Sin Bi hat ihren Diabetes jetzt im Griff

2 Minuten

Sin Bi hat ihren Diabetes jetzt im Griff

Nicht immer kommen Kinder mit Diabetes zu Hause gut zurecht. So ging es auch Sin Bi, sie war zu oft allein. Heute geht es ihr richtig gut – sie fühlt sich im Kinder- und Jugendhaus voll angenommen.

Ein Kinderheim ist ein graues altes Haus, das bald zusammenbricht, und den Kindern dort geht es schlecht. Denken Sie auch so? Weit gefehlt, ist sich Sin Bi sicher: “In einem Kinderheim ist es auch wirklich schön, man muss sich nur an ein paar Sachen gewöhnen”, erzählt sie. Die 16-Jährige ist richtig froh, seit August 2011 im Kinder- und Jugendhaus “An der Glockengießerei” in Apolda zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen leben zu können.

Früher kein Interesse am Diabetes

Vor ihrem Umzug sah die Situation anders aus: Sie wohnte in Weimar und bekam im Alter von 10 Jahren einen Typ-1-Diabetes. Ihre Eltern waren wegen ihrer Berufstätigkeit selten zu Hause, die 10-Jährige musste mit ihrem Diabetes allein zurechtkommen. Keiner interessierte sich dafür – bis sie wiederholt wegen lange andauernder Überzuckerungen im Krankenhaus landete.

Diabetes läuft einfach mit

Sin Bi: “Ich habe nach ein paar Jahren gesagt, als es immer schlimmer wurde, dass ich am besten in so eine Einrichtung gehe, weil ich da Hilfe bekomme.” Im Wohnheim läuft der Tag ab wie bei anderen Jugendlichen auch: Morgens aufstehen – Sin Bi weckt sich selbst mit dem Wecker –, dann geht es nach dem Frühstück zur Schule. Nachmittags nach der Schule gibt es noch ein Mittagessen – und nach den Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten geht es nach dem Abendbrot ins Bett.

Aber etwas ist doch anders: Bevor die gebürtige Koreanerin zum Frühstück geht, misst sie im Gruppenraum der Wohngruppe ihren Blutzucker und lässt sich vom Bolusrechner ihrer Insulinpumpe einen Tipp für die Insulindosis geben. In der Schule darf sie, wenn nötig, auch im Unterricht messen und essen. Und am Wochenende und an Feiertagen kocht die Gruppe reihum für alle zusammen. Besonders gern isst Sin Bi Kartoffelbrei mit Igel-Bockwurst; dabei wird die Bockwurst x-förmig an der Oberseite eingeschnitten, bis sie wie ein Igel aussieht.

Sin Bi schwimmt mit guten Blutzuckerwerten

Sport gehört zum Leben der Gymnasialschülerin dazu. Gern geht sie abends mit anderen aus dem Wohnheim schwimmen. Weil sie über die Zeit ihren Diabetes gut kennengelernt hat und sie mit ihrer Diabetologin Dr. Jutta Wendenburg in Jena alles besprechen kann, klappt auch das Schwimmen mit dem Diabetes gut.

Ist der Blutzuckerwert vor dem Abendessen niedrig, sorgt sie selbständig vor: “Ich esse ein bisschen mehr und nehme noch Sport-BE mit.” Die letzten Ferien hat sie bei einer Freundin verbracht, deren Eltern hatten sie eingeladen. Das ist heute kein Problem mehr, ist Sin Bi stolz: “Sie weiß, dass ich den Diabetes im Griff habe.”

“An der Glockengießerei” in Apolda
In einem Projekt hat Sin Bi, die seit zweieinhalb Jahren im Kinder- und Jugendhaus “An der Glockengießerei” in Apolda lebt, ihren Alltag mit ihrem Typ-1-Diabetes dargestellt. In diesem Wohnheim wohnen Kinder und Jugendliche mit und ohne Diabetes zusammen – und profitieren so voneinander. Wer mehr dazu wissen möchte, findet weitere Informationen, auch über Möglichkeiten zu spenden, im Internet unter www.jugenddiabetes.de

von Dr. Katrin Kraatz

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0,
Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (4) Seite 54-55

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Medikamente zum Abnehmen: Adipositas-Gesellschaft fordert klare Kriterien für Versorgung und Abrechnung
Die Debatte um die Medikamente zum Abnehmen aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten braucht laut Deutscher Adipositas-Gesellschaft mehr als ein Fokus auf die Kostenfrage: Die Fachgesellschaft fordert evidenzbasierte Kriterien, multimodale Therapien und einen verlässlichen Zugang für klar definierte Patientengruppen. Zugleich drängt sie auf den Ausbau des DMP Adipositas.
Medikamente zum Abnehmen: Adipositas-Gesellschaft fordert klare Kriterien für Versorgung und Abrechnung | Foto: Andreas Prott – stock.adobe.com

2 Minuten

„Gesundheit wartet nicht bis Schulschluss“: Expertenbericht fordert gesetzlich verankerte Schulgesundheitspflege
Bereits 2021 hat die DDG in einem Positionspapier eine gesetzlich verankerte Schulgesundheitspflege gefordert, um Kindern mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes eine bessere Teilhabe zu ermöglichen. Ein jüngst vorgelegter Expertenbericht bestätigt die Datenlage – und politisch stehen die Chancen besser denn je, dass der flächendeckende Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften Teil der Regelversorgung wird.
Eine medizinische Fachkraft mit blauen Einmalhandschuhen nutzt an einem Finger eines Mädchens in rosafarbenem Ringelshirt eine Stechhilfe, um Blut für die Glukosemessung zu gewinnen.

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße