- Eltern und Kind
Risiken minimieren – durch gute Vorsorge
3 Minuten
Der Gedanke an Folgeerkrankungen ist für die meisten Menschen mit Diabetes und ihre Angehörigen wohl ein ständiger Begleiter. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können helfen, die Risiken abzuschätzen und Diabetesfolgen schnell zu entdecken.
Der Begriff Vorsorgeuntersuchungen steht in der Medizin für die Früherkennung von Krankheiten und wird in den verschiedenen Fachdisziplinen der Medizin für Untersuchungen auf unterschiedlichste Erkrankungen verwendet. Jedem geläufig sind sicherlich die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft oder die Krebsvorsorgeuntersuchungen bezüglich Hautkrebs, Darmkrebs oder Brustkrebs, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Vorsorgeuntersuchungen für Diabetesfolgen auch bei Kindern
Auch bei Kindern werden regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt: Für jedes in Deutschland geborene Kind wird ein Gelbes Heft angelegt, in dem Gesundheitsdaten aus der U1-Untersuchung (die in der zweiten bis vierten Lebensstunde durchgeführt wird) bis hin zur J2-Untersuchung (findet im 17. bis 18. Lebensjahr statt) durch den Kinderarzt dokumentiert werden.
Diese Untersuchungen dienen dazu, eine regelrechte Entwicklung der Kinder zu gewährleisten bzw. frühzeitig auf eine abweichende Entwicklung aufmerksam zu werden und dann rechtzeitig weitere Untersuchungen zu veranlassen oder Förderprogramme einzusetzen.
Auch in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes gibt es Vorsorgeuntersuchungen. In der Kinderdiabetologie werden Vorsorgeuntersuchungen eingesetzt, um mögliche Folgeerkrankungen des Diabetes und Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- eine gute Blutzuckereinstellung
- niedrige HbA1c-Werte
- die regelmäßige Wahrnehmung der empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen
Von welchen Folgeerkrankungen sprechen wir hier?
Durch hohe Blutzuckerwerte und eine lange Diabetesdauer kann es zu Veränderungen der kleinen und der großen Blutgefäße in unterschiedlichem Ausmaß kommen. Diese führen dann möglicherweise zu Komplikationen.
- Die Veränderung der großen Blutgefäße nennt man Makroangiopathie. In den großen Blutgefäßen kann es zu arteriosklerotischen Veränderungen kommen, d. h. es bilden sich Ablagerungen an den Gefäßwänden, durch die es zur Verhärtung der Gefäßwände und im weiteren Verlauf auch zur Verengung der Blutgefäße kommen kann. Über lange Zeit bestehende zu hohe Blutzuckerspiegel, hohe Cholesterinspiegel und Bluthochdruck fördern diese Vorgänge. Im weiteren Verlauf können diese Veränderungen zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.
- Die Veränderung der kleinen Blutgefäße nennt man Mikroangiopathie. Kleinere Gefäße versorgen direkt z. B. die Augen, die Nieren und die Nerven. Wenn der Blutzucker dauerhaft sehr hoch ist, gelangen große Mengen an Glukose in diese kleinen Adern und in die dortigen Zellen. Sie bilden Substanzen, die die Gefäße schädigen und damit die Funktion der Organe beeinträchtigen.
Diese beiden Mechanismen beschreiben die Grundmechanismen der Entstehung der Folgeerkrankungen bei Diabetes mellitus. Mit einer guten Stoffwechselführung und einer normnahen Blutzuckereinstellung kann man das Risiko von Folgeerkrankungen deutlich senken und ihre Entstehung um Jahre hinauszögern oder sogar verhindern.
Nicht jeder Mensch mit Diabetes erkrankt an diesen Komplikationen, dazu gehört auch eine gewisse Veranlagung. Aber eines steht fest: Je besser der Blutzucker eingestellt ist und je niedriger der HbA1c-Wert über die Jahre ausfällt, desto geringer ist das Risiko.
Wann treten Folgeerkankungen auf?
Es gibt an Diabetes erkrankte Menschen, die nach 10 bis 20 Jahren Diabetesdauer die ersten Zeichen für Folgeerkrankungen entwickeln, und es gibt Menschen, die auch nach 60 Jahren mit Diabetes noch keine Komplikationen entwickelt haben. Da dies auch immer mit der Blutzuckereinstellung zusammenhängt, ist eine bessere Vorhersage nicht möglich.
Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?
In den Leitlinien für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes (abzurufen unter www.diabetes-kinder.de) hat die Arbeitsgemeinschaft für pädiatrische Diabetologie (AGPD) Empfehlungen für ein Screening auf Folgeerkrankungen formuliert. Danach sollten folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
Bezüglich der Mikroangiopathie, also der Erkrankung der kleinen Blutgefäße, sollten Kinder und Jugendliche auf folgende Erkrankungen regelmäßig untersucht werden:
- Erkrankungen des Auges; medizinischer Fachbegriff: Retinopathie
- Erkrankungen der Niere; medizinischer Fachbegriff: Nephropathie
- Erkrankungen der Nerven; medizinischer Fachbegriff: Neuropathie
Bezüglich der Entwicklung makroangiopathischer Veränderungen sollten folgende Untersuchungen erfolgen:
- Regelmäßige Messungen des Blutdrucks
- Regelmäßige Blutuntersuchungen bezüglich der Fettwerte (Cholesterin)
Die Untersuchung der Augen findet beim Augenarzt statt. Alle anderen Untersuchungen werden in der Regel vom Diabetologen in der Praxis im Rahmen der Ambulanzbesuche durchgeführt. Welche Empfehlungen es dazu gibt, sehen Sie in der Tabelle oben.
Wie wahrscheinlich sind Folgeerkrankungen?
Genaue Zahlen zu nennen, ist hier sehr schwierig. Die Informationen, die heute zum Thema Folgeerkrankungen und diabetesbedingte Komplikationen zu finden sind, wurden in Studien an Patienten erhoben, die vor 30 bis 40 Jahren an Diabetes erkrankt sind. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte noch eine ganz andere Behandlung als heute (siehe dazu auch den Beitrag von Martina Lösch-Binder).
Die Entwicklung der neuen Insuline und der Insulinpumpen führte in den vergangenen Jahren zu einer zunehmenden Verbesserung der Langzeitblutzuckereinstellung, so dass die Statistiken nicht eins zu eins zu übertragen sind. Mit anderen Worten: Wir können zum aktuellen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Patient mit Typ-1-Diabetes eine Augenkomplikation oder eine Nierenschädigung bekommt.
Mit einer guten Stoffwechseleinstellung, guten HbA1c-Werten von Anfang an und der regelmäßigen Wahrnehmung der Vorsorgeuntersuchungen ist das Risiko auf jeden Fall zu minimieren.
Fazit
- Vorsorgeuntersuchungen gibt es auch bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes.
- Regelmäßig sollten durch den Kinderdiabetologen Untersuchungen der Nieren, der Nerven, des Blutdrucks und der Fettwerte erfolgen.
- Die Augen sollten regelmäßig durch den Augenarzt überprüft werden.
- Eine gute Stoffwechseleinstellung und regelmäßige Kontrollen können das Risiko für diabetesbedingte Komplikationen minimieren.
von Dr. med. Nicolin Datz
Oberärztin Pädiatrie III
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, “Auf der Bult”, Hannover
E-Mail: datz@hka.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2017; 10 (3) Seite 20-22
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moira postete ein Update vor 13 Stunden, 54 Minuten
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 5 Tagen, 12 Stunden
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
