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Zöliakie und Diabetes
5 Minuten

Das Risiko für die Autoimmunerkrankung Zöliakie ist bei Typ-1-Diabetes etwas erhöht. Dr. Nicolin Datz beschreibt genau, welche Symptome auf Zöliakie hinweisen und wie getestet wird, um eine sichere Diagnose zu erhalten.
Etwas häufiger bei Diabetes
“Wir untersuchen das Blut auch auf Zöliakie”, sagte der Diabetologe, als er bei dem 5-jährigen Max in der Sprechstunde Blut abnahm. “Wieso Zöliakie? Max hat doch Diabetes?”, wunderte sich die Mutter des Jungen, der seit einem Jahr an Diabetes erkrankt ist. “Zöliakie ist eine Erkrankung des Darmes, die etwas häufiger bei Kindern mit Diabetes auftritt”, antwortete der Arzt und fing an, der Mutter zu erklären, worum es geht.
Zöliakie ist wie Typ-1-Diabetes eine Autoimmunerkrankung und tritt etwas häufiger bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auf – deshalb nennt man sie auch diabetesassoziierte Erkrankung.
Was genau ist Zöliakie?
Die Zöliakie, auch gluteninduzierte Enteropathie genannt, ist eine durch das Immunsystem vermittelte Erkrankung. Es kommt bei der Zöliakie zu einer Art Allergie der Dünndarmschleimhaut auf glutenhaltiges Getreide. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in einheimischen Getreidesorten vorkommt, insbesondere in Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel und Hafer.
Bei Menschen ohne Zöliakie wird die Nahrung im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen. An seiner Innenwand weist der Darm mehrere Ausstülpungen der Schleimhaut auf, die man Zotten nennt – sie dienen dazu, die Nahrung aufzunehmen.
Rückbildung der Darmzotten
Bei Menschen, die an Zöliakie erkrankt sind, bewirkt Gluten die Rückbildung der Darmzotten bis hin zum Verlust. Durch diesen Verlust kann der Darm seine Verdauungsaufgaben nicht mehr so gut ausführen, und die Nährstoffe können vom Körper nicht mehr richtig aufgenommen werden.
Häufig haben Betroffene Durchfälle, aber auch ohne Durchfälle entstehen Nährstoffdefizite, die zu typischen Symptomen (s. u.) führen. Bei Menschen mit Zöliakie, die auf glutenhaltige Getreidesorten verzichten, werden die Zotten wieder aufgebaut und die Darmfunktion wiederhergestellt.
Wie häufig tritt eine Zöliakie auf?
Insgesamt hat ca. einer von 200 Menschen eine Zöliakie, aber 80 bis 90 Prozent spüren keine Symptome und wissen nichts von ihrer Erkrankung. Menschen mit Typ-1-Diabetes haben ein fünf- bis zehnmal höheres Risiko, an Zöliakie zu erkranken.
Welche Symptome haben Kinder mit Zöliakie?
Der Abbau und der Funktionsverlust der Darmschleimhaut kann zu Gedeihstörungen mit Gewichtsverlust und Wachstumsstillstand führen. Die Kinder können einen aufgetriebenen Bauch aufweisen, sie haben z. B. Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfälle und Appetitverlust. Durch den Mangel an Nährstoffen (z. B. an Vitaminen und Eisen), der entsteht, weil die Nährstoffe vom Körper nicht mehr richtig aufgenommen werden, kommt es gehäuft zu Infekten, zu Blutarmut oder auch zu einer verringerten Knochenmineralisation.
Bei Kindern mit Diabetes kann zudem die gestörte Funktion der Darmschleimhaut dazu führen, dass der Zucker aus der Nahrung ungleichmäßig aufgenommen wird – die Folge sind unberechenbare Blutzuckerschwankungen. Die hier genannten Symptome treten jedoch nicht bei allen Menschen auf. Einige Betroffene haben nur Bauchschmerzen, andere verlieren an Gewicht und manche haben gar keine Beschwerden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Da Patienten mit Typ-1-Diabetes ein erhöhtes Risiko haben, an einer Zöliakie zu erkranken, wird sowohl von der nationalen als auch von der internationalen Gesellschaft für pädiatrische Diabetologie (AGPD – Arbeitsgemeinschaft für pädiatrische Diabetologie und ISPAD – International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes) empfohlen, das Blut regelmäßig auf Zöliakie untersuchen zu lassen.
Die Untersuchung soll erstmals durchgeführt werden, wenn die Diagnose Diabetes gestellt wird, anschließend alle ein bis zwei Jahre oder bei klinischen Symptomen. Der Test auf Zöliakie ist eine Blutuntersuchung auf bestimmte Antikörper, sogenannte Transglutaminase-Antikörper. Sind diese Antikörper in einer erhöhten Konzentration messbar, muss eine Dünndarmbiopsie durchgeführt werden, da nicht alle Menschen mit positiven Antikörpern erkrankt und damit auch behandlungsbedürftig sind.
Was ist eine Dünndarmbiopsie?
Bei der Dünndarmbiopsie wird dem Patienten – wie bei einer Magenspiegelung – ein kleiner Schlauch über den Magen bis in den oberen Dünndarm geschoben, um dort Gewebeproben zu entnehmen. Mit einer feingeweblichen Untersuchung der Gewebeproben kann man feststellen, ob und wie schwer die Darmschleimhaut geschädigt ist.
Die Dünndarmbiopsie findet in Narkose statt und ist für das Kind schmerzfrei. Da die Untersuchung nüchtern erfolgen muss und der Blutzucker im Normbereich sein sollte, wird das Kind normalerweise am Vortag stationär aufgenommen. Eine Entlassung nach Hause ist möglich, sobald das Kind die Narkose “ausgeschlafen” und eine Mahlzeit zu sich genommen hat.
Nächste Seite: Nach der Diagnose – so wird die Zöliakie behandelt sowie genetische Risikomarker bieten neue Diagnosemöglichkeiten.
Diagnose Zöliakie – und jetzt?
Wurde die Diagnose einer Zöliakie aufgrund der untersuchten Gewebeproben gestellt, muss sich der Betroffene lebenslang glutenfrei ernähren, damit seine Versorgung mit lebensnotwendigen Nährstoffen gewährleistet ist.
Glutenfreie Ernährung bedeutet: Verzicht auf alle Nahrungsmittel, die Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel und Hafer beinhalten (s. Kasten). Bei der Umsetzung dieser neuen Form der Ernährung hilft die Ernährungsberaterin mit ausführlichen Informationen und vielen Tipps.
Lebenslange glutenfreie Ernährung
Die glutenfreie Ernährung führt bei konsequenter Umsetzung zu einer Genesung der Dünndarmschleimhaut und zum Rückgang der unangenehmen Symptome. Auch wenn man keine ausgeprägten Symptome hat, ist es wichtig, sich glutenfrei zu ernähren, da der Nährstoffmangel nicht immer spürbar ist. Die Diagnose einer Zöliakie besteht nach heutigem Wissensstand lebenslang, sodass auch die glutenfreie Ernährung lebenslang durchgeführt werden muss.
Zur Verlaufskontrolle wird durch die behandelnden Ärzte der Titer (Verdünnungsstufe) der Transglutaminase-Antikörper regelmäßig kontrolliert. Wurde die glutenfreie Ernährung eingehalten, werden die Antikörper nicht mehr oder nur noch in geringem Maß nachweisbar sein.
Bei Kindern mit Typ-1-Diabetes wird die Diagnose einer Zöliakie häufig aufgrund von Antikörper-Titern gestellt, ohne dass die Patienten Symptome verspüren. Da die Titer auch falsch erhöht nachweisbar sein können, muss zur definitiven Diagnose die Biopsie erfolgen.
- Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern, Dinkel, verwandte Getreidearten wir Kamut und Einkorn
- alle aus diesen Getreidearten hergestellten Lebensmittel wie Mehl, Gries, Graupen, Stärke, Müsliflocken, Paniermehl, Teigwaren…
Was gibt es Neues?
In den letzten 20 bis 30 Jahren wurde die Zöliakie nicht nur häufiger diagnostiziert, auch die Diagnosemöglichkeiten haben sich verändert. Man hat zum Beispiel herausgefunden, dass Patienten mit bestimmten genetischen Risikomarkern, sogenannten HLA-Gruppen (HLA DQ2 und DQ8), ein erhöhtes Risiko tragen, an einer Zöliakie zu erkranken.
Deshalb hat die Europäische Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) für Kinder mit erhöhtem Risiko für eine Zöliakie (z. B. Kinder mit Typ-1-Diabetes) folgendes Vorgehen vorgeschlagen:
- Durch die Bestimmung der Risikomarker (HLA DQ2 /DQ8) wird festgestellt, ob ein genetisch erhöhtes Risiko vorliegt. Sind die Marker nicht nachweisbar, besteht kein erhöhtes Risiko für eine Zöliakie. Weitere Untersuchungen sind dann nur notwendig, wenn Symptome auftreten.
- Wurden die Risikomarker HLA DQ2 oder DQ8 nachgewiesen, sollten alle ein bis zwei Jahre Transglutaminase-Antikörper bestimmt werden. Auch sollte ein IgA-Mangel ausgeschlossen werden, also das Fehlen eines bestimmten Immuneiweißes, das oft bei Zöliakie auftritt und die Antikörperbestimmung schwierig macht.
- Sind die Transglutaminase-Antikörper erhöht (um über das Dreifache der Norm), sollte eine Dünndarmbiopsie erfolgen.
- Sind die Transglutaminase-Antikörper weniger als dreifach erhöht, sollten weitere Antikörper (Endomysium-Antikörper (EMA)) bestimmt werden. Sind diese negativ, können weitere Kontrollen nach drei bis sechs Monaten erfolgen. Sind die EMA positiv, sollte eine Dünndarmbiopsie durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern.
Kinder mit Typ-1-Diabetes haben ein erhöhte Risiko an Zöliakie zu erkranken. Bei vorliegen eines Diabetes und bestimmter Gene (HLA DQ2/DQ8) sollten Kinder auch ohne Symptome (Durchfälle, Buachschmerzen, geblähter Bauch) alle ein bis zwei Jahre auf Zöliakie untersucht werden. Fehlen die bestimmten genetischen Risikomarker (HLA DQ2/DQ8), ist das Risiko für Zöliakie nicht erhöht.
Bei einem positiven Antikörpernachweis erfolgt eine Dünndarmbiopsie, um die Diagnose zu sichern. Die Therapie einer sicher festgestellten Zöliakie besteht in einer lebenslangen glutenfreien Ernährung.
von Dr. med. Nicolin Datz
Oberärztin Pädiatrie III, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin „Auf der Bult“, Hannover
Kontakt:
E-Mail: datz@hka.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 6 (3) Seite 22-24
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kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen
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Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?





Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück