Was bietet Coaching für Menschen mit Diabetes? Aus dem Alltag eines Coaches!

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Was bietet Coaching für Menschen mit Diabetes? Aus dem Alltag eines Coaches!

Die Diagnose Diabetes hat viele Facetten. Fragen, die Menschen mit Diabetes beschäftigen, können daher sehr vielseitig sein. Wie kann ich meinen Alltag mit Diabetes gut für mich organisieren? Was wird sich alles ändern? Was kann ich jetzt vielleicht nicht mehr machen? Wie soll ich das alleine schaffen und was ist denn jetzt am Wichtigsten?

Einsatzmöglichkeiten von Coaching

Neulinge stehen vor einem riesigen Berg neuer Informationen und Verhaltensempfehlungen. In der Regel redlich bemüht, alles zu verarbeiten und gut umzusetzen. Im Vordergrund steht hier neben einer Schulung erst einmal die medizinische Betreuung und Auswahl der passenden Therapie. Doch sollte auch die mentale Komponente nicht außer Acht gelassen werden, denn die Lebenssituation verändert sich und der persönliche Kompass wird neu ausgerichtet.

Menschen, die schon länger dabei sind, setzen sich eher mit Fragen auseinander, warum es nicht so klappt, wie sie sich es vorgenommen haben, was sie tun können, damit es besser läuft oder warum ihr Alltag mit Diabetes so kompliziert geworden ist. Die Motivation lässt nach und sie bewegen sich Schritt für Schritt in eine Abwärtsspirale.

Coaching als Begleitung

Coaching zeigt dir deine Vielfalt

Coaching ist ein Beratungsformat basierend auf einer professionellen Kommunikation und geht weit über einen freundschaftlichen Ratschlag hinaus. Daher kann Coaching eine gute Ergänzung und wertvolle Unterstützung zu den medizinischen/ernährungsberatenden Maßnahmen und den Angeboten der Selbsthilfe sein. Setzen wir uns frühzeitig nach der Diagnose oder in Zeiten, in der die Motivation einen Tiefpunkt hat, mit der persönlichen Lebenssituation auseinander, kann es mit einer Unterstützung wieder leichter fallen, den Alltag mit Diabetes zu meistern.

Coaching fokussiert dich

Obwohl Coaching grundsätzlich ein genereller Prozess ist, gibt es auch bei den Coaches verschiedene Schwerpunkte – meine Schwerpunkte sind Motivation, Zufriedenheit und Stärke im Alltag mit Diabetes sowie Konfliktlösung.

Insgesamt sollte für alle Coaches gelten und klar sein, dass der Coach eine vertrauensvolle Beziehung aufbaut und während des Coachings unabhängig von den eigenen Emotionen, Werten und Interessen ist. Die Struktur des Coachings wird an den Bedürfnissen des Menschen definiert, der sich coachen lässt. Der Coaching-Prozess wird aktiv, ziel- und ressourcenorientiert durch den Coach gesteuert.

Coaching lässt dich deine Perspektive wechseln

Themen für ein Coaching

Ich möchte euch eine paar Idee geben zu den Themen, mit denen die Menschen in ein Coaching zu mir  kommen:  ich kann mich schwer motivieren, um im Alltag dranzubleiben; es gibt Situationen, da bekomme ich es einfach nicht hin; ich wünsche mir weniger Druck in meinem Alltag und möchte den Diabetes besser akzeptieren; ich bin in manchen Situationen so unsicher, das nervt mich; ich bekomme es einfach nicht hin, obwohl ich mir so viel Mühe gebe; ich glaube meine Kind braucht Unterstützung, um gut mit dem Diabetes umzugehen – nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Coaching gibt dir eine Richtung

Coaching macht die Unzufriedenheit und die Belastungen sichtbar. Probleme werden auf den Punkt gebracht, Bedürfnissen werden klarer und dann kann die Suche nach individuellen Lösungen starten.

Coaching Formate und Methoden

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Coaching zu gestalten. Die Frage ist, wie individuell und persönlich soll es sein. Steige ich mit einem Selbstlern-Angebot ein und setze mich mit mir unter Anleitung z.B. in Form eines Videokurses oder Workbooks auseinander. Oder besuche ich einen Workshop mit mehreren Teilnehmenden, denn das ist eine gute Möglichkeit, in den persönlichen Entwicklungsprozess mit einem persönlichen Kontakt zu einem Coach einzusteigen. Die individuellste und persönlichste Form ist das 1:1 Coaching (d.h. ein Coaching nur für dich alleine mit deinem Coach). Hier werden die Themen, um die es gehen soll passgenau identifiziert. Der Start für ein 1:1 Coaching sollte immer ein Kennenlerngespräch sein, um für beide Seiten festzustellen, ob es inhaltlich und persönlich passt. Alle Formate können prinzipiell online oder offline stattfinden.

Coaching lässt dich Grenzen überschreiten

Coaching soll Veränderungsprozesse anregen und begleiten. Es konzentriert sich dabei auf die Zukunft und arbeitet in der Regel nicht die Vergangenheit auf. Der Methodenkoffer ist sehr vielfältig und jede/r Coach hat hier sicherlich auch persönliche Lieblingsmethoden, die gut für den Einsatz in der eigenen Arbeit passen. Von einfachen Fragetechniken über schreiborientierte Methoden zur Fokussierung von Fragestellungen zu Übungen zur Visualisierung von Zusammenhängen wie z.B. das  innere Team bis hin zu komplexen Aufstellungen und Hypnose. Eine entsprechende Ausbildung in den jeweiligen Methoden ist für mich eine wichtige Voraussetzung. Auch wenn der Begriff Coach und Coaching nicht geschützt ist und sich prinzipiell jeder Mensch so nennen darf.

Abgrenzung von Coaching zur Therapie

Eines sollte klar sein. Coaching ist keine Psychotherapie oder Heilbehandlung und daher auch kein Ersatz für medizinische Behandlungen oder sonstige therapeutische Maßnahmen. Alle Fragen zur Diabetes-Therapie müsst ihr unbedingt mit eurem Diabetes-Team klären und nicht mit einem Coach.

Coaching lässt dich zur Ruhe kommen

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit als Coach geben und euch zeigen, was Coaching, Menschen mit Diabetes bieten kann. Ansonsten lebe ich in vielen Bereichen mit dem Motto „Probieren geht über Studieren“. Wenn ihr merkt, dass ihr Bedarf habt, macht euch ein eigenes Bild davon, ob Coaching eine gute Unterstützung für euren Alltag mit Diabetes ist.

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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