- Behandlung
Wunden am Fuß bei Diabetes vorbeugen: Auch drinnen maßgefertigte Schuhe tragen!
3 Minuten

Ein zentrales Ziel bei der Betreuung von Menschen mit Diabetes ist die Prävention von schwerheilenden Wunden an den Füßen. Hierbei können unter anderem maßgefertigte Schuhe helfen, die besonders gefährdete Fuß-Regionen entlasten. Allerdings tragen viele Betroffene diese Schuhe nicht in Innenräumen. Speziell für diesen Zweck angefertigte Hausschuhe machen es ihnen leichter, auch drinnen druckentlastendes Schuhwerk zu tragen.
Etwa 30 Prozent der Menschen mit Diabetes entwickeln im Krankheitsverlauf mindestens einmal ein diabetisches Fußulkus – ein schwerheilendes Geschwür am Fuß, berichtet Dr. Renske Keukenkamp von der Universität Amsterdam. Das Risiko für ein Wiederauftreten ist dabei hoch: Nach der Abheilung kann innerhalb eines Jahres in 40 Prozent und innerhalb von drei Jahren in 60 Prozent der Fälle erneut ein Geschwür auftreten.
Schutz für empfindliche Füße
In ihren evidenzbasierten Leitlinien empfiehlt die International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) ein risikoadaptiertes Vorgehen. Es sieht für alle Menschen mit Diabetes die Anleitung zur Selbstinspektion der Füße und Aufklärung über erste Anzeichen eines Geschwürs vor. Bei geringem Risiko für Geschwüre sollte ein jährliches Screening auf die peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) und den Verlust des Berührungs- und Schmerzempfindens stattfinden. Bei Personen mit höherem Risiko sollten auch weitere Risikofaktoren regelmäßig abgeklärt werden. Liegt ein mäßiges oder hohes Risiko und/oder eine PAVK vor, werden u.a. das Monitoring der Hauttemperatur an den Füßen und das Tragen therapeutischer Spezial-Schuhe empfohlen, die den plantaren Druck reduzieren.
Zur Vorbeugung gegen Fußgeschwüre empfehlen die internationalen Leitlinien bei mäßigem bis hohem Risiko für solche Geschwüre individuell angepasstes Schuhwerk (siehe obigen Kasten). Um die Füße wirkungsvoll zu entlasten, müssen die Schuhe allerdings auch regelmäßig getragen werden, sagt die Forscherin. Allerdings tragen viele Risikopersonen dennoch auch Konfektionsschuhe oder laufen barfuß bzw. in Socken – ein optimaler Schutz der empfindlichen Füße ist somit nicht gewährleistet. Dies trifft insbesondere auf die Wahl des Schuhwerks in Innenräumen zu, wo immerhin rund 60 Prozent der Schritte des gesamten Tages gegangen werden.
Sind maßgefertigte Schuhe für Menschen mit Diabetes eine gute Motivation?
Nun prüften die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen einer prospektiven Interventionsstudie, an der sich drei multidisziplinäre Fußambulanzen beteiligten, ob die Betroffenen durch maßgefertigte Hausschuhe besser dazu zu motivieren sind, auch in Innenräumen optimales Schuhwerk zu tragen. An der Untersuchung nahmen 31 Menschen mit einem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes (42 Prozent Frauen, Durchschnittsalter 69 Jahre) und mäßigem oder hohem Fußgeschwür-Risiko teil. Ein vorbestehende Geschwür, ein Charcot-Fuß, eine vorangegangene Amputation oberhalb des Tarsometatarsal-Gelenks (das Gelenk zwischen den Keilbeinen und dem Würfelbein und den Basen der Mittelfußknochen) sowie mangelnde Gehfähigkeit stellten Ausschlusskriterien dar. Alle verfügten bereits über maßgefertigte Straßenschuhe und erhielten nun zusätzlich maßgefertigte, knöchelhohe, biomechanisch entlastende, leichte Indoor-Schuhe, die mittels Klett- und Reißverschluss zu schließen waren.
Mehr zum Thema
➤ Füße bei Diabetes schützen, Zweitmeinung einholen und Amputation verhindern
Vor einen sowie vor zwölf Monate nach der Hausschuhversorgung prüften die Forschenden mithilfe eines am Knöchel getragenen Schrittzählers sowie Temperatursensoren in den Schuhen, wie konsequent die Teilnehmenden die Straßen- und die Hausschuhe getragen haben. Als „geringe Trage-Adhärenz“ (Adhärenz bedeutet das Ausmaß, den Behandlungsempfehlungen zu folgen) werteten sie es, wenn die Probandinnen und Probanden unter 80 Prozent der Schritte mit den maßgefertigten Schuhen gegangen haben. Zusätzlich verdeutlichten sie mithilfe von Drucksensoren die beim Gehen in den Schuhen auftretenden Spitzendrücke an den Sohlen. Nach drei Monaten befragten sie die Studienteilnehmenden zur Benutzerfreundlichkeit der Indoor-Schuhe sowie zu ihrer Zufriedenheit mit der Schuhversorgung.
Die Empfehlung bei hohem Risiko für Wunden am Fuß: individuelle Hausschuhe
Vor Studienbeginn gingen 23 der 31 Personen unter 80 Prozent ihrer Schritte in Innenräumen mit ihren maßgefertigten Schuhen. Dieser Anteil nahm in dieser Gruppe signifikant zu: Von zunächst 65 auf 77 Prozent nach einem und auf 87 Prozent nach 12 Monaten. Dies lag im Wesentlichen daran, dass die Spezial-Schuhe vermehrt auch drinnen getragen wurden. Der Wert kletterte von erst 48 auf 71 bzw. 77 Prozent. Außerhalb der eigenen Wohnung hatten die Teilnehmenden bereits ganz überwiegend ihre Spezial-Schuhe getragen (94 Prozent). Dieser Wert verbesserte sich im Studienverlauf nur geringfügig auf 98 bzw. 99 Prozent. Teilnehmende mit zunächst bereits hoher Indoor-Tragefrequenz behielten dieses Trageverhalten auch während der Interventionsphase bei. Die Auswertung der plantaren Druckmessungen zeigte in den Hausschuhen ähnlich hohe Spitzendrücke wie in den Straßenschuhen.
Ein Jahr nach Studienbeginn hielt die überwiegende Mehrzahl der Befragten die maßgefertigten Hausschuhe für nützlich. 79 Prozent zeigten sich mit den Schuhen zufrieden, 68 Prozent sahen ihre Erwartungen als erfüllt an. Allerdings empfanden nur 43 Prozent das Design als ansprechend. Acht Personen (26 Prozent) entwickelten während der Studienphase ein wiederkehrendes Geschwür an den Füßen. Angesichts dieser Studienergebnisse empfehlen die Forschenden, Menschen mit hohem Risiko für ein diabetisches Fußgeschwür nicht nur mit maßgefertigten Straßenschuhen, sondern zusätzlich auch mit individuell angepassten Indoor-Schuhen auszustatten. Wie effektiv diese Strategie wiederkehrenden Geschwüren vorbeugt, müssen nun weitere Studien zeigen, meinen sie.
von Dr. Judith Lorenz
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Begleit-Erkrankungen
- Behandlung

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße