- Bewegung
Muskeln vibrierend trainieren
3 Minuten
Das Prinzip ist ganz einfach: Trainiert wird auf einer Platte, die in einem Frequenzbereich zwischen 2 und 50 Hertz schwingt. Ursprünglich in den 1960er Jahren für Astronauten entwickelt, damit sie in der Schwerelosigkeit körperlich fit bleiben, liegt das Vibrationstraining heute voll im Trend.
Je nachdem, welche Muskelgruppen trainiert werden sollen, nimmt man eine unterschiedliche Position auf der Vibrationsplatte ein. Prinzipiell kann das Vibrationstraining statisch oder dynamisch erfolgen. Dynamische Übungen sind in der Regel effektiver, aber in der Durchführung auch wegen der notwendigen Koordination anspruchsvoller.
Vibrationstraining hilft dabei, die Tiefenmuskulatur aufzubauen
Die mechanischen Schwingungen der Platte bewirken eine Dehnung der Muskulatur. In der Muskulatur befinden sich Muskelspindeln, die die Muskeln vor Überdehnung schützen. Durch die schwingungsbedingte plötzliche Dehnung des Muskels wird ein Dehnungsreflex ausgelöst: Der Muskel zieht sich zusammen. Der Körper wehrt sich praktisch gegen die Vibrationen und trainiert so im Nebeneffekt die Muskulatur.
Etwa 60 Prozent seiner Muskeln kann der Mensch bewusst steuern und trainieren. Die restliche Muskulatur, die Tiefenmuskulatur, kann mit einem herkömmlichen Training nur schwer aufgebaut werden. Mit dem Vibrationstraining erreicht man aber genau diese Muskeln in der Tiefe, die insbesondere Gelenke und Wirbelsäule stabilisieren. Der gezielte Aufbau der Tiefenmuskulatur entlastet somit Rücken und Gelenke.
Auch wenn der unmittelbare Energieverbrauch niedrig ist, führt der Muskelaufbau mittel- bis langfristig natürlich zu einem gesteigerten Grundumsatz mit positiven Effekten auf Glukosestoffwechsel, Körpergewicht und Körperfettanteil.
Großes Spektrum an verfügbaren Vibrationsgeräten
Das Spektrum der angebotenen Vibrationsgeräte ist groß. Der größte Unterschied besteht darin, ob sie eine Säule haben oder nicht. Professionelle Vibrationstrainingsgeräte verfügen in der Regel über eine Säule, die deutlich kostengünstigeren Heimgeräte nicht. Wichtige Unterschiede finden sich zudem im verwendeten Vibrationssystem (siehe Info-Kasten). Für die Trainingssteuerung ist die richtige Vibrationsfrequenz entscheidend.
Welche technischen Varianten gibt es?
- Geräte mit und ohne Säule
- unterschiedliche Vibrationssysteme
- vertikales System: Vibrationsplatten vibrieren nur in der vertikalen Ebene (von unten nach oben)
- 3-dimensionales System: Vibrationsplatten vibrieren in der vertikalen und horizontalen Ebene
- Wipp-System (= seitenalternierend):
Zusätzlich zur Vibration in der horizontalen und vertikalen Ebene bewegen sich die linke und die rechte Seite der Platte gegenläufig auf und ab. Diese Wipp-Bewegung simuliert die physiologischen Bewegungsabläufe beim Gehen. Unbedingt zu bevorzugen sind 3-dimensionale oder Wipp-Systeme, da diese mehr Muskelgruppen trainieren.
Wo kann man trainieren?
- Heimtraining (in der Regel mit kostengünstigeren Kompaktgeräten ohne Säule); beim Heimtraining sollte unbedingt auf eine ausreichende Dämpfung des Gerätes geachtet werden
- Fitnessstudio (leistungsstärkere Geräte mit Säule)
Was kosten Vibrationsplatten?
- Heimtraining-Geräte: ab 200 Euro. Eine Preis- und Leistungsübersicht von Heimgeräten findet sich unter: www.vibrationsplatte-test.de
- professionelle Geräte für Fitnessstudios: bis zu 17.000 Euro
Wer sollte kein Vibrationstraining durchführen?
- Schwangere
- Personen mit
- Gelenkimplantaten
- Herzschrittmacher
- Anfallsleiden (Epilepsie)
- Thrombose
- Entzündungen des Bewegungsapparates
- akutem Bandscheibenvorfall oder frischen Knochenbrüchen
Aufgeführt sind lediglich die wichtigsten Gegenanzeigen ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sicherheitshalber sollte Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.
Bei niedrigen Frequenzen reichen die Schwingungen nicht aus, um Dehnungsreflexe auszulösen. Personal Trainer Florian Franke sagt: „Training mit niedrigen Frequenzen dient der Entspannung der Muskulatur und der Optimierung der Balance. Mittlere Frequenzen im Bereich zwischen 10 und 20 Hertz hingegen führen zu einer verbesserten Muskelfunktion und Koordination.“ Erst höhere Frequenzen (20 bis 35 Hertz) bewirken eine Steigerung der Muskelleistung und Muskelkraft.
Zumindest in der Anfangsphase sollte ein Trainer dabei sein
Zu Beginn sollte die Trainingseinheit 10 Minuten nicht überschreiten. Zumindest in der Anfangsphase empfiehlt sich die Trainingsbegleitung durch einen entsprechend geschulten Trainer: „Korrekte Geräteeinstellung und Körperhaltung beim Training sind entscheidend, sonst drohen Kopfschmerzen oder Schwindel“, warnt Florian Franke. Eine Neuropathie beeinträchtigt die Wahrnehmung der Vibrationen. Daher gilt für Diabetiker mit Neuropathie, sich besonders vorsichtig an das Training heranzutasten. Auch wenn das Vibrationstraining sich für fast jeden eignet, sollte man es bei bestimmten Erkrankungen (siehe rechts) nicht durchführen.
Muskeln vibrierend zu trainieren, ist kein Wundermittel, aber zweifelsfrei ein Training mit Tiefenwirkung und sicherlich mehr als nur ein kurzlebiger Trend.
von Dr. Meinolf Behrens
Diabeteszentrum Minden,
Bismarckstraße 43, 32427 Minden,
Telefon 0571-840999,
E-Mail: mb@diabetes-minden.de
,
Internet: www.diabetes-minden.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (11) Seite 80-81
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Tagen, 1 Stunde
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri

Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGM
Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.