Gesundheitspsychologie untersucht problematisches Essverhalten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes

2 Minuten

© insta_photos - AdobeStock
Gesundheitspsychologie untersucht problematisches Essverhalten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes

Dysfunktionales Essverhalten bis hin zu Essstörungen in Verbindung mit Typ-1-Diabetes wurde in der psychosozialen Diabetesforschung bisher wenig beachtet. Die Abteilung für Gesundheitspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) führt daher eine Onlinestudie durch, die Essverhalten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes untersucht.

Menschen mit einem Typ-1-Diabetes müssen sich Insulin lebenslang regelmäßig zuführen. Während Begleiterscheinungen wie Angststörungen oder Depressionen bei Diabetespatienten recht gut untersucht sind, wurde problematischem Essverhalten in der Forschung bisher weniger Beachtung geschenkt. Die Abteilung für Gesundheitspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) führt daher eine Onlinestudie durch, die Essverhalten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes untersucht.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Betazellen der Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. Mehr als 370.000 Menschen in Deutschland sind Schätzungen zufolge daran erkrankt. „Die Erkrankung nimmt unter der Bevölkerung stetig zu und stellt für die Betroffenen einen starken Einschnitt in ihrem Alltag dar“, erklärt Lilli-Sophie Priesterroth, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Gesundheitspsychologie der JGU.

Dysfunktional: gezielte Insulin-Unterdosierung oder selektive Nahrungswahl

Diabetes-Typ-1-Patienten haben zwar keine Einschränkungen bei ihrer Nahrungsauswahl, aber sie müssen ihre Insulindosis stets auf die Mahlzeiten abstimmen. Das Thema Ernährung ist deshalb allgegenwärtig. Ein Teil der Betroffenen leidet unter einem gestörten Essverhalten bis hin zu einer Essstörung, beispielsweise in Form einer gezielten Unterdosierung von Insulin oder einer selektiven Auswahl von Nahrungsmitteln. „Betroffene von Diabetes Typ 1 verlieren aufgrund des Insulinmangels häufig an Gewicht, bevor die Diagnose feststeht. Wenn sie dann unter der Insulingabe wieder zunehmen beziehungsweise zu ihrem Normalgewicht zurückkehren, ist das oft eine schwierige Situation“, bemerkt Lilli-Sophie Priesterroth.

Die Abteilung Gesundheitspsychologie hat vor diesem Hintergrund die Studie „DEBBI – Dysfunktionales Essverhalten und Essstörungen bei Diabetes Typ 1“ gestartet. Ziel ist es, problematisches Essverhalten zu charakterisieren und Risiko- und Schutzfaktoren zu ermitteln. Dazu wird die Studie Erhebungen über einen längeren Zeitraum vornehmen, um Veränderungen im Lauf der Zeit zu erfassen. Die Initiatorinnen und Initiatoren der Studie hoffen, damit die Versorgung von Menschen mit dieser Form von Diabetes langfristig zu verbessern und dazu beizutragen, Betroffene mit problematischem Essverhalten in Zukunft bestmöglich unterstützen zu können.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Online-Studie gesucht

Für die vollständig anonyme Onlinestudie werden noch Teilnehmende gesucht – insbesondere Männer und auch Personen, die keine Probleme mit dem Essen haben. Sie erhalten eine Reihe von Fragebögen zur Beantwortung, unter anderem zum Essverhalten und zum psychischen Wohlbefinden. Die Teilnahme dauert etwa 30 Minuten und kann am Computer oder Smartphone erfolgen. Um Entwicklungen nachverfolgen zu können, werden die Teilnehmenden nach 6, 12 und 18 Monaten erneut per E-Mail um eine Teilnahme gebeten. Voraussetzungen für die Teilnahme sind Volljährigkeit und eine Diagnose Typ-1-Diabetes seit mindestens 12 Monaten.

Die Studie ist über den Link https://www.soscisurvey.de/debbi/ zu erreichen. Bei Fragen zu dem Projekt oder der Studienteilnahme können sich Interessierte gerne unter der E-Mail-Adresse lilli.priesterroth@uni-mainz.de an Lilli-Sophie Priesterroth wenden, die die Studie im Rahmen ihrer Promotion leitet.

Weiterführende Links:


Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz | Redaktion

Ingeborg Fischer-Ghavami
Redaktion diabetes-online
Verlag Kirchheim & Co GmbH
Wilhelm-Theodor-Römheld-Str. 14, 55130 Mainz

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen

Der t1day hatte am vergangenen Sonntag wieder nach Berlin gelockt. Auch 2026 waren viele dem Ruf gefolgt und nutzten den Tag für neues Wissen, gute Gespräche und intensiven Austausch. Welche Themen im Fokus standen, erfahrt ihr im Bericht von Diabetes-Anker-Chefredakteurin Dr. Katrin Kraatz.
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen | Foto: K. Kraatz/MedTriX

5 Minuten

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten seltener eine leitliniengerechte Diabetes-Versorgung. Eine neue Metaanalyse zeigt deutliche Versorgungsunterschiede mit möglichen Folgen für Therapieerfolg und Lebenserwartung.
Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten schlechtere Diabetes-Versorgung | Foto: Orapun – stock.adobe.com

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 3 Tagen, 3 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

Verbände