- Behandlung
Parodontitis vorbeugen: Sie haben es selbst in der Hand!
4 Minuten
Den Zahnbelag und damit auch gefährliche Bakterien gründlich entfernen – das ist das A und O, um einer Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontitis) vorzubeugen. Aber wie gelingt es, gut auf Zähne und Zahnfleisch zu achten? Tipps von Privatdozent Dr. Bettina Dannewitz.
Diabetes und die Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontitis) haben einiges gemeinsam: Beides sind chronische Erkrankungen, die sehr weit verbreitet sind. Und bei beiden wissen viele Menschen lange nicht, dass sie bereits betroffen sind: Ähnlich wie Typ-2-Diabetes verläuft auch die Parodontitis zunächst nahezu schmerz- und symptomlos, so dass sie oft erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium bemerkt wird.
Umso wichtiger ist es, auf Warnsignale zu achten und bei den regelmäßigen Untersuchungen beim Zahnarzt auch das Zahnfleisch und den Zustand des Zahnhalteapparats kontrollieren zu lassen. Denn durch frühzeitiges Erkennen und eine systematische Behandlung kann der Krankheitsprozess zum Stillstand gebracht und der Zustand des Zahnhalteapparats deutlich verbessert werden. Deswegen setzt die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) auf gezielte Aufklärungskampagnen (z. B. im Rahmen des jährlichen Europäischen Tages der Parodontologie am 12. Mai).
Diabetes und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig
In ihrer schweren Form stellt die Parodontitis eine ernsthafte Bedrohung nicht nur für die Mund-, sondern auch für die Allgemeingesundheit dar, weil dann Bakterien aus der Mundhöhle über die Blutbahn in weit entfernte Regionen des Körpers gelangen können und beispielsweise Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes beeinflussen.
Untersuchungen zeigen außerdem, dass zwischen beiden Volkskrankheiten eine folgenschwere wechselseitige Beziehung besteht: Ein schlecht eingestellter Diabetes verschlimmert eine Parodontitis und eine unbehandelte, schwere Parodontitis kann die Blutzuckerkontrolle erschweren und einen Diabetes verstärken.
Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats, also aller Anteile im Mund, die an der Verankerung der Zähne im Kieferknochen beteiligt sind. Als Hauptauslöser für diese chronische Entzündung gilt der bakterielle Zahnbelag (Plaque).
Von der oberflächlichen Entzündung zum massiven Knochenverlust
Wird der bakterielle Zahnbelag nicht regelmäßig und gründlich entfernt, entsteht zunächst eine oberflächliche Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die sich durch eine erhöhte Neigung zu Zahnfleischbluten sowie durch gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch bemerkbar macht. In dieser Phase können Sie selbst viel erreichen, denn die Entzündung lässt sich durch Entfernen der Beläge und Intensivieren der Mundhygiene zu Hause erfolgreich und ohne zurückbleibende Schäden beherrschen.
Unbehandelt kann sich jedoch aus der oberflächlichen Zahnfleischentzündung, der Gingivitis, eine Entzündung des Zahnhalteapparats, eine Parodontitis, entwickeln, was sich zusätzlich durch Mundgeruch, Änderung der Zahnstellung, länger werdende und gelockerte Zähne sowie Zahnfleischrückgang äußern kann. Dabei wandert die Entzündung weiter in den Bereich des Kieferknochens und zerstört die Fasern und den Knochen, die den Zahn verankern. Zwischen Zahnwurzel und Zahnfleisch entstehen Zahnfleischtaschen.
Ohne Behandlung schreitet der Knochenabbau weiter fort, infolgedessen verlieren die Zähne ihren Halt, sie werden locker und können letztlich ausfallen.
Problem erkannt, Gefahr gebannt: So beugen Sie wirksam Parodontitis vor
Die Ursache sowohl für eine Gingivitis als auch für eine Parodontitis ist immer eine gehäufte Ansammlung von Bakterien in Form der Zahnbeläge, also Plaque. Daher ist eine regelmäßige und gründliche Mundhygiene die erste und wichtigste Voraussetzung, um Erkrankungen des Zahnhalteapparats vorzubeugen.
Optimale Mundhygiene
Putzen Sie zweimal täglich gründlich Ihre Zähne mit einer gegen Plaque wirksamen, fluoridhaltigen Zahnpasta. Die Putzdauer richtet sich nach der individuellen Situation: Wenn Ihr Zahnfleisch gesund ist und Sie einer Zahnfleischentzündung vorbeugen möchten, ist die Reinigung der Zähne zweimal täglich für jeweils zwei Minuten empfehlenswert. Wenn Sie dagegen an einer Zahnfleischerkrankung leiden, nimmt die Reinigung Ihrer Zähne meist deutlich mehr Zeit in Anspruch.
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Reinigen Sie täglich auch die Zahnzwischenräume – wo immer möglich mit speziellen Zahnzwischenraumbürsten. Ist der Raum zwischen Ihren Zähnen so eng, dass Sie die Bürsten nicht schmerz- und verletzungsfrei in den Zahnzwischenräumen anwenden können, benutzen Sie stattdessen Zahnseide. Antibakterielle Mundspüllösungen können Ihre tägliche Mundhygiene sinnvoll ergänzen. Sie sind aber kein Ersatz für die mechanische Zahnreinigung und verkürzen auch nicht die Putz-Zeit.
Eine professionelle Reinigung Ihrer Zähne in der Zahnarztpraxis kann helfen, schwer zugängliche Stellen im Mund sauber zu halten und damit Ihre Mundhygiene zu Hause zu vereinfachen. In der Zahnarztpraxis werden Sie auch umfassend beraten, wie Sie Ihre Technik beim Zähneputzen optimieren und für Sie geeignete Hilfsmittel einsetzen können.
Einhalten der Kontrolltermine beim Zahnarzt
Auch ohne Beschwerden ist die jährliche zahnärztliche Kontrolluntersuchung unerlässlich. Zusätzlich empfiehlt sich eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung des Zahnfleischs; die Kosten dafür werden alle zwei Jahre von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Bei dieser Untersuchung wird der Parodontale Screening Index (PSI) erhoben, mit dessen Hilfe der Zahnarzt schnell und einfach den Zustand des Zahnhalteapparats überprüfen und frühe Formen der Erkrankung bereits erkennen kann. Bei Verdacht auf eine Parodontitis kann durch eine umfassende Untersuchung die endgültige Diagnose abgeklärt werden und eine entsprechende Behandlung kann beginnen.
Gesundheitsbewusste Lebensführung
Neben gewissenhafter Mundhygiene und regelmäßigem Einhalten der Kontrolltermine beim Zahnarzt trägt auch eine gesunde Lebensführung dazu bei, einer Parodontitis vorzubeugen. Sie können Ihr Risiko verringern, indem Sie nicht rauchen, sich abwechslungsreich und ausgewogen ernähren, sich ausreichend bewegen und psychischen Stress vermeiden.
Darüber hinaus sollten Sie darauf achten, dass Ihre Blutzuckerwerte in einem guten Bereich liegen – denn dadurch sinkt Ihr erhöhtes Parodontitis-Risiko auf Normalniveau.
Wachsam sein
Achten Sie auf Veränderungen am Zahnfleisch und Warnsignale wie Zahnfleischbluten, geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch, Mundgeruch, Zahnwanderungen, länger werdende und lockere Zähne sowie Zahnfleischrückgang. Nutzen Sie außerdem die “Selbsttest Parodontitis”-App der DG PARO. Der einfache Test hilft, die Erkrankungswahrscheinlichkeit zu ermitteln und aktiv werden. Die kostenlose App kann man in den App Stores oder auf www.dgparo.de/gesundes_zahnfleisch herunterladen.
Ein gesunder Zahnhalteapparat wirkt sich günstig auf den Diabetes aus
Gerade in Frühstadien sind Erkrankungen des Zahnhalteapparats gut behandelbar. Ein deutlicher Rückgang des Zahnfleischs und “schwarze” Dreiecke zwischen den Zähnen lassen sich so weitgehend vermeiden. Hinzu kommt, dass sich eine erfolgreiche Parodontitis-Therapie positiv auf die Blutzuckereinstellung auswirkt und der Diabetes sich somit besser kontrollieren lässt.
Das wichtigste Ziel der Behandlung ist es, die Zerstörung des Zahnhalteapparats zu stoppen. Wird der damit verbundene Zahnverlust letztlich verhindert, bleiben Ihnen hohe Kosten für teure Folgebehandlungen wie Zahnersatz oder Implantationen langfristig erspart.
Parodontitis-Patienten müssen lebenslang nachbetreut werden
Um ein gutes Behandlungsergebnis dauerhaft aufrechtzuerhalten, müssen Parodontitis-Patienten ein Leben lang kontinuierlich nachbetreut werden. Im Rahmen der Unterstützenden Parodontitis-Therapie (UPT) werden Zahnfleisch und der Zustand des Zahnhalteapparats kontrolliert und regelmäßig alle Zahnfleischtaschen nachgemessen. Auch wird nachgeschaut, ob die Zähne gut gepflegt werden.
Praktische Tipps für die optimale Zahnpflege zu Hause gehören ebenfalls zur UTP. Die Häufigkeit der UPT-Termine richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und ob Risikofaktoren vorliegen (z. B. Rauchen). Ohne regelmäßige Nachsorge und eine sorgfältige Mundhygiene besteht die Gefahr, dass die Erkrankung wiederkehrt und sich die Zerstörung des Zahnhalteapparats fortsetzt.
Schwerpunkt: „Diabetes und Parodontitis“
- Zähne in Gefahr: Was hat das mit Diabetes zu tun?
- Mundgesundheit: Was Diabetes und Parodontitis verbindet
- Parodontitis vorbeugen: Sie haben es selbst in der Hand!
von Priv.-Doz. Dr. Bettina Dannewitz
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (11) Seite 22-25
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hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 3 Tagen, 16 Stunden
Hallo,
das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?-
ole-t1 antwortete vor 1 Tag, 12 Stunden
Hallo hexle,
ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.
Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.
Beste Grüße
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ole-t1 antwortete vor 1 Tag, 12 Stunden
PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.
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schorschlinger antwortete vor 1 Tag, 9 Stunden
Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.
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hexle antwortete vor 8 Stunden, 33 Minuten
@ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.
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hexle antwortete vor 8 Stunden, 32 Minuten
@schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….
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uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 1 Woche, 5 Tagen
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 1 Woche, 5 Tagen
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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crismo antwortete vor 4 Tagen, 7 Stunden
@gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…
Kann es nur empfehlen!!!
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