Ein Knick im Pumpenkatheter

2 Minuten

Community-Beitrag
Ein Knick im Pumpenkatheter

Lesen Sie, warum Lucas erste Schulhaus-Übernachtung im Desaster endete und welches Fazit Lucas Eltern daraus ziehen.

Luca freute sich riesig auf seine erste Schulhaus-Übernachtung als Gymnasiast. Dass er zuvor mit seinem Fußballverein ein Punktspiel bestreiten durfte, machte den Traumtag perfekt. Die Ernüchterung folgte am nächsten Morgen. Lucas Gesichtsfarbe war fahl als wir ihn am späten Samstagvormittag abholten, seine Laune gedämpft. “Die Übernachtung war super, aber jetzt ist mir irgendwie schlecht”, klagte er als wir daheim ankamen. Sprach‘s und übergab sich. Einmal, zweimal, dreimal. Wir kontrollierten Lucas Blutzucker: 289 mg/dl (16 mmol/l).

Fragerunde unter Schmerzen

Auf die erste Korrektur folgte die obligatorische Fragerunde: Seit wann fühlst du dich schlecht? Was hast du am Abend gegessen? Gab es Süßes? Luca übergab sich weiter, weinte und krümmte sich vor Schmerzen.

Unser Verdacht bestätigte sich

Weil er kaum Antworten geben konnte, gingen wir die Werte in seiner Insulinpumpe durch: “HOCH”! Dieser zweimalige Display-Hinweis auf Lucas Blutzuckerwerte am späten Freitagabend genügten, um zu wissen, was los war: Ketoazidose! Wir kontrollierten weiter Lucas Blutzucker, der sich im Schnitt bei etwa 300 mg/dl (16,7 mmol/l) einpendelte. Wir gaben über seine Insulinpumpe weiter Korrekturinsulin ab und überprüften den Katheter der Pumpe. Der geknickte Schlauch und ein getrockneter kleiner Blutfleck auf Lucas Haut bestätigten den Verdacht: Die Insulinzufuhr war unterbrochen. Die Insulinkorrektur ging demzufolge ins Leere. Unter großem Protest unseres Sohnes wechselten wir die Pumpe und forderten ihn auf, viel zu trinken. Allein das half nicht mehr: Luca konnte nichts mehr trinken, stattdessen übergab er sich. Wir fuhren in die Notaufnahme der Kinderklinik. Um den großen Flüssigkeitsverlust auszugleichen, wurden sofort Infusionen gelegt, zudem Lucas Herz-Kreislauf-System überprüft. Unser Sohn übergab sich weiter, ehe sich sein Gesundheitszustand im Laufe des Abends und der Nacht etwas besserte. Stündlich überprüften wir den Blutzuckerspiegel, der langsam aber stetig sank.

Lucas Insulinkorrekturen liefen ins Leere

Da eine Ketoazidose durch einen langanhaltenden absoluten Insulinmangel verursacht wird, war jetzt klar: die Insulinzufuhr an Lucas Pumpe wurde bereits am Abend – womöglich beim Fußballspielen – gekappt. Die Insulinkorrekturen, die unser Sohn vornahm, konnten also überhaupt keine Besserung herbeiführen. Bis zum Sonntagmorgen stabilisierte sich Lucas Gesundheitszustand weiter, zur genauen Überprüfung musste er jedoch weitere drei Tage im Klinikum bleiben.

Betroffenen und Angehörigen muss klar sein: Eine Ketoazidose, die sich klinisch beispielsweise durch Symptome wie Erbrechen, Durst und Schwäche und im weiteren Verlauf durch den Verlust des Bewusstseins äußert, kann lebensbedrohlich sein. Unserem Sohn haben wir das klargemacht. Er hätte uns am Abend anrufen müssen oder während seiner Schulhaus-Party selbstständig die Insulinpumpe überprüfen und sofort wechseln müssen.

Meine Frau und ich werfen uns vor, dass wir nicht sofort nach Lucas Heimkehr die Pumpe überprüft haben. Seither machen wir das täglich. Die kleinen Insulinspritzen DailyDose zählen ebenfalls wieder zum Notfallset, denn mit einem technischen Problem bei der Insulinpumpe sollte man immer rechnen. Und wir halten uns an das Prinzip: Bei hohen Werten nur eine Korrektur mit der Pumpe, wenn das keinen Erfolg bringt, dann mit Spritze oder Pen korrigieren.

Diskutieren Sie mit!

Im Kommentarbereich unterhalb der Kolumne können Sie das Gelesene kommentieren, eigene Erfahrungen schildern, mitreden …


von Michael Denkinger
Michael Denkinger (43) lebt mit seiner Familie nahe Memmingen und hat drei Kinder: Luca (11 Jahre), Angelina (13) und Timo (6). Er ist Inhaber der PR-Agentur Denkinger Kommunikation.

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2014; 7 (3) Seite 34

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Druckfrisch: Das sind die Themen im Diabetes-Anker 7/2026
Im Diabetes-Anker-Magazin 7/2026 geht es u.a. um Ursachen von Hyper- und Hypoglykämien und wie zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte vermieden bzw. behandelt werden, um weitere Autoimmunkrankheiten, die neben einem Typ-1-Diabetes auftreten können sowie ums Essen unterwegs und auf Reisen.
Druckfrisch: Das sind die Themen im Diabetes-Anker 7/2026 | Foto: Jennifer Sanchez / Medtrix

4 Minuten

Kolumne „Fernweh“: „Mora mora!“
Madagaskar lehrt „Mora mora“: In ihrer Kolumne „Fernweh“ berichtet Susanne vom Besuch in Kinderheim und Schule, von herzlichen Begegnungen. Und davon, wie sie trotz CGM-Ausfällen, Diabetes-Frust und tropischer Hitze wieder Vertrauen in sich findet.
Kolumne „Fernweh“: „Mora mora!“ | Foto: aprint22com – stock.adobe.com

2 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 22 Stunden, 1 Minute

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 1 von 1 )
    100%
    ( 0 von 1 )
    0%
    ( 0 von 1 )
    0%
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

Verbände