Doch kein Risiko durch Kuhmilch?

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Doch kein Risiko durch Kuhmilch?

Seit langem diskutieren Experten darüber: Kann man Typ-1-Diabetes durch eine kuhmilchfreie Säuglingsernährung verhindern? Die TRIGR-Studie soll diese Frage beantworten. Erste Zwischenergebnisse wurden auf der Jahrestagung der Amerikanischen Diabetesgesellschaft präsentiert.

Viele Faktoren kommen zusammen

Hinter jeder Manifestation eines Typ-1-Diabetes steckt ein längerer Entstehungsprozess, der von verschiedenen Faktoren abhängt. Grundlage ist die vererbte Krankheitsempfänglichkeit, die durch sogenannte diabetesspezifische HLA-Gruppen im Blut nachgewiesen werden kann.

Da diese bei 90 Prozent der Menschen mit Typ-1-Diabetes vorhanden sind, wird deutlich: Menschen, die Verwandte ersten Grades mit einem Typ-1-Diabetes haben, haben ein höheres Erkrankungsrisiko als Menschen ohne familiäre Belastung. Die Höhe der individuellen Krankheitsempfänglichkeit hängt davon ab, welches Familienmitglied bereits erkrankt ist und in welchem Alter dessen Diagnose gestellt wurde (Tabelle unten).

Zum anderen ist der Entstehungsprozess durch verschiedene diabetesspezifische Autoantikörper charakterisiert. Sie treten lange vor den klassischen Diabetessymptomen, wie großer Durst und vermehrtes Wasserlassen, auf und sind ein Beweis dafür, dass eine Reduktion der insulinproduzierenden Betazellen in Gang gesetzt wurde. Sind 90 Prozent dieser Betazellen nicht mehr aktiv, tritt das klinische Bild des Typ-1-Diabetes in Erscheinung.

Diabetes fängt früh im Leben an

Eine Untersuchung von Kindern, die Verwandte ersten Grades mit Typ-1-Diabetes haben, zeigte, dass bereits im Alter von neun Monaten erste Inselautoantikörper auftreten können, ohne dass damit ein unmittelbares Auftreten von Diabetessymptomen verbunden ist. Bereits nachgewiesene Antikörper können über viele Jahre bestehen bleiben, aber auch wieder verschwinden. Nur ca. zehn Prozent der Personen mit erhöhtem Vererbungsrisiko erkranken an einem Typ-1-Diabetes.

Das frühe Auftreten von ersten Antikörpern im Kleinkindalter lässt wiederum vermuten, dass bereits im frühen Säuglingsalter bestimmte Faktoren eine Inselzellentzündung und die resultierende Antikörperbildung auslösen und damit einen Diabetes schon im frühen Kindesalter verursachen können.

Auslöser der Antikörperbildung unbekannt

Mögliche Ursachen, wie Virusinfektionen, schwangerschaftsbedingte Faktoren, verschiedene Nahrungsbestandteile und auch der Sozialstatus der Eltern wurden im Zusammenspiel mit den entsprechenden genetischen Faktoren diskutiert, konnten aber nicht in jedem Fall und für jede Region der Welt nachgewiesen werden. Dagegen zeigten vereinzelte kleine Studien zur Säuglingsernährung, dass eine frühe Belastung mit Fremdeiweißen, z. B. Kuhmilcheiweiß, ein erhöhtes Risiko für entsprechend veranlagte Personen darstellt.

Weltweite Studie

Daraufhin wird seit 2002 mit der TRIGR-Studie untersucht, inwieweit eine frühe Belastung mit Kuhmilcheiweiß bei Kindern mit hohem genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes dazu beiträgt, dass die Erkrankung tatsächlich entsteht. TRIGR steht übrigens für Trial to Reduce IDDM in the Genetically at Risk, deutsch: Studie zur Verringerung des insulinpflichtigen Diabetes bei Neugeborenen mit hohem genetischen Risiko.

Die Studie wird weltweit in 17 Ländern durchgeführt und für Deutschland vom Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche am Kinder- und Jugendkrankenhaus in Hannover geleitet. Ziel der bis 2017 geplanten Studie ist es, die Erkrankungsrate bei Kindern mit hohem Diabetesrisiko möglichst zu reduzieren, indem Kuhmilchprodukte in den ersten sechs bis acht Lebensmonaten aus- oder weggelassen werden.

Studienmilch, wenn Stillen nicht mehr geht

Schwerpunkt der Studie war, möglichst lange und ausschließlich zu stillen, aber spätestens im siebten und achten Monat über zwei Monate eine Studienmilch zu füttern. In dieser waren die Kuhmilcheiweiße entweder fast vollständig (Interventionsgruppe) oder nur zu 20 Prozent (Kontrollgruppe) aufgespalten. Von Beginn bis Ende der Studie werden die Kinder einmal jährlich ärztlich untersucht und bekommen Blut abgenommen, unter anderem, um den HbA1c-Wert und die Antikörper zu bestimmen.

Insgesamt konnten 2 159 Neugeborene, davon 112 aus Deutschland, aus Familien, deren Vater, Mutter oder Geschwisterkind an einem Typ-1-Diabetes erkrankt sind, in die Studie eingeschlossen werden. Die zuerst Geborenen sind inzwischen zwölf und die Jüngsten sieben Jahre alt.

Mit oder ohne Kuhmilch: kein Unterschied

Nachdem die Daten bis zum sechsten Lebensjahr vollständig vorlagen, wurde eine erste Analyse zum Zusammenhang zwischen der Kuhmilcheiweißgabe und dem Auftreten von diabetesspezifischen Antikörpern durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen keinen Unterschied im Auftreten von Inselzellautoantikörpern zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe. Somit ist es nach heutigem Wissensstand nicht möglich, durch eine kuhmilcheiweißfreie Säuglingsernährung das Auftreten von diabetesspezifischen Antikörpern bis zum Ende des sechsten Lebensjahres zu reduzieren.

Unter den 112 deutschen Studienteilnehmern wurde bei 5,4 Prozent, egal ob aus der Interventions- oder Kontrollgruppe, bereits im 18. Lebensmonat mindestens ein diabetesspezifischer Antikörper nachgewiesen (Abb. ). Von jenen Kindern, die aktuell Antikörper im Blut aufweisen, hatten drei Prozent erst im Alter von sechs Jahren einen positiven Inselzellantikörper. Erfreulicherweise haben 53 Prozent der Teilnehmer bislang noch keinen diabetesspezifischen Antikörper entwickelt.

Effekt auf Diabetesentstehung noch ungeklärt

Die Frage, ob das klinische Auftreten eines Typ-1-Diabetes durch eine kuhmilcheiweißfreie Ernährung herausgezögert werden kann, kann erst nach 2017 beantwortet werden, nachdem alle Kinder das zehnte Lebensjahr erreicht haben. Auch erst dann wird die TRIGR-Studie eine endgültige Antwort darauf haben, ob eine Veränderung der frühen Säuglingsernährung das Risiko, einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln, senken und so die Erkrankungsrate reduzieren kann.

Schon jetzt möchten wir uns auf diesem Wege bei allen Kindern und Eltern der TRIGR-Studie und auch bei den betreuenden Kinderärzten und Diabetologen für deren Mitarbeit und Unterstützung recht herzlich bedanken.


von Dr. Bärbel Aschemeier, Hannover
Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche “Auf der Bult”, Hannover, Bereich Klinische Forschung

Kontakt:
E-Mail: aschemeier@hka.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2014; 7 (3) Seite x-x

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • calvin240 antwortete vor 1 Woche

      @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Monat

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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