Im Zentrum: Diabetesambulanz der Kinderklinik Tübingen

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© Mike Fuchs
Im Zentrum: Diabetesambulanz der Kinderklinik Tübingen

Junge Menschen in die Lage zu versetzen, ihr Leben und ihren Diabetes jetzt und in Zukunft selbstbestimmt zu managen, dieses Ziel verfolgt die Diabetesambulanz der Kinderklinik Tübingen. Das gelingt mit intensiver Schulung von der Manifestation bis hin zur Transition, mit Aktionstagen oder Videosprechstunden. Dem Team ist dabei wichtig, den Patientinnen und Patienten sowie deren Familien immer auf Augenhöhe zu begegnen.

Über 30 Jahre lang betreute Prof. Dr. Andreas Neu an Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche mit viel Empathie und Engagement in der Tübinger Kinderklinik. Im Sommer 2023 trat er nach 40 Jahren in den Ruhestand und übergab die Leitung des Diabetesbereichs und des -teams an Dr. Julian Ziegler und Prof. Dr. Roland Schweizer.

Während seiner 35-jährigen Tätigkeit für die Ambulanz war es Prof. Neu immer wichtig, Patienten und deren Familien auf Augenhöhe zu begegnen. Er legte Wert auf partnerschaftliche Betreuung und eine intensive, kontinuierliche Schulung von der Manifestation bis zur Transition für ein selbstbestimmtes Management und Leben mit Diabetes.

Erstschulung, Peerprojekt und Videosprechstunden

Intensive und multiprofessionelle Erstschulung bei Manifestation mit einer ehrlichen aber optimistischen Grundhaltung des Teams legt den Grundstein für Krankheitsakzeptanz und eine gelingende Therapie – jetzt und in Zukunft.

Die Erstschulung wird seit 4 Jahren durch ein Peerprojekt ergänzt: Allen Patienten, die älter als 10 Jahre sind, wird ein erfahrener Peer mit Diabetes zur Seite gestellt – für die täglichen Dinge, die von Nicht-Betroffenen nur schwer zu vermitteln sind, aber auch für einen Ausblick in die Zukunft, der zeigt, dass ein Leben auch mit Diabetes lebenswert und schön ist.

Die telemedizinische Sprechstunde rundet die ambulante Betreuung vor Ort ab und ermöglicht auch bei größerer Distanz zur Ambulanz eine enge Anbindung mit 4–6 Vorstellungen im Jahr, z. B. auch bei längeren Schul-Auslandsaufenthalten.

Erwachsenwerden mit Diabetes

Der Wechsel von der behüteten Kinder- in die Erwachsenenmedizin fällt vielen Patienten schwer. Eine gute Vorbereitung ist essenziell. Es finden deshalb jährliche Schulungen in unserer Diabetes- und der Ernährungsberatung statt. Für den Wechsel auf die weiterführende Schule bieten wir einen Aktionstag für Kinder ab der 3. Klasse an. Ziel ist es, dass sie möglichst ohne Integrationskraft genau wie nicht betroffene Gleichaltrige zur Schule gehen und an Schulaktivitäten teilnehmen können.

Individuelle Einzelschulungen und Gruppenangebote zu Themen wie Alkohol, Führerschein, Sozialrecht bahnen unseren Heranwachsenden den Weg ins Erwachsenenleben. Der Zeitpunkt hierfür kann individuell mit den jungen Erwachsenen festgelegt werden, was ein großes Privileg für Patienten und das Diabetesteam ist.

Trotz der Entlassung aus der Kindermedizin möchten wir Kontakt zu “unseren” Patienten halten. Wir schreiben seit fast 25 Jahren jährlich alle ehemaligen Patienten an und bitten um kurze Rückmeldung zu ihrer aktuellen Lebenssituation und Therapie. Diese Daten werden in unserer Transitionsstudie durch Prof. Roland Schweizer kontinuierlich ausgewertet und veröffentlicht.

Kontakt

Dr. Julian Ziegler, Tübinger Diabetesambulanz, Hoppe-Seyler-Str. 172076 Tübingen, Telefon: 07071 29-87102, E-Mail: Kinderdiabetologie@med.uni-tuebingen.de


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2024; 15 (1) Seite 17

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 9 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Tagen, 3 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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