DAS LEBEN IM ZENTRUM FÜR JUGENDLICHE DIABETIKER LÜDENSCHEID – TEIL #6

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DAS LEBEN IM ZENTRUM FÜR JUGENDLICHE DIABETIKER LÜDENSCHEID – TEIL #6

In den letzten Beiträgen dieser Kolumne habe ich viel von dem Leben in Zentrum erzählt – quasi über alles, was sich dort abspielt, während man dort lebt. Die meisten, die ins Zentrum für jugendliche Diabetiker ziehen, sind minderjährig und wohnen deshalb zunächst immer in einer Wohngruppe. So kann man sich eingewöhnen, sich mit Betreuern, Regeln und neuem Umfeld vertraut machen und langsam einleben.

Auf eigenen Beinen stehen

Irgendwann wird es aber Zeit, mehr und mehr auf eigenen Beinen zu stehen. Auch das passiert im Zentrum schrittweise – solange der Bewohner das auch selbst will. Viele Bewohner verlassen das Zentrum direkt von der Wohngruppe aus und gehen zurück nach Hause oder ziehen selbstständig in eine eigene Wohnung. Letzteres kann aber auch unter der Betreuung des Zentrums passieren.

So bin auch ich nach 2,5 Jahren aus der Wohngruppe in eine eigene Wohnung gezogen und habe dort die letzten 1,5 Jahre meiner Zeit im Zentrum für jugendliche Diabetiker verbracht. Die Möglichkeit, selbstständig in einer eigenen Wohnung zu wohnen, muss man sich „erarbeiten“ und sich, den Betreuern und dem Jugendamt beweisen, dass man fähig ist, selbstständig zu leben. Das bedeutet vor allem, dass man beweisen muss, in der Lage zu sein, seine Mahlzeiten planen und dafür einkaufen zu können, pünktlich und zuverlässig zu sein und sich an Absprachen zu halten.

Dann stehen Farben, Böden und Möbel auf der Kauf- und Wunschliste

Schafft man es, diesen Willen in der Wohngruppe zu zeigen und fühlt sich selbst bereit für eine eigene Wohnung, steht der Wohnungssuche nach dem „Okay“ des Jugendamts (falls es der Kostenträger ist) nichts mehr im Weg. Denn auch das gehört zum „Abnabeln“ dazu: eine Wohnung zu finden. Natürlich unterstützen die Betreuer, wo sie können – sie vereinbaren Besichtigungstermine, führen Gespräche mit den Vermietern und schauen sich die Wohnung auch selbst mit an.

Fotolia. com - Maksym-Yemelyanov
Fotolia. com – Maksym-Yemelyanov

Dann heißt es: Farben und Böden aussuchen, eventuell Möbel kaufen oder sich am riesigen Fundus des Zentrums bedienen. Die Kosten dafür werden meistens durch das Erstausstattungsgeld beglichen. Bisher musste aber auch noch niemand auf dem nackten Boden schlafen 😉 Schließlich wollte natürlich auch die Liste der Grundausstattung abgearbeitet werden: Töpfe, Pfannen, Messer, Bettwäsche und Handtücher sah ich ja noch ein…aber Vorhänge, Pflanzen und Deko? Nun gut, ich ließ mich überreden und so starb eine kleine Yuccapalme die nächsten 1,5 Jahre jämmerlich vor sich hin – während Caro, meine Partnerin, sich damals bei dem ersten Blick in meine Wohnung innerlich verkrampfte… Ein einzelnes Windlicht in der Ecke stellte ihr weibliches Bedürfnis nach „liebevollen Elementen“ merkwürdigerweise nicht zufrieden. Mittlerweile sind in unsere gemeinsame Wohnung übrigens dutzende Dekogläser, Teelichter, Bilderrahmen und (Kunst)Pflanzen eingezogen – den grünen Daumen haben wir nämlich beide nicht geerbt.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Zurück zum Leben in der eigenen Wohnung: Hat man sich nach dem Auszug einigermaßen zurechtgefunden, stehen natürlich dennoch Pflichten an. Hin und wieder wurden meine Blutzuckerwerte angefragt – Hatte ich gemessen? Waren die Werte okay?

Wie auch in der Wohngruppe ist es auch in einer eigenen Wohnung üblich, von einem Bezugsbetreuer betreut zu werden. Dafür sind ambulante Termine Pflicht. Im Klartext heißt das: Hin und wieder gab es kurze Besuche, um zu schauen, ob man bereits in knietiefen Müllbergen haust und von den Flusen unter dem Kühlschrank lebt oder ob man wirklich zurechtkommt. Grade in der Anfangszeit wird das gemeinsame Einkaufen mit dem Betreuer immer wieder gerne angeboten. Während der Termine (in der Regel 2 Mal die Woche) werden wichtige Dinge besprochen. Dazu gehören natürlich die Blutzuckereinstellung, das Zurechtkommen in der Wohnung und in der Schule, anstehende Termine in der Diabetespraxis oder mit dem Jugendamt und generell alles, was irgendwie Anlass zu Gesprächen gab.

24-Stunden-Service

Zu den Aufgaben der Betreuer gehört es auch, 24 Stunden am Tag erreichbar zu sein. Grade, wenn man krank wird, ist der Bezugsbetreuer immer schnell zur Stelle und bringt Medikamente vorbei oder erledigt die Einkäufe – denn manchmal hält einen der simpelste Infekt ans Bett gefesselt.

Auch bei einer drohenden Ketoazidose ist der Betreuer immer in Bereitschaft. Meine letzte Ketoazidose „durfte“ ich während meiner Zeit in der eigenen Wohnung durchmachen. Als langjähriger Diabetiker merkt man schnell, wenn etwas nicht stimmt. Ein über Nacht abgeknickter Katheter bescherte mir am nächsten Morgen schwindelerregend hohe Blutzuckerwerte und natürlich Ketone. Meine Bezugsbetreuerin und ich blieben im permanenten Kontakt – bis ich selbst zugeben musste, dass ich es allein nicht schaffen würde. Und so blieb mir auch der Krankenwagen erspart – das „Betreuertaxi“ stand innerhalb weniger Minuten vor meiner Haustür und meine Betreuerin und ich fuhren ins nächstgelegene Krankenhaus.

Der Kontakt bleibt bestehen

Ihr seht: Auch wenn man alleine wohnt – eigentlich ist man immer im Kontakt mit dem Zentrum. Die Betreuer können ihre Schützlinge schnell einsortieren und wissen deshalb auch schnell, wenn etwas nicht zu stimmen scheint. Regelmäßiger Kontakt wird großgeschrieben und sehr ernst genommen – davon profitieren Betreuer wie Bewohner (auch wenn man das als junger Mensch auf dem Weg zur Selbstständigkeit nicht immer gern so sieht 😉 ).

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  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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