- Eltern und Kind
CGM bei Kindern und Jugendlichen
3 Minuten
Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) kann für Kinder und Jugendliche entscheidende Vorteile haben. Deshalb hat sich die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie an höchster Stelle für die Methode eingesetzt.
Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM)
In regelmäßigen Abständen kommen neue Blutzuckermessgeräte auf den Markt. Größe, Design, Form und Auslesbarkeit variieren, das Grundprinzip bleibt jedoch unverändert: Für jede Messung muss ein Blutstropfen gewonnen werden.
Glukosesensoren dagegen, die für eine kontinuierliche Messung eingesetzt werden (CGM), arbeiten mit einem mehrere Tage verwendbaren Katheter. Und diese Sensoren haben – neben der Möglichkeit, kontinuierlich zu messen – einen weiteren entscheidenden Vorteil: Es lassen sich Trends darstellen.
Die kontinuierliche Glukosemessung ist bereits seit etlichen Jahren verfügbar und wird von vielen Diabetologen als Hilfsmittel in der Diagnostik oder Therapiesteuerung eingesetzt.
Stellungnahme: CGM ist zukunftsweisend
Im vergangenen Jahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) – das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen – die kontinuierliche Glukosemessung als „neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode“ (NUB) eingestuft. Um ihre Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen, wurde im Oktober 2012 ein Verfahren eingeleitet, das Nutzen, Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit der CGM bewerten soll.
Die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) hat dazu gemeinsam mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft und diabetesDE im Dezember eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. Die AGPD vertritt die Auffassung, dass die kontinuierliche Glukosemessung für zahlreiche Patienten im Kindes- und Jugendalter sowie deren Familien zukunftsweisend sein kann.
Derzeit verfügbare CGM-Systeme
Derzeit werden in Deutschland Messsysteme von drei Herstellern (Medtronic, Abbott und Nintamed) angeboten. Die Geräte werden teilweise alleine oder in Kombination mit einer Insulinpumpe eingesetzt. Bei der Kombination von CGM und Pumpentherapie spricht man von einer sensorunterstützten Pumpentherapie (SUP).
Die Kosten für ein Starterset bewegen sich zwischen 1.200 und 2.000 Euro. Die Kosten für einen Sensor liegen zwischen 60 und 70 Euro. Ein Sensor kann 5 bis 7 Tage verwendet werden. Die Kosten werden bisher nur in Einzelfällen von der Krankenkasse übernommen.
Das Messprinzip: So funktioniert CGM
Die kontinuierliche Glukosemessung erfolgt im subkutanen Gewebe. Dort wird die Glukose in der interstitiellen Flüssigkeit (Flüssigkeit zwischen den Zellen, Gewebeflüssigkeit) im Abstand von 1 bis 5 Minuten gemessen. Die Werte werden an einen tragbaren Monitor oder an die Insulinpumpe übertragen, wo sie als Kurve graphisch ablesbar sind.
Pfeile zeigen einen Blutzuckertrend an, Alarme können bei Über- oder Unterschreiten eines Grenzwertes (Hyper- und Hypoglykämiealarm) programmiert werden. Teilweise schaltet sich die Insulinpumpe ab, wenn nicht auf den Hypoglykämiealarm reagiert wird.
Vorteil bei nächtlichen Hypoglykämien
Nächtliche Hypoglykämien treten nicht selten unbemerkt auf und verlaufen oft prolongiert, d. h. über mehrere Stunden. Die berechtigte Angst der Eltern vor solchen (nächtlichen) Hypoglykämien führt nicht selten dazu, dass höhere Blutzuckerwerte akzeptiert oder sogar angestrebt werden, um der Gefahr einer Unterzuckerung zu entgehen. Dies führt letztendlich zu einer schlechteren Blutzuckerstoffwechsellage und höheren HbA1c-Werten.
Praktischer Einsatz: Erfahrung ist wichtig
Weil die Glukose bei der CGM in der interstitiellen Flüssigkeit und nicht im Blut gemessen wird, kann es bei raschen Änderungen des Blutzuckerspiegels zu einer gewissen Zeitverzögerung kommen, mit der entsprechende Änderungen in der Gewebeflüssigkeit wahrgenommen werden.
Patienten, die eine CGM einsetzen, müssen diesen Unterschied zwischen Blutglukose und Gewebeglukose kennen und in der Bewertung dieser Messungen gut geschult werden. Um mit der großen Menge neuer, bisher nicht sichtbarer Daten, umgehen zu können, bedarf es einer gewissen Erfahrung, wenn man diese Informationen für die Therapiesteuerung verwenden möchte.
Einsatz bei bestimmten Altersgruppen
Bei Kleinkindern, Vorschulkindern oder jungen Schulkindern liegt ein entscheidender Vorteil der kontinuierlichen Glukosemessung in der Erkennung von Hypoglykämien. Insbesondere Kleinkinder, die Hypoglykämiesymptome nicht ausreichend benennen können, können von dieser Technologie profitieren.
Bei älteren Schulkindern und Jugendlichen kann die CGM dazu dienen, starke Blutzuckerschwankungen sichtbar zu machen, um entsprechend darauf reagieren zu können und eine schlechte oder unbefriedigende Stoffwechsellage zu verbessern.
Perspektiven
Das vom G-BA angestoßene Bewertungsverfahren ist derzeit noch offen. Es bleibt zu hoffen, dass die Erstattungsfähigkeit zumindest für bestimmte Altersgruppen oder für bestimmte Situationen anerkannt wird. Kurzfristig wäre damit für viele Betroffene und ihre Familien eine Erleichterung geschaffen und eine Perspektive im Umgang mit ihrem Diabetes aufgezeigt.
Mittel- und langfristig ist CGM ein wichtiger Baustein für die Fortentwicklung eines geschlossenen Systems (closed loop), das in seiner Funktion einer künstlichen Bauchspeicheldrüse entspricht und Blutzuckermessung sowie Insulinabgabe eigenständig steuert.
Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) kann Kindern und Jugendlichen helfen, Hypoglykämien zu erkennen und eine bessere Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) prüft derzeit Nutzen, Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit. Die AGPD hat sich beim G-BA mit einer Stellungnahme für die CGM eingesetzt und hofft, dass die Erstattungsfähigkeit der CGM zumindest für bestimmte Altersgruppen und Situationen anerkannt wird.
von Prof. Dr. Andreas Neu
Universitätsklinikum Tübingen, für den Vorstand der AGPD
Kontakt:
E-Mail: andreas.neu@med.uni-tuebingen.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 6 (2) Seite 18-19
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moira postete ein Update vor 2 Tagen, 10 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
