Fitness zählt …

3 Minuten

Fitness zählt …

Fitness ist in aller Munde – wer möchte nicht fit sein? Was aber macht Fitness wirklich aus, und wer ist wirklich fit? Auch wenn die Fragen nicht immer einfach zu beantworten sind, steht eines sicher fest: Das Körpergewicht hat zunächst einmal reichlich wenig zu tun mit der Frage: “Fit oder unfit?”

“Die meisten Menschen denken, man könne es jemandem ansehen, wie fit, aktiv und gesund er ist. Aber das stimmt nicht! Fitte und gesunde Menschen gibt es in jeder Größe und mit jeder Körperform”, so der Wissenschaftler Steven Blair vom berühmten Cooper-Institut für Bewegungsforschung in Dallas, USA.

Fitness ist mehr als Ausdauer

Körperliche Fitness ist definiert als die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit. Die Sportwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Buskies und Wend-Uwe Boeckh-Behrens beschreiben zudem 6 Elemente als gesundheitsorientierte Fitnessfaktoren: Ausdauer, Muskelaufbau, optimale Beweglichkeit, Koordinationsfähigkeit, aber auch Entspannungsfähigkeit und eine optimale Körperzusammensetzung.

Was macht fit? Sind es die Gene – oder doch das regelmäßige körperliche Training? Der Anteil der Gene lässt sich nicht genau angeben, wird aber sicherlich in der Regel überschätzt. Sportmediziner wie Prof. Dr. Herbert Löllgen gehen von einem Anteil der Gene an der Fitness von 10 bis maximal 40 Prozent aus – wohl eher 10! Also: ohne regelmäßiges Training auch keine Fitness.

Fitness kann man messen

Zur genauen Ermittlung der individuellen Fitness stehen der Sportmedizin Belastungsuntersuchungen mittels Laufband oder Fahrradergometer zur Verfügung. Gemessen werden unter anderem in relativ aufwendigen technischen Untersuchungen die maximal erzielte Leistung in Watt sowie die maximale Sauerstoffaufnahme. Da lässt sich das Körpergewicht schon einfacher bestimmen: Einmal auf die Körperwaage stellen und das Ergebnis liegt vor.

Körpergewicht allein ist allerdings bekanntermaßen kein guter Berater: Das Gesamtkörpergewicht setzt sich schließlich aus Fettmasse und fettfreier Masse zusammen; die fettfreie Masse wiederum besteht aus Organen, Knochen, Wasser und eben Muskulatur. Muskulatur hat eine höhere Dichte als Fettgewebe, so dass jemand mit viel Muskulatur mitunter mehr auf die Waage bringt als jemand mit einer großen Fettmasse.

Zudem ist Fett nicht gleich Fett: Die Körperwaage kann nicht unterscheiden zwischen dem stoffwechselaktiveren Fettgewebe (viszerales Fett), das sich im Inneren des Bauchraumes um die Organe ablagert, und dem weniger problematischen Fettgewebe unmittelbar unter der Haut (subkutanes Fett).

Schlank oder fit – was zählt?

Unzählige wissenschaftliche Studien sind in den letzten Jahren zu genau dieser Fragestellung erfolgt – untersucht worden sind sowohl Menschen ohne wie auch mit Diabetes. Selten so viel Einigkeit in der Medizin: Eine mäßige bis gute Fitness reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verlängert das Leben. Das gilt sowohl für schlanke wie auch für übergewichtige Menschen. Dabei entscheidet die gute Fitness viel mehr über eine günstigere Prognose als die Frage des Körpergewichtes.

Was bleibt als Fazit?

Zweifelsfrei kann man das Körpergewicht einfacher messen als die Fitness. Fitness aber verbessert Ihre Lebensqualität und Gesundheit – egal ob Sie schlank oder übergewichtig sind. Die Fitness zu optimieren, ist wichtiger als der ständige Blick auf die Körperwaage.


Fitness-Tipps

Schlechte Berater

Das Körpergewicht oder auch der Body-Mass-Index (BMI) beschreiben die Körperzusammensetzung und auch das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko unzureichend. Insbesondere trainingsbedingte Verbesserungen der Körperzusammensetzung können mit der Körperwaage bzw. mit der Berechnung des BMI nicht erfasst werden.


Besser messen

Der Taillenumfang spielt eine größere Rolle für die Gesundheit als der Body-Mass-Index (BMI). Er gilt als indirektes Maß für das stoffwechselaktive Fettgewebe im Bauchraum, das Viszeralfett. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht ab einem Taillenumfang von 80 cm (Frauen) und 94 cm (Männer), deutlich erhöht ab 88 cm (Frauen) bzw. 102 cm (Männer).

Der Taillenumfang wird gemessen auf Höhe der Mitte zwischen dem unteren Rippenbogen und der Oberkante des Hüftknochens (entspricht in der Regel Bauchnabelhöhe). Körperliches Training führt u. a. zu einem Abbau vom ungünstigen viszeralen Fettgewebe; der Taillenumfang nimmt ab.


Optimal messen

Die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) erlaubt eine genaue Bestimmung der Körperzusammensetzung. Für die Messung wird ein schwacher, für den Menschen nicht spürbarer Strom durch den Körper geleitet. Gewichtsveränderungen durch Muskulatur und/oder Fettmasse lassen sich unterscheiden. Dadurch eignet sich die Methode optimal dazu, sowohl Effekte eines regelmäßigen Trainings wie auch diätetischer Maßnahmen aufzuzeigen.


von Dr. Meinolf Behrens
Diabetologe DDG, Facharzt für Sportmedizin und Ernährungsmedizin, Diabeteszentrum Minden

Kontakt:
Bismarckstraße 43, 32427 Minden, Telefon 0571-840999, E-Mail: mb@diabetes-minden.de
, Internet: www.diabetes-minden.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (9) Seite 78-79

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Rezept für Ofen-Rote-Bete mit Kräuter-Nuss-Dip

Rezept für Ofen-Rote-Bete mit Kräuter-Nuss-Dip | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Apotheken-Reform: Testfall für die Versorgung

Geht es nach der Bundesregierung, sollen Apotheken für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung noch mehr genutzt werden, zum Beispiel in der Vorsorge. Die so Gewertschätzten weisen darauf hin, dass dafür erst einmal die vorhandenen Strukturen zur Versorgung gut finanziert werden müssen. Doch wie steht es um eine Reform?
Apotheken-Reform: Testfall für die Versorgung | Foto: Ardan Fuessmann – stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • thomas55 postete ein Update vor 4 Tagen, 1 Stunde

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 5 Tagen

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

  • cina_polada postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hi, ich bin Julija und komme aus Frankfurt. Vor ein paar Wochen wurde bei mir Diabetes Typ 2 mit gerade mal 33 Jahren diagnostiziert.. Kämpfe im Moment noch sehr mit der Diagnose und würde mich über etwas Austausch sehr freuen 🙂

Verbände