- Eltern und Kind
Konsequenz in der Kindererziehung – geht es nicht auch ohne?
5 Minuten
Eltern stehen oft vor der Frage: Muss ich immer konsequent sein? Ein Selbstversuch zeigt – Regeln geben Kindern Halt, fördern Selbstverantwortung und entlasten den Familienalltag. Doch auch Ausnahmen dürfen ihren Platz haben.
Die Frage in der Überschrift habe ich mich als Mutter tatsächlich selber schon häufig gefragt. Wäre der Alltag mit den Kindern nicht viel entspannter, wenn ich einfach öfter nachgeben würde? Sagen würde “na gut, dann machen wir es halt anders”? In einem kleinen Experiment habe ich das einmal ausprobiert und mir vorgenommen, einen Tag lang gar nicht konsequent zu sein … ich habe es keine paar Stunden durchgehalten. Ich konnte nicht damit leben, dass meine Kinder sich nicht die Zähne putzen, Medikamente nicht nehmen, Verabredungen nicht einhalten oder während der Schulzeit nach Mitternacht ins Bett gehen usw.
Viele Regeln, die wir als Eltern aufstellen und umsetzen möchten, haben mit unserer Verantwortung gegenüber unseren Kindern zu tun. Je nach Alter und kognitiven Fähigkeiten der Kinder gibt es Dinge, die wir durchsetzen möchten, um unsere Kinder vor Gefahren zu schützen und eine gesunde Entwicklung sicher zu stellen: Anschnallen im Auto, Konflikte mit Worten lösen, gesund ernähren…
Erklärungen, Diskussionen, Gespräche reichen nicht immer aus
Häufig reicht es gerade bei Klein- oder Grundschulkindern nicht aus, ihnen eine gute Erklärung zu liefern, um sie dazu zu bringen, etwas zu tun. Sie können entwicklungsbedingt noch nicht nachvollziehen, welche Folgen es in der fernen Zukunft haben kann, wenn sie sich die Zähne nicht putzen. Erklärungen, Diskussionen, Gespräche sind natürlich dennoch wichtig und richtig.
Sie reichen nur nicht immer aus, um Regeln konsequent durchzusetzen. Im Erziehungsalltag gibt es häufig Situationen, in denen Eltern ihre Kinder auffordern etwas zu tun oder zu lassen (Hände waschen, Hausaufgaben machen, das Handy ausschalten,… ). Jedes Mal gibt es zwei mögliche Ausgänge: Die Kinder tun, um was sie gebeten worden sind, oder sie tun es eben nicht. Ist letzteres der Fall, müssen Eltern entscheiden, wie sie darauf reagieren.
Eltern von chronisch kranken Kindern haben zusätzlich die Aufgabe, die Umsetzung der therapeutischen Maßnahmen durchzusetzen. Das bedeutet, dass sie noch häufiger als Eltern gesunder Kinder Grenzen setzen und Regeln aufstellen und deren Einhaltung einfordern müssen. Auch hier gilt, dass es oft nicht ausreicht, Kindern eine gute Erklärung zu vermitteln. Es kann vermehrt zu Konflikten kommen, die wiederum zu einer erhöhten Belastung der gesamten Familie führen können und sich auch auf die Umsetzung der Therapiemaßnahmen auswirken können.
Konsequenz ist wichtig
- Jedes Verhalten hat Konsequenzen
- Konsequentes elterliches Handeln fördert das Gefühl von Selbstwirksamkeit bei Kindern
- Konsequentes Erziehungsverhalten ermöglicht es Kindern zu lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen
Ist Konsequenz nur für die Eltern positiv?
Nein! Wenn Eltern konsequent handeln, ermöglichen sie ihren Kindern zu lernen, dass ihre Handlungen Folgen haben. So können sie das Gefühl von Selbstwirksamkeit bei ihren Kindern fördern und die Kinder lernen, Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen. Das gilt für alle Menschen: auch als Eltern erleben wir, dass unsere Handlungen immer Konsequenzen haben.
Was passiert denn, wenn ich mal nicht konsequent bin?
Das kennen wahrscheinlich alle Eltern: Situationen in denen man dem Drängen der Kinder nachgibt oder eine aufgestellte Regel bricht, weil man einfach zu müde und erschöpft ist, um sich durchzusetzen. Weder Eltern noch Kinder sind Maschinen und nicht immer läuft alles optimal. Das ist auch völlig in Ordnung. Schwierig wird es, wenn Kinder durch Jammern oder Brüllen häufig Aufforderungen umgehen können oder Ziele erreichen. Das liegt daran, dass wie oben besprochen wir aus den Konsequenzen, die auf unsere Handlungen folgen, lernen.
Wenn beharrliches Schreien die Wahrscheinlichkeit erhöht, an ein Ziel zu kommen (z. B. länger Computer spielen, noch ein Eis essen), dann wird es als sinnvolle Strategie erlernt. Oder ein Kind lernt, wenn ich eine Aufgabe nicht mache, hat das keine Konsequenzen. Umgekehrt lernen auch Eltern durch Erfahrung (z. B. “ich kann mich nur mit Schimpfen durchsetzen”). Deshalb ist es wichtig, als elementar erachtete Regeln in der Mehrzahl der Situationen durchzusetzen.
Kinder können aber auch sehr gut lernen, dass es Ausnahmesituationen gibt. Am besten funktioniert das, wenn diese Ausnahme angekündigt wird und die Regel dann offiziell für eine bestimmte Zeit außer Kraft gesetzt wird: “Heute ist eine Ausnahme, weil… darum gilt… nicht.”
Konsequent erziehen
Wesentliche Eckpfeiler für konsequentere Erziehung:
- Nur wenige Regeln
- Nur Anweisungen, die mir wirklich wichtig sind
- Effektiv Anweisungen geben
- Logische oder natürliche Konsequenzen folgen lassen
- Regeln immer wieder anpassen
- Regeln immer wieder in ruhiger Situation mit den Kindern neu festlegen
- Ein gutes Modell sein und sich auch selber konsequent an Regeln halten
- Eine gute Beziehung zum Kind aufbauen
Wie kann ich denn konsequenter erziehen?
Die wichtigste und gleichzeitig schwierigste Strategie für Eltern, die konsequenter erziehen möchten, ist, sich zu überlegen, welche Regeln und Anweisungen ihnen wirklich wichtig sind und welche nicht. Versuchen Sie Aufforderungen oder Regeln, die Sie häufig nicht durchsetzen, gar nicht erst auszusprechen. Damit reduzieren Sie die Möglichkeiten für Konflikte und ungünstige Lernerfahrungen. Wenn es mir z. B. nur ein bisschen wichtig ist, ob mein Kind sein Bett macht und ich es in den meisten Fällen dann doch selber übernehme, ist es günstiger, die Anweisung gar nicht erst auszusprechen.
Konsequentes Handeln ist einfacher und wahrscheinlicher, wenn Eltern effektive Anweisungen geben. Anweisungen an Kinder sollten positiv, konkret formuliert und realistisch sein. Wichtig ist, dass Eltern die Aufmerksamkeit ihres Kindes sicherstellen, während sie die Anweisung oder Aufforderung geben. Dies kann z. B. durch Blickkontakt, oder Ansprache mit dem Namen des Kindes geschehen.
Kommen Kinder einer Anweisung, Regel oder Bitte nicht nach und Eltern möchten diese konsequent verfolgen, können sie natürliche oder logische Konsequenzen folgen lassen. Natürliche Konsequenzen ergeben sich aus der Situation, z. B. zu spät zum Fußballtraining kommen, wenn die benötigten Diabetesutensilien oder Trainingssachen nicht rechtzeitig gepackt wurden. Logische Konsequenzen stehen mit dem Verhalten im Zusammenhang. Etwa ein Spielzeug entfernen, wenn ein Kind damit unangemessen umgeht.
Wichtig: wertschätzende und vertrauensvolle Eltern-Kind-Beziehung
Eltern sind wichtige Vorbilder. Deswegen sollten auch wir als Eltern uns konsequent an Regeln halten. Welche Regeln das sind, ist von Familie zu Familie unterschiedlich: z. B. mit ruhiger Stimme sprechen, beim Essen das Handy weglegen. Kinder entwickeln sich und Zeiten ändern sich. Alle Regeln und Aufgaben sollten immer wieder überprüft und angepasst werden. Je nach Alter des Kindes kann im Rahmen von gemeinsamen Gesprächen und Diskussionen überlegt werden, ob die Regeln noch angemessen sind oder geändert werden sollen.
Eine wichtige Vorraussetzung für konsequentes Handeln ist ein gutes Fundament in Form einer vertrauensvollen, liebevollen und wertschätzenden Eltern-Kind-Beziehung. Dies können Eltern u. a. dadurch unterstützen, indem sie positive Zeit mit ihrem Kind verbringen, Anerkennung und Ermutigung aussprechen, sich mit ihrem Kind unterhalten, seine Meinung wertschätzen und körperliche Zuwendung zeigen. Kindererziehung ist eine wundervolle, erfüllende Aufgabe, die Eltern aber auch immer wieder an ihre Grenzen bringen kann.
Wenn Konflikte andauern oder eskalieren, können Eltern sich Hilfe holen. Erziehungs- und Familienberatungsstellen bieten auch kurzfristig Beratungstermine und Erziehungstrainings an. Ein Training, das speziell für Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes konzipiert worden ist, ist das DELFIN-Elternprogramm. Wenn Sie im Erziehungsalltag etwas ändern möchten, beginnen Sie mit einer konkreten Situation, die immer wieder zu Konflikten führt. Das ist effektiver als an vielen Stellen gleichzeitig anzusetzen.
Literatur
- Lange K, Burger W, Holl R, Hürter P, Saßmann H, von Schütz W, Danne T. Diabetes bei Jugendlichen: ein Schulungsprogramm. 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Kirchheim, Mainz; 2017
- Kast-Zahn A. Jedes Kind kann Regeln lernen. Gräfe und Unzer Verlag, München; 2013
- Saßmann H, Lange K. DELFIN Das Elternprogramm für Familien von Kindern mit Diabetes (2-10 Jahre). Eltern-Schulungshandbuch, Kirchheim Verlag, Mainz; 2015
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (4) Seite 16-18
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 2 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 6 Tagen, 7 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 6 Tagen, 6 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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