Tauch-Touren für Menschen mit Diabetes

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Tauch-Touren für Menschen mit Diabetes

In der Makadi-Bucht am Roten Meer in Ägypten zeigt sich Tauchern eine atemberaubende Unterwasserwelt der Fische und farbenfrohen Korallen. Bei 28 °C Wassertemperatur und strahlend blauem Himmel steht einem faszinierenden Tauch-Event eigentlich nichts im Wege – wenn da nicht der Diabetes wäre!?

“Vor meiner Diabetesdiagnose war ich es gewohnt, immer Vollgas zu geben – ohne Rücksicht auf meinen Körper zu leben”, sagt Martin Noël Lampe, der seit Januar 2013 an einer Sonderform des Typ-1-Diabetes erkrankt ist, dem LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults). An das regelmäßige Insulinspritzen hat sich Martin Noël Lampe rasch gewöhnt.

Eine ganz wichtige Erfahrung hat der begeisterte Extrem- und Vielsportler allerdings auch schnell machen müssen – ob beim Golf- oder Tennisspielen, Fliegenfischen, Snowboarden, Downhillfahren oder Tauchen im Roten Meer: Sein Diabetes fordert eine entsprechende Vorbereitung, diabetes- und sportartenspezifische Erfahrungen, ein optimales Equipment und vor allem regelmäßige Blutzuckerkontrollen.

Themenschwerpunkt „Sport am Limit?!“

Schwimmen, Walken, Laufen oder Radfahren: Regelmäßige körperliche Aktivität hält uns körperlich und geistig fit – erst recht bei Diabetes! – Nicht nur Diabetiker sind mitunter müde und vielleicht auch genervt vom ständigen Schrei nach Fitness. Gerade junge Menschen können den für sie oft monotonen Ausdauersportarten wenig abgewinnen. Downhillfahren, ungebremster Bikespaß, Klettern oder Bouldern unter extremen Bedingungen, Gerätetauchen, Fallschirmspringen, Drachenfliegen oder Paragliding: Fun-, Trend- und Extremsportarten begeistern die Menschen zunehmend. No risk, no fun lautet das Motto für viele Freizeitsportler.

Nicht erst seit den Erfolgen der britischen Ruderlegende Sir Steven Redgrave, fünffacher olympischer Goldmedaillengewinner, und dem olympischen Triumph im Gewichtheben von Matthias Steiner 2008 in Peking wissen wir, dass der Diabetes sportlichen Höchstleistungen nicht im Wege steht. Leistungssportler bewegen sich dabei aber wie eben auch Extremsportler nicht selten am physischen und psychischen Limit. Was geht mit Diabetes? Wo liegen die Grenzen?

Antworten auf diese Fragen finden Sie in unserem aktuellen Themenschwerpunkt Sport am Limit?!

Brenzlig: Unterzuckerung auf Schnorcheltour

“Gleich im ersten Jahr meiner Diabetesdiagnose traf mich auf einer Delphin-Schnorcheltour eine Unterzuckerung völlig unvorbereitet”, blickt Martin Noël Lampe selbstkritisch auf das für ihn einschneidende Diabetes-Erlebnis zurück. 100 Meter vom Tauchboot entfernt auf dem offenen Roten Meer bei hohem Wellengang war es letztlich seiner aufmerksamen Ehefrau zu verdanken, dass zum Glück nichts passierte.

Wer Lampe zuhört, weiß schnell, dass ihm eine Unterzuckerung auf dem offenen Meer nicht noch einmal passieren wird. Lampe hat sich seither intensiv mit dem Thema Diabetes und Extremsport auseinandergesetzt, insbesondere mit dem Tauchsport. Gemeinsam mit seinem Freund Hans-Jürgen Schaal-Jarolin, einem Tauchlehrer, und mit Unterstützung von Medizinern und Tauchschulen plant er demnächst sogar Tauchtouren für Diabetiker in der Makadi-Bucht.

Bis 1995 galt weltweit ein Tauch-Verbot für Menschen mit Diabetes!

Bis 1995 bestand noch ein weltweites generelles Tauchverbot für Diabetiker, das zum Glück aufgehoben worden ist. Grundsätzlich ist jeder approbierte Arzt berechtigt, die Tauchtauglichkeit zu bescheinigen. Detaillierte Empfehlungen zur Tauchtauglichkeit von Diabetikern hat das Divers Alert Network (DAN) erstellt, eine internationale Vereinigung zur Verbesserung der Tauchsicherheit (Info-Kasten).

Neben den allgemeinen Risiken des Tauchens durch den erhöhten Umgebungsdruck mit vielfältigen Auswirkungen auf den Organismus steht für Diabetiker das Risiko einer Unterzuckerung beim Tauchgang eindeutig im Vordergrund. Zudem wird die Taucherdiurese (eine vermehrte Urinproduktion unter dem Einfluss verschiedener Hormone) durch das Einhalten eines Sicherheitsblutzuckers oberhalb der Nierenschwelle noch verstärkt.

Blutzucker: mindestens 150 mg/dl (8,3 mmol/l), um Hypos zu vermeiden

Zum Vermeiden von Unterzuckerungen sollte der Blutzucker vor jedem Tauchgang mindestens 150 mg/dl (8,3 mmol/l) betragen, der Blutzuckertrend darf dabei nicht fallend sein. Wegen der gesteigerten Diurese ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Die Einnahme von Glukose-Gel (z. B. Jubin) unter Wasser muss natürlich trainiert werden.

Das Fazit: Tauchen im Roten Meer oder Fallschirmspringen – Extremsportarten mit Diabetes sind möglich, setzen aber umfassende ärztliche Voruntersuchungen, persönliche Erfahrung und ein intensives Diabetesmanagement voraus.

Voraussetzungen für dieTauchtauglichkeit von Diabetikern (Auszug) laut Divers Alert Network (DAN)

  • mind. 18 Jahre alt (mind. 16 bei speziellem Training)
  • erst 12 Monate nach Start einer Insulintherapie
  • keine schweren Hypoglykämien für mind. 1 Jahr
  • keine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen
  • keine offensichtlichen Diabetes-Folgeerkrankungen
  • jährliche ärztliche und tauchmedizinische Untersuchung
  • Untersuchung auf nicht bemerkte Mangeldurchblutung des Herzmuskels bei Teilnehmern älter als 40 Jahre
  • keine Tauchgänge tiefer als 30 Meter oder länger als 60 Minuten
  • keine Dekompressions-Tauchgänge, keine Wrack- oder Höhlentauchgänge
  • Vermeidung von Situationen, die eine Hypoglykämie hervorrufen können
  • der Tauchpartner ist über den medizinischen Zustand und die im Notfall einzuleitenden Schritte informiert
  • der Tauchpartner sollte kein Diabetiker sein. Details unter http://www.diversalertnetwork.org/files/DiabetesSummaryGuidelines.pdf

Sport bei Typ-1-Diabetes – die Expertenempfehlung

Typ-1-Diabetiker können im Grunde jegliche Sportart, auch als Wettkampf- oder Leistungssport, ausüben.Allerdings sind Sportarten, bei denen das Risiko von Bewusstseinsstörungen/eingeschränkter Urteilsfähigkeit infolge evtl. Hypoglykämien erhöht ist, eher ungeeignet: z. B. Tauchen, Fallschirmspringen, Extrem-Klettern, Skitouren in großer Höhe, Wildwasser-Kanufahren oder Drachenfliegen. Falls sie dennoch durchgeführt werden, erfordern sie große persönliche Erfahrung, besonders sorgfältiges Verhalten, individuelle Planung und eine intensive Schulung.

(K. Esefeld et al: Diabetes, Sport und Bewegung. Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Oktober 2015)


von Dr. Meinolf Behrens

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (6) Seite 67-69

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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