Kinder jetzt wieder impfen? Was empfiehlt die Kinderärztin?

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Kinder jetzt wieder impfen? Was empfiehlt die Kinderärztin?

Der Schutz unserer Kinder und Jugendlichen gegen schwere Infektionskrankheiten ist nicht nur den Kinderärzten ein wichtiges Anliegen. Insbesondere bei Krankheiten, bei denen es keine ursächliche Therapie gibt, ist das Vermeiden der Infektion ein wichtiges Ziel. Erfreulicherweise stehen gegen viele dieser schweren Infektionskrankheiten vorbeugende Schutzimpfungen zur Verfügung. Ihr Kinderarzt und auch Ihr Diabetologe ist ein guter Ansprechpartner, wenn es um die Frage nach notwendigen und sinnvollen Impfungen für Ihr Kind geht. Ihr Kinderarzt berät dazu regelmäßig bei den Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9 sowie J1. Des Weiteren gibt es in Deutschland ein Expertengremium, die Ständige Impfkommission (STIKO), die empfiehlt, welche Impfungen zu welchem Zeitpunkt bei wem sinnvoll sind. Diese Empfehlungen werden mindestens einmal im Jahr nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf den Prüfstand gestellt. Entsprechend wird der sogenannte Impfkalender (www.rki.de/impfen) regelmäßig aktualisiert.

Impfungen sollen vor schweren Erkrankungen schützen

Jede Impfung soll eine schwere Erkrankung verhüten. Wie groß der Nutzen ist, wie die Nebenwirkungen sind, wie lange der Impfschutz bestehen bleibt und welche Gründe gegen eine Impfung sprechen, das sind Fragen, die bei jeder Impfung unterschiedlich zu beantworten sind. Alle modernen Impfstoffe werden wie jedes Medikament vor der Zulassung gründlich getestet und geprüft. Sie sind gut verträglich und unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind selten. Auch ein Mensch mit Diabetes mellitus kann ohne Einschränkung mit den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen geimpft werden. Einen direkten Einfluss auf den Diabetes haben Impfstoffe nicht; manchmal kann es nach einer Impfung zu etwas schwankenderen Blutzuckerwerten kommen, wie Sie das vielleicht auch mal bei milden Infekten bei Ihrem Kind beobachten.

Grundsätzlich sollten Sie wissen, dass es nach der Injektion eines Impfstoffes etwa ein bis drei Wochen dauert, bis der Schutz ausreichend aufgebaut ist.

Bereits im Säuglings- und Kleinkindalter wird für alle Kinder der Aufbau eines Impfschutzes gegen Tetanus, Kinderlähmung (Poliomyelitis), Diphterie, Keuchhusten (Pertussis), Rotaviren, Hepatitis B, Pneumokokken, Meningokokken C, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken empfohlen. Im Alter von 9-14 Jahren ist es sinnvoll, alle Mädchen und Jungen gegen HPV (Humanes Paillom-Virus) zu impfen. Diese Impfserie sollte vor dem ersten Sexualkontakt abgeschlossen sein. Außerdem sollten Sie an die Auffrischimpfungen von Tetanus, Keuchhusten und Diphterie nach 5 und 10 Jahren sowie von Kinderlähmung nach 10 Jahren denken.

Empfohlene Impfungen für Kinder mit Typ-1-Diabetes

Bei Menschen mit Diabetes mellitus kann ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Grippeviren bestehen. Deshalb ist einmal jährlich die Impfung gegen die Virusgrippe (Influenza) empfehlenswert. Diese Erkrankung kann bei Menschen mit Diabetes besonders gefährlich werden, da es während einer Infektion zu einem schwereren Krankheitsverlauf und zu schweren Stoffwechselentgleisungen kommen kann. Der saisonale Impfstoff, der regelmäßig an die sich ständig verändernden Grippeviren angepasst wird, steht meist etwa ab September zur Verfügung. Sie sollten rechtzeitig vor Beginn der Grippesaison im Herbst einen Termin zur Impfung bei Ihrem Haus- oder Kinderarzt vereinbaren.Für die kommende Grippesaison befürchten einige Experten nach der Coronapandemie eine besonders hohe Zahl an Grippeinfektionen. Deswegen sollten Sie in diesem Jahr unbedingt eine rechtzeitige Schutzimpfung gegen Grippe planen. Auch angesichts der weiterhin grassierenden Coronaviren sollten Sie auf einen ausreichenden Impfschutz gegen die Covid 19-Infektion für Ihr Kind mit Diabetes mellitus achten. Die Corona-Impfung ist ab dem 5. Lebensjahr zugelassen und wird allen ab diesem Alter mindestens einmal empfohlen. Bei Erwachsenen mit Diabetes mellitus besteht ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid 19-Infektion. Dieses Risiko ist auch bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes nicht auszuschließen. Deshalb rät die STIKO Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus zu einer Covid 19-Impfung, wenn der Diabetes nicht gut eingestellt ist beziehungsweise wenn der HbA1cWert > 9,0 % ist. Diese Kinder sollen eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen sowie eine Auffrischimpfung erhalten. Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfiehlt die STIKO eine Auffrischimpfung in einem Zeitfenster von 3 bis 6 Monaten nach der abgeschlossenen Grundimmunisierung.

Diese Impfempfehlung wurde vorsorglich ausgesprochen. Weil ein erneuter Anstieg von Covid 19-Infektionen im kommenden Herbst bzw. Winter zu erwarten ist, können sich die Empfehlungen kurzfristig ändern. Auch kann es sein, dass es im Verlauf einen an die sich aktuell verbreitenden Virusvarianten angepassten Impfstoff geben wird. Sprechen Sie beim nächsten Arztbesuch mit Ihrem Kinderarzt oder Diabetologen, der kann Sie sicherlich über die aktuell sinnvollen Maßnahmen informieren.

Die Kosten für alle genannten Impfungen, die von der STIKO empfohlen werden, übernimmt die Krankenkasse.|

Empfehlungen

Autorin:

Dr. Kerstin Kapitzke
Oberärztin
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin “Auf der Bult”
Janusz-Korczak-Allee 12
30173 Hannover

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  • uho1 postete ein Update vor 12 Minuten

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

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