- Eltern und Kind
Schluss mit Marketing-Wildwuchs für Dickmacher – Minderjährige gesetzlich schützen!
3 Minuten
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe unterstützen die Forderung des Verbraucherschutzvereins foodwatch [1] an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, gegen das „Influencer-Marketing“ von Coca Cola und anderen Anbietern nachweislich übergewichtfördernder Lebensmittel und Getränke auf Youtube und Instagram vorzugehen und Jugendliche endlich besser zu schützen.
Nach einer neuen britischen Studie unter 11- bis 19-Jährigen geben mehr als die Hälfte schwer übergewichtiger Jugendlicher an, sich durch Werbung massiv unter Druck gesetzt zu fühlen, Ungesundes zu konsumieren; normalgewichtige Jugendliche sahen dies zu 40 Prozent ebenso. Der stärkste Einflussfaktor in der Umwelt des Menschen auf den Kalorienverzehr sei die Werbung, so der aktuelle Report von Cancer Research UK [2].
Selbstverpflichtungen der Industrie führt nicht zu verantwortungsvollem Marketing
„Minderjährige und junge Erwachsene lernen heute zunehmend durch Werbung in ihren bevorzugten Social Media-Kanälen, dass Junk Food, Cola, Limo & Co. hippe Lebensfreude verheißen – stattdessen besteht international wissenschaftlicher Konsens: Junk Food, Cola, Limo & Co. machen langfristig dick und krank. Ein gesetzlicher Schutz Minderjähriger vor Animation zu ungesundem Konsum durch Werbung ist längst überfällig“, so Professor Dr. med. Matthias Blüher, DAG-Präsident.
„Wieder einmal zeigt sich, dass Selbstverpflichtungen der Industrie keinesfalls zu verantwortungsvollem Marketing führen; das Animieren junger Menschen mit Internet-Helden und Sportidolen kann nur durch gesetzliche Vorgaben eingedämmt werden“, bekräftigt auch Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG.
„Die WHO Europe hat den Regierungen mit ihrem Nährwert-Profil ein einfaches Raster an die Hand gegeben, anhand dessen auf einen Blick ersichtlich ist, welche Getränke und verarbeiteten Lebensmittel an Minderjährige vermarktet werden dürfen und welche nicht. Die Bundes¬regierung sollte sich endlich entschließen, dieses auch anzuwenden“, so Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
„Influencer“ wecken gezielt Nachahmereffekte und Konsumbedürfnisse
Durch „Product placements“ ungesunder Lebensmittel in eigenen Videos und Posts jugendlicher Idole mit hoher Internet-Reichweite („Influencern“) werden gezielt Nachahmereffekte und Konsumbedürfnisse in deren Netzwerken geweckt – also bei Millionen von Minderjährigen und jungen Erwachsenen.
Der aktuelle Report von Cancer Research UK [2] belegt, dass sich Werbung für Junk Food auszahlt: Sehen junge Menschen nur eine Junk-Food Werbung am Tag, erhöht sich der Kalorienverzehr durchschnittlich um 18.000 Kalorien pro Jahr. Von allen Werbekanälen war die Nutzung von sozialen Medien am effektivsten: Dort gezeigte Werbung war übergewichtigen Jugendlichen am meisten präsent in Erinnerung geblieben.
Die Korrelation Bildschirmzeit und Adipositas besteht nicht mehr, sobald Streamingdienste ohne Werbeblöcke angeschaut werden. Das Übergewichtsrisiko verdoppelt sich, wenn ein Minderjähriger sich daran erinnern kann, mindestens eine Werbung pro Tag gesehen zu haben, im Vergleich zu einem Minderjährigen, der sich an keine solche Werbung im Verlauf eines Monats erinnern kann, so der Report.
Keine funktionierende Kontrolle für verantwortungsvolles Kindermarketing in Deutschland
„Wir plädieren für generelle Werbeverbote für übergewichtfördernde Lebensmittel und Getränke, die sich an Minderjährige richten, weil Minderjährige heute geradezu einem Sperrfeuer von Junk-Food-Marketing in Social-Media-Kanälen ausgesetzt sind und sich dagegen nicht wehren können. Auch Eltern, Lehrer und Erzieher kommen dagegen nicht an“, so Adipositasexperte Blüher. Jegliche Versuche in Familie, Kita und Schule, Minderjährigen gesunde Ernährung schmackhaft zu machen, werden so im Keim erstickt und tagtäglich konterkariert.
„Tatsache ist, dass wir derzeit keine funktionierende Kontrolle für verantwortungsvolles Kindermarketing in Deutschland haben. Auf die Beschwerde der Deutschen Diabetes Gesellschaft und foodwatch beim Deutschen Werberat3 hinsichtlich der Coca-Cola-Kampagne mit Fußballhelden auf Coladosen und Sammelbildchen bei der Fußballweltmeisterschaft 2016 haben wir die Antwort erhalten, die Werbung richte sich nicht an Minderjährige, sondern an junge Erwachsene. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern dreist und aberwitzig“, so Gallwitz.
Politik muss auch den gesundheitlichen Verbraucherschutz im Blick haben
„Im Koalitionsvertrag wird ausgeführt, dass ‚an Kinder gerichtete Werbung der kritischen Beobachtung [bedarf]‘ – das reicht aber nicht aus. Wir brauchen einen gesetzlichen Schutz von Minderjährigen vor der ständigen Verführung zu ungesundem Konsum! Dazu gehören eine effektive Kontrolle und im Notfall auch Sanktionsmöglichkeiten. Die Entscheidung, welche Lebensmittel an Minderjährige vermarktet werden dürfen und welche nicht, ist mit dem WHO Europe Nährwertprofil 2015 [4] einfach – nun muss es auch zur Anwendung kommen!“, fordert Dr. Jens Kröger von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und weist darauf hin, dass die WHO den Begriff „Kind“ für den Altersbereich von 0-18 Jahren definiert hat.
Blüher, Gallwitz und Kröger unisono: „Zu den Aufgaben unserer neuen Ernährungsministerin Frau Klöckner gehört nicht nur die Sicherung der Absatzmärkte der Ernährungswirtschaft, sondern auch der gesundheitliche Verbraucherschutz. Wir sind gespannt, ob es Frau Klöckner gelingt, diesen Interessenskonflikt so auszugleichen, dass die Ernährungswirtschaft zukünftig weniger Teil des Problems ist, sondern Teil der Lösung wird – und so zum Schutz der Gesundheit unserer Kinder beitragen kann.“
Quelle: gemeinsame Pressemitteilung von Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 23 Stunden, 47 Minuten
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 22 Stunden, 46 Minuten
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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