Ein Knick im Pumpenkatheter

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Ein Knick im Pumpenkatheter

Lesen Sie, warum Lucas erste Schulhaus-Übernachtung im Desaster endete und welches Fazit Lucas Eltern daraus ziehen.

Luca freute sich riesig auf seine erste Schulhaus-Übernachtung als Gymnasiast. Dass er zuvor mit seinem Fußballverein ein Punktspiel bestreiten durfte, machte den Traumtag perfekt. Die Ernüchterung folgte am nächsten Morgen. Lucas Gesichtsfarbe war fahl als wir ihn am späten Samstagvormittag abholten, seine Laune gedämpft. “Die Übernachtung war super, aber jetzt ist mir irgendwie schlecht”, klagte er als wir daheim ankamen. Sprach‘s und übergab sich. Einmal, zweimal, dreimal. Wir kontrollierten Lucas Blutzucker: 289 mg/dl (16 mmol/l).

Fragerunde unter Schmerzen

Auf die erste Korrektur folgte die obligatorische Fragerunde: Seit wann fühlst du dich schlecht? Was hast du am Abend gegessen? Gab es Süßes? Luca übergab sich weiter, weinte und krümmte sich vor Schmerzen.

Unser Verdacht bestätigte sich

Weil er kaum Antworten geben konnte, gingen wir die Werte in seiner Insulinpumpe durch: “HOCH”! Dieser zweimalige Display-Hinweis auf Lucas Blutzuckerwerte am späten Freitagabend genügten, um zu wissen, was los war: Ketoazidose! Wir kontrollierten weiter Lucas Blutzucker, der sich im Schnitt bei etwa 300 mg/dl (16,7 mmol/l) einpendelte. Wir gaben über seine Insulinpumpe weiter Korrekturinsulin ab und überprüften den Katheter der Pumpe. Der geknickte Schlauch und ein getrockneter kleiner Blutfleck auf Lucas Haut bestätigten den Verdacht: Die Insulinzufuhr war unterbrochen. Die Insulinkorrektur ging demzufolge ins Leere. Unter großem Protest unseres Sohnes wechselten wir die Pumpe und forderten ihn auf, viel zu trinken. Allein das half nicht mehr: Luca konnte nichts mehr trinken, stattdessen übergab er sich. Wir fuhren in die Notaufnahme der Kinderklinik. Um den großen Flüssigkeitsverlust auszugleichen, wurden sofort Infusionen gelegt, zudem Lucas Herz-Kreislauf-System überprüft. Unser Sohn übergab sich weiter, ehe sich sein Gesundheitszustand im Laufe des Abends und der Nacht etwas besserte. Stündlich überprüften wir den Blutzuckerspiegel, der langsam aber stetig sank.

Lucas Insulinkorrekturen liefen ins Leere

Da eine Ketoazidose durch einen langanhaltenden absoluten Insulinmangel verursacht wird, war jetzt klar: die Insulinzufuhr an Lucas Pumpe wurde bereits am Abend – womöglich beim Fußballspielen – gekappt. Die Insulinkorrekturen, die unser Sohn vornahm, konnten also überhaupt keine Besserung herbeiführen. Bis zum Sonntagmorgen stabilisierte sich Lucas Gesundheitszustand weiter, zur genauen Überprüfung musste er jedoch weitere drei Tage im Klinikum bleiben.

Betroffenen und Angehörigen muss klar sein: Eine Ketoazidose, die sich klinisch beispielsweise durch Symptome wie Erbrechen, Durst und Schwäche und im weiteren Verlauf durch den Verlust des Bewusstseins äußert, kann lebensbedrohlich sein. Unserem Sohn haben wir das klargemacht. Er hätte uns am Abend anrufen müssen oder während seiner Schulhaus-Party selbstständig die Insulinpumpe überprüfen und sofort wechseln müssen.

Meine Frau und ich werfen uns vor, dass wir nicht sofort nach Lucas Heimkehr die Pumpe überprüft haben. Seither machen wir das täglich. Die kleinen Insulinspritzen DailyDose zählen ebenfalls wieder zum Notfallset, denn mit einem technischen Problem bei der Insulinpumpe sollte man immer rechnen. Und wir halten uns an das Prinzip: Bei hohen Werten nur eine Korrektur mit der Pumpe, wenn das keinen Erfolg bringt, dann mit Spritze oder Pen korrigieren.

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von Michael Denkinger
Michael Denkinger (43) lebt mit seiner Familie nahe Memmingen und hat drei Kinder: Luca (11 Jahre), Angelina (13) und Timo (6). Er ist Inhaber der PR-Agentur Denkinger Kommunikation.

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2014; 7 (3) Seite 34

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 4 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
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