Sag’ ich Bescheid? Oder sag’ ich’s besser nicht …

4 Minuten

© Steve Brookland
Sag’ ich Bescheid? Oder sag’ ich’s besser nicht …

Marcus Overmann hat mit seinen Kindern Tauchurlaub gemacht, auf Elba. Dort interessierte ihn, ob die Tauchbasis mit Diabetes etwas anfangen kann. Denn klar ist: Tauchen ist nur dann ungefährlich, wenn du alles im Griff hast. “Als tauchender Diabetiker musst du besonders viel im Griff haben”, sagt unser Autor.

Elba im Juli 2015. Die Insel ist ein einziges Blütenmeer, grün, in voller Pracht, es duftet nach Kräutern. Lufttemperatur im Schnitt über 30 Grad, wir freuen uns schon richtig auf das Meer. Ich habe meinen Kindern schon lange den Tauchschein versprochen. Und jetzt haben wir eine Woche gebucht, in Morcone. Hier gibt es eine deutschsprachige Tauchschule, was es Paula und Vincent leichter machen dürfte, den Tauchschein zu bestehen.

Tauchen mit Diabetes – meist völlig unwissende Tauchschulen

Ich habe seit 17 Jahren den OWD-Tauchschein (Open Water Diver), und natürlich will auch ich tauchen. Aber wie soll ich es dieses Mal anstellen? Gleich Bescheid sagen, dass ich Typ-1-Diabetiker bin? Davon haben die doch gar keine Ahnung, denke ich mir. In vergangenen Tauchurlauben bin ich meist auf völlig unwissende Tauchschulen gestoßen. Habe dort zwar gesagt, dass ich Diabetiker bin, aber das hätte ich mir auch sparen können, weil es, wenn überhaupt, nur Bedenkenträger gab.

Bei der Anmeldung hier auf Elba, in der Tauchschule Aquanautic in Morcone, lege ich die Karten gleich auf den Tisch. Mal sehen, wie die damit umgehen. “Kann ich meinen Insulin-Pen mit an Bord nehmen und dazu Traubenzucker? Und könnt ihr das so verschließen, dass es trocken bleibt?”

“Kein Problem”, sagt Björn, der Chef der Tauchschule, “das können wir.” “Bist du Typ-1- oder Typ-2-Diabetiker?”, fragt mich dann Verena, eine der Tauchlehrerinnen. “Und willst du an Bord vor dem Tauchen den Blutzucker nochmal kontrollieren? Dann packen wir auch dein Blutzuckergerät ein.” Und ich bin jetzt erst einmal überrascht – wir kommen ins Plaudern.

Disziplin und Verantwortung heißen die Stichworte beim Tauchen

Ich will wissen, wieso die sich auskennen und welche Erfahrungen sie mit Diabetikern haben: “Spielen die mit offenen Karten, wenn sie zu euch zum Tauchen kommen, oder sind Diabetiker eher zurückhaltend?”, will ich wissen.

Björn antwortet: “Es gibt beide Gruppen. Die, die gleich sagen, was los ist, und die, die das mit sich allein ausmachen. Das sind leider die meisten. Für uns ist es aber viel, viel leichter, wenn wir wissen, wer da mit uns taucht. Denn wir wollen, dass unsere Taucher sicher sind. Und angenommen, ein Taucher unterzuckert, dann könnten wir helfen, so weit es geht. Aber nur dann, wenn wir auch wissen, dass der Taucher Diabetiker ist.” Wenn sie es wissen, erklärt Verena, dann fragt sie vor dem Tauchgang, wie es um den aktuellen Blutzuckerwert steht.

“Wir können dir als Diabetiker zur Seite stehen, gar keine Frage”, sagt Björn, “aber am Ende bleibst du allein verantwortlich. Du musst wissen, wie deine Werte sind und wie du dich damit fühlst. Du musst entscheiden, ob du tauchen kannst. Wir können in niemanden hineinschauen.” Dann fragt mich Verena, ob mein HbA1c im Rahmen sei. “6,4”, antworte ich und sie nickt zufrieden.

Alles läuft problemlos beim ersten Tauchgang

Am Nachmittag folgt mein erster Tauchgang: Corbelli, der Affenfelsen. Der liegt direkt vor Morcone, mit dem Motorboot keine 5 Minuten entfernt. Wir sind 8 Taucher. Man taucht immer zu zweit, weil einer auf den anderen aufpasst. Mein “Buddy” ist Florian, ein junger Biologe, der mir die Unterwasserwelt erklärt.

Vor dem Tauchgang lege ich die Insulinpumpe ab, die wäre nach spätestens einem Meter Wassertiefe für alle Zeiten erledigt; mein Blutzucker beträgt 135 mg/dl (7,5 mmol/l), ich trinke noch einen Becher Orangensaft. Ausrüstung sitzt, Taucherbrille auf, Atemregler in den Mund, dann die Rolle rückwärts von der Reling ins Wasser. Wow, das ist irre schön!

Wir tauchen 45 Minuten, auf maximal 16 Metern. Die Sicht ist gut, ich entdecke Muränen, Fischschwärme und darin Raubfische, Barrakudas. Aber das Allerschönste ist, schwerelos zu sein und unter Wasser atmen zu können. Wer das mal gemacht hat, weiß, was ich meine.

Als ich 45 Minuten später aus dem Wasser komme, beträgt der Wert 115 (bzw. 6,4). Bis ich die Pumpe wieder angelegt habe, zurück in der Tauchbasis, sind 1,5 Stunden vergangen. Achtung, jetzt müsste der Blutzucker schnell wieder hochgehen, ich gebe mir 3 Einheiten zusätzlich – passt, er bleibt unter 140 (bzw. 7,8).

Unterzuckerung unter Wasser wäre eine Katastrophe

“Was macht ihr eigentlich, wenn ein Diabetiker unter Wasser unterzuckert?”, frage ich Björn. “Wir würden ihm Cola geben oder Traubenzucker, sobald er wieder an Bord ist”, sagt er. “Aber wenn er tiefer taucht, so dass er erst eine Dekompressionspause einlegen muss beim Auftauchen, dann wird es komplizierter.” Erklärung: Wer z. B. 30 Meter tief taucht und sich dort 20 Minuten aufhält, der muss bei einer Tiefe von 3 Metern unbedingt einen 5-minütigen Stopp einlegen, um den Stickstoff wieder abzuatmen, den er zusätzlich aufgenommen hat. Sonst droht eine Taucherkrankheit.

“Ich habe mich schlau gemacht”, sagt Björn, “es gibt flüssigen Traubenzucker, den der Taucher auch unter Wasser einnehmen könnte. Die Betonung liegt auf könnte, denn das muss der Diabetiker selbst entscheiden. Nochmal: Wir können die helfende Hand reichen. Aber der Taucher mit Diabetes, der muss die Verantwortung übernehmen!”

In der Zwischenzeit habe ich vier weitere Tauchgänge absolviert, und Paula und Vincent haben ihren Tauchschein bestanden. Wir können jetzt zusammen tauchen. Das Boot der Tauchschule fährt zu einem Schiffswrack in Pomonte. Die Fahrt bringt Spaß, ab und an, wenn eine Welle kommt, hüpft das Boot übers Wasser. Die Sonne scheint. Wir ankern neben einem Handelsschiff, das 1972 gesunken ist; es liegt zwischen 5 und 18 Metern.

Froh, über den Diabetes Bescheid gesagt zu haben

Der Tauchgang beeindruckt, wir sehen Fischschwärme durchs Wrack ziehen, man kann sogar ein bisschen hineintauchen. Bilanz: Wir haben die Unterwasserwelt bestaunt, wir haben einen leichten Sonnenbrand mitgebracht … und einen tollen Urlaub verbracht. Und ich bin froh, dass ich Bescheid gesagt habe – das mit dem Diabetes.


von Marcus Overmann

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (11) Seite 42-44

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  • Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

  • thomas55 postete ein Update vor 4 Tagen, 15 Stunden

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 5 Tagen, 14 Stunden

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

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