Diabetes-Therapie wird immer digitaler: dt-report-Ergebnisse mit Fokus auf Kinder und Jugendliche

3 Minuten

Diabetes-Therapie wird immer digitaler: Ergebnisse des dt-report mit Fokus auf Kinder und Jugendliche – Foto: Mediaphotos – stock.adobe.com
Foto: Mediaphotos – stock.adobe.com
Diabetes-Therapie wird immer digitaler: dt-report-Ergebnisse mit Fokus auf Kinder und Jugendliche

Bei der Behandlung des Diabetes wird der Einsatz technologischer und digitaler Tools immer bedeutsamer. Wie denken Experten darüber, wie Menschen mit Diabetes? Darüber gibt der dt-report 2025 Auskunft. Eine besondere Gruppe dabei sind Kinder und Jugendliche mit Diabetes sowie deren Eltern.

Diabetes und Digitalisierung: Dieses Thema begegnet jedem, der Diabetes hat, inzwischen an vielen Stellen. Vor allem für Menschen mit Typ-1-Diabetes und damit auch Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes gehört die Digitalisierung inzwischen selbstverständlich zur Therapie dazu. Diejenigen, die heute an Diabetes erkranken, kennen hierzulande wahrscheinlich gar keine Therapie mehr ohne digitale Hilfsmittel.

Neue Erkenntnisse zur Bedeutung digitaler und technologischer Tools in der Diabetes-Therapie

Wie aber steht es um die Versorgung damit, wie um die Einstellung dazu? Jedes Jahr Ende Januar werden dazu neue Erkenntnisse präsentiert, beim Ärzte-Kongress diatec in Berlin. Grundlage dieser Ergebnisse ist eine Befragung durch das diateam aus Bad Mergentheim, die in der zweiten Hälfte des Vorjahres online erfolgt. Teilnehmen an der Befragung zum Digitalisierungs- und Technologie-Report Diabetes (dt-report) können diabetologisch ausgerichtete Ärztinnen und Ärzte, andere Diabetes-Fachkräfte und Menschen mit Diabetes bzw. Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes.

Der gesamte dt-report 2025 ist zu finden unter www.dt-report.de.

Für den dt-report 2025 nahmen 2.515 Menschen mit Diabetes an der Befragung teil, davon waren 6 Prozent Eltern von Kindern mit Diabetes. Die Kinder lebten seit im Mittel 4,1 Jahren mit Diabetes. Die Eltern gaben zu 94 Prozent eine positive Einstellung gegenüber der Digitalisierung an.

Fast alle im dt-report erfassten Kinder und Jugendliche mit Diabetes nutzen AID-Systeme

Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme) werden nach Information der medizinischen Fachkräfte von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes in Deutschland in 93 Prozent der Fälle genutzt, Österreich folgt mit 92 Prozent direkt darauf, in der Schweiz sind es 88 Prozent. Sieht man sich nur für ein System zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) an, für wie viel Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes die Medizinerinnen und Mediziner eine Indikation sehen, liegen die Zahlen noch höher: in Deutschland und Österreich bei 97 Prozent, in der Schweiz bei 95 Prozent.

Fragt man die Eltern, warum sie sich für ihr Kind für ein bestimmtes CGM-System entschieden haben, steht an erster Stelle die Kombinierbarkeit mit einem AID-System. Erst danach folgen Messgenauigkeit, Größe, Tragedauer, Warnung vor Unterzuckerungen und die ärztliche Empfehlung, vor weiteren Gründen mit deutlich weniger Nennungen.

Autonomie steigt mit AID-System – aber auch der Bedarf an Schulungen

Was bewirken AID-Systeme im Alltag? Hier werden in der Auswertung die Antworten aller Befragten aus Deutschland gemeinsam ausgewertet, also Eltern von Kindern mit Diabetes, Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes und Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes.

Das Entscheidende, was Betroffene sehen, ist die größere Autonomie durch AID-Systeme. Allerdings sehen sie auch einen erhöhten Aufwand in der Schulung. Dass die Therapie damit riskanter wird, denken nur 10 Prozent. Und Diabetes-Teams müssen sich um ihre Daseins-Berechtigung keine Gedanken machen: Dass sie überflüssig werden, finden nur 4 Prozent.

Licht und Schatten: technische Probleme, aber prinzipiell großes Vertrauen in neue Systeme

Wo Licht ist, kann auch Schatten sein. So gehören technische Probleme wie Verbindungsprobleme zu den größten Herausforderungen bei AID-Systemen. Das nennen etwas mehr als 50 Prozent aller Befragten in Deutschland. Auch die Alarme schlagen mit knapp 30 Prozent zu Buche, ebenso unerfüllte Erwartungen. Das Vertrauen in die Systeme ist hingegen groß, die Unterstützung durch das Diabetes-Team gut. Manch einer hat allerdings Probleme, die Kontrolle an das AID-System abzugeben.

Auch die Diabetes-Schulung entwickelt sich weiter und die Corona-Pandemie hat einen großen Schritt in Richtung der Online-Video-Schulung gebracht. Eltern würden diese Form mit 52 Prozent leicht bevorzugen gegenüber der Schulung in Präsenz mit 48 Prozent.

Belastungen durch digitale und technologische Diabetes-Therapie kommen und gehen

Dass Diabetes-Technologien Diabetes-bezogene Belastungen reduzieren können, davon sind 77 Prozent der Eltern von Kindern mit Diabetes in Deutschland überzeugt. Allerdings sieht etwa ein Drittel (37 Prozent) dadurch auch neue Belastungen auf die Familie zukommen. Hierbei spielen mit 70 Prozent vor allem technische Probleme eine Rolle. Auch ein Gefühl der Abhängigkeit von der Technik stellt sich bei etwa 45 Prozent ein. Unerfüllte Erwartungen und die vermehrte Beschäftigung mit dem Diabetes werden an Position 3 und 4 von etwa 35 bzw. 20 Prozent genannt.


von Dr. Katrin Kraatz

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (3) Seite 44-45

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen

Mit dem Insulinpen sein Insulin zu spritzen, klingt zunächst erst einmal einfach. Aber es gibt ein paar Dinge zu beachten, damit die Therapie gut funktioniert. Diabetesberaterin Regine Werk erklärt, worauf es ankommt.
Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen | Foto: Goffkein - stock.adobe.com

3 Minuten

Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause

Der Februar ist da – und mit ihm die Zeit, in der viele Menschen mit einer gewissen Skepsis auf ihre individuellen Neujahrs-Vorsätze schauen. Hält die Motivation noch oder hat sich der Alltag mit seinen kleinen Versuchungen wieder durchgesetzt – insbesondere bezüglich der nun anstehenden Faschingszeit? Gerade für Menschen mit Diabetes sind gute Vorsätze ein zentraler Baustein ihrer Therapie.
Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause | Foto: Petra Fischer – stock.adobe.com

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Huhu, ich bin Marina und 23 Jahre alt, studiere in Marburg, habe schon etwas länger Typ 1 Diabetes und würde mich total über persönlichen Austausch mit anderen jungen Menschen/Studis… freuen, vielleicht auch mal ein Treffen organisieren oder so 🙂 Schreibt mir gerne, wenn ihr auch Lust habt!

  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • suzana antwortete vor 2 Tagen

      Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

Verbände