVID-19-Lage beurteilen

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© Pixabay | Gino Crescoli
Wie Menschen die aktuelle COVID-19-Lage beurteilen

Wie viel Vertrauen haben die Menschen in die neue Normalität? Eine repräsentative Studie mit 7.000 Menschen in sieben europäischen Ländern unter Leitung von Forschern der Universität Hamburg zeigt: Nur 44,4 Prozent der befragten Menschen in Europa halten die Geschwindigkeit, mit der die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie aufgehoben wurden, für richtig.

Europaweit gibt es dabei eine Tendenz, dass viele Menschen die Lockerungen der Einschränkungen als zu schnell empfinden. In Deutschland sagen dies immerhin 36 Prozent. Dies ist der zweithöchste Wert unter den befragten europäischen Ländern nach Großbritannien (45 Prozent). Für 14 Prozent der Menschen geht es hierzulande dagegen zu langsam in die Normalität zurück. Nur vier Prozent sind aktuell der Meinung, dass die Einschränkungen gar nicht nötig waren.

Blickt man auf die großen und besonders stark betroffenen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, zeigt sich, dass in Bayern mit 27 Prozent und Baden-Württemberg mit 32 Prozent weniger Menschen der Meinung sind, dass die Lockerungen zu schnell sind, dagegen liegt Nordrhein-Westfalen mit 41 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Fühlen sich die Menschen im Alltag gut geschützt?

Bei der Frage, ob sich die Menschen in Restaurants, Kirchen und Fitnessstudios sowie bei Friseuren oder beim Arzt gut geschützt fühlen, ergibt sich ein recht einheitliches Bild: die größte Skepsis herrscht bei religiösen Stätten und Fitnessstudios, am wenigsten Sorge bereitet der Arztbesuch, gefolgt von Supermärkten und Friseuren. Auch wenn die Grundtendenz in allen befragten Ländern gleich ist, zeigt sich doch, dass im besonders stark von COVID-19 betroffenen Großbritannien das Vertrauen noch geringer ist als in den anderen Ländern.

In Deutschland glaubt jeder Zweite nicht daran, dass Kirchen (53 Prozent der Befragten haben wenig oder gar kein Vertrauen) und Fitnessstudios (50 Prozent) genügend Infektionsschutz bieten. Dagegen hat nur etwa jeder Vierte Bedenken beim Friseurbesuch. Restaurants und der öffentliche Nahverkehr liegen mit Werten von 38 Prozent und 44 Prozent im Mittelfeld. Mehr Zuversicht herrscht beim Lebensmitteleinzelhandel und im Gesundheitssektor, also in den Bereichen, die von den Schließungen nicht betroffen waren. Sowohl Bäckereien als auch größere Supermärkte haben überwiegend das Vertrauen ihrer Kunden. Nur jeder Vierte befürchtet, dass Hygiene- und Abstandsregelungen nicht entsprechend umgesetzt werden.

Den besten Schutz trauen die Befragten Arztpraxen und Krankenhäusern zu: Nur 11 beziehungsweise 12 Prozent der Menschen haben hier wenig oder gar kein Vertrauen. „Die Sorge der Krankenhäuser, dass Notfallpatienten sich aus Angst vor einer COVID-19-Ansteckung nicht behandeln lassen, scheint derzeit unbegründet“, so Prof. Dr. Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor beim Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg.

Wirtschaftliche und finanzielle Sorgen nehmen ab

Im Vergleich zu der ersten Befragung im April zeigt sich, dass die Sorgen der Menschen in Deutschland in Bezug auf die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie inzwischen geringer sind. Die größte Entwicklung entfällt auf das Gesundheitssystem: Nur noch 29 Prozent machen sich aktuell große oder einige Sorgen um eine Überlastung – im April waren es noch mehr als doppelt so viele.

Über die Studie
Die Studie untersucht die Einstellungen, Sorgen und das Selbstver-trauen der Menschen in Bezug auf die COVID-19-Pandemie in einer Online-Umfrage unter repräsentativen Stichproben der Bevölkerung nach Region, Geschlecht, Alter und Bildung in sieben europäischen Ländern (Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal und dem Vereinigten Königreich) mit mehr als 7.000 Befragten in jeder Welle.

Die erste Welle der Feldforschung wurde zwischen dem 2. und 15. April 2020 und die zweite Welle zwischen dem 9. und 22. Juni 2020 durchgeführt. Etwa 60 Prozent der Befragten der ersten Welle nahmen auch an der zweiten Welle der Umfrage teil; die verbleibende Stichprobe besteht aus neuen Befragten, um auch hier die Repräsentativität der Stichprobe zu gewährleisten.

Die Befragung erfolgt als Kooperationsprojekt des Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg mit den Universitäten Nova School of Business and Economics (Portugal), Bocconi University (Italien) und Erasmus University Rotterdam (Niederlande). Die Universität Hamburg fördert das Projekt aus Mitteln der Exzellenzstrategie. Eine Darstellung der Ergebnisse dieser Befragungswelle ist auf den Internetseiten des HCHE zu finden.


Quelle: Pressemeldung des Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg

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  • lauf-chris postete ein Update vor 53 Minuten

    Ich habe jetzt seit ca 1 Jahr die YpsoPump. Bin gut damit zufrieden. Ist aber auch kein Selbstläufer!

  • Huhu, ich bin Marina und 23 Jahre alt, studiere in Marburg, habe schon etwas länger Typ 1 Diabetes und würde mich total über persönlichen Austausch mit anderen jungen Menschen/Studis… freuen, vielleicht auch mal ein Treffen organisieren oder so 🙂 Schreibt mir gerne, wenn ihr auch Lust habt!

  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

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