- Begleit-Erkrankungen
Neue Zahnpasta stoppt Parodontitis-Bakterien – warum das gerade für Menschen mit Diabetes wichtig ist
3 Minuten
Parodontitis zählt zu den am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen – und sie betrifft gerade bei Menschen mit Diabetes weit mehr als nur die Mundgesundheit. Fraunhofer-Forschende haben nun eine Substanz entdeckt, die gezielt nur jene Bakterien ausbremst, die Parodontitis verursachen und das natürliche Gleichgewicht im Mund zu bewahren. Diese ist bereits in einer neuen Zahnpasta erhältlich.
Parodontitis beginnt häufig unauffällig, etwa mit Zahnfleischbluten oder Entzündungen am Zahnfleischrand. Das orale Mikrobiom umfasst über 700 Bakterienarten – einige davon können schwere Schäden anrichten. Werden die krankmachenden Keime nicht rechtzeitig gestoppt, entzündet sich der gesamte Zahnhalteapparat. Das führt nicht nur zu Zahnfleischrückgang und gelockerten Zähnen, sondern kann den gesamten Körper belasten, denn Bakterien gelangen über den Blutkreislauf in andere Organe. Die Folgen können Diabetes, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sogar Alzheimer begünstigen.
Gerade Menschen mit bestehendem Diabetes sind besonders gefährdet. Hohe oder schwankende Blutzuckerwerte beeinträchtigen die Abwehr im Mund und fördern zusätzlich das Wachstum schädlicher Bakterien. Studien zeigen: Menschen mit Diabetes haben ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Und eine unbehandelte Parodontitis erschwert ihrerseits die Blutzuckerkontrolle deutlich. Beide Erkrankungen verstärken sich also gegenseitig.
Weiterführende Informationen zum Wechselspiel zwischen Diabetes und Parodontitis
Bisherige Lösungen greifen auch nützliche Bakterien an
Herkömmliche Mundspüllösungen oder antiseptische Zahnpflege töten sowohl pathogene als auch nützliche Bakterien ab. Das Problem: Beim Wiederaufbau der Mundflora haben krankmachende Keime wie Porphyromonas gingivalis oft einen Startvorteil. Genau hier setzt der neue Wirkstoff an.
Prof. Dr. Stephan Schilling erklärt die Besonderheit der entdeckten Substanz Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat so: „Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen. So hilft der Stoff im Einklang mit den gesunden Bakterien, das mikrobielle Gleichgewicht im Mund sanft aufzubauen und stabil zu halten.“
Der Weg zum marktfähigen Produkt war lang. In Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) wurde die Mikrobiom-Zahnpasta des Spin-offs PerioTrap entwickelt, inklusive Putzkörpern und Fluorid zum Schutz vor Karies. „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies“, sagt Dr. Mirko Buchholz von PerioTrap.
Neues hochwertiges Zahnpflegeprodukt in medizinischer Qualität
Weil der neue Wirkstoff zwar Bakterien blockieren, aber nicht in den Körper gelangen darf, waren umfangreiche Sicherheits- und Materialtests nötig. Das Team am Fraunhofer IMWS überprüfte jede neue Rezeptur gründlich. Dr. Andreas Kiesow fasst es so zusammen: „Einfach ausgedrückt: Wir sagen am Ende, ob die Zahnpasta funktioniert.“ Die Entwicklung folgte zudem strikt den Richtlinien der Guten Laborpraxis (GLP). „Wir haben nicht einfach eine gute Zahnpasta mit einer neuen Substanz entwickelt, sondern ein hochwertiges Zahnpflegeprodukt in medizinischer Qualität“, betont Prof. Dr. Schilling.
Auch für den Einsatz in Zahnarztpraxen arbeiten Fraunhofer und PerioTrap weiter: Ein Gel zur Anwendung nach der professionellen Zahnreinigung soll pathogene Keime blockieren und die Mundflora stabilisieren. Zudem sind Mundwasser sowie Produkte für den internationalen Markt und sogar für Haustiere geplant – denn auch Hunde und Katzen leiden häufig unter Parodontitis.
Erfolgreiche Parodontitis-Behandlung verbessert die Stoffwechsellage
Für Menschen mit Diabetes könnten diese neuen Ansätze ein entscheidendes Puzzleteil sein, um den „Teufelskreis“ aus schlechter Blutzuckereinstellung und chronischer Entzündung zu durchbrechen. Denn eine erfolgreiche Parodontitisbehandlung senkt nachweislich den HbA1c-Wert und verbessert die allgemeine Stoffwechsellage. Umgekehrt kann eine gute Blutzuckerkontrolle das Parodontitisrisiko wieder auf Normalniveau senken.
Für alle gilt: Warnsignale wie Zahnfleischbluten, Mundgeruch oder Zahnlockerung sollten ernst genommen werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen, professionelle Zahnreinigungen und konsequente häusliche Mundhygiene bleiben die Basis, aber moderne Mikrobiom-Produkte könnten künftig einen wichtigen zusätzlichen Baustein für eine stabile Mundgesundheit liefern.
von Gregor Hess
mit Materialien der Fraunhofer-Gesellschaft
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stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
