- Ernährung
Gut gewappnet durch die fünfte Jahreszeit
4 Minuten
Die Jecken und Narren sind los und es heißt wieder Helau und Alaaf. Zum Feiern gehören für viele auch alkoholische Getränke und süße Leckereien dazu. Was Menschen mit Diabetes diesbezüglich beachten sollten, um eine unbeschwerte Karnevalszeit genießen zu können, haben wir hier für Sie zusammengefasst.
Die Hochzeit des närrischen Treibens zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch rückt näher mit dem Höhepunkt am Rosenmontag, der dieses Jahr auf den 12. Februar fällt. Millionen Menschen zieht es dann wieder zu den Sitzungen, Kostümbällen und Umzügen in den Fastnachtshochburgen – und es wird ausgiebig feucht-fröhlich gefeiert und geschlemmt.
Menschen mit Diabetes – insbesondere mit Insulintherapie – sollten dabei ihre Stoffwechsellage nicht aus den Augen verlieren. Denn wenn Alkoholkonsum, süße Leckereien und Tanzeinlagen zusammenkommen, kann das den Blutzuckerspiegel mitunter ganz schön ins Schwanken bringen.
Vorsicht: Alkohol kann schwere Unterzuckerungen auslösen
Gerade beim Alkohol ist Vorsicht geboten: Er kann Unterzuckerungen auslösen, auch noch Stunden, nachdem er konsumiert wurde. Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente verstärken diesen Effekt noch. Doch wieso können alkoholische Getränke, die ja auch Kohlenhydrate beinhalten, Unterzuckerungen verursachen?
Die Antwort findet sich in der Leber: Sie produziert kontinuierlich Glukose, um in Zeiten des Fastens einen stabilen Blutzuckerwert aufrechtzuerhalten. Beim Konsum von Alkohol werden die Enzyme der Leber jedoch zum Abbau des Alkohols verwendet und stehen nicht mehr bzw. nur eingeschränkt zur Produktion von Glukose zur Verfügung.
„Bereits ab einem Blutalkoholspiegel von 0,45 Promille ist die Zuckerfreisetzung aus der Leber gestört“, erklärt Prof. Thomas Haak, Chefarzt des Diabetes Zentrums Mergentheim und Chefredakteur des Diabetes-Journals. Dies bedeutet, dass z. B. die Aufnahme von Alkohol am Abend zu nächtlichen Unterzuckerungen führen kann.
Der Alkoholgehalt in einem Getränk lässt sich nach folgender Formel ausrechnen (in etwa):
Menge in Millilitern x (Volumenprozent / 100) x 0,8 = g reiner Alkohol
Beispiele:
1 Bier (200 ml) mit 4,8 Volumenprozent = 7,7g Alkohol
1 Glas Sekt (100 ml) mit 11 Volumenprozent = 8,8g Alkohol
1 Glas Wein (100 l) mit 14 Volumenprozent = 11,2g Alkohol
Zur eingeschränkten Glukoseproduktion der Leber kommt hinzu, dass Alkoholkonsum zu einer schlechteren Wahrnehmung von Unterzuckerungssymptomen führt – Warnzeichen, wie zitternde Hände, Hunger, Unwohlsein und andere Hypoglykämiesymptome werden erst sehr spät oder gar nicht registriert. Somit kann es durch einen weiter abfallenden Blutzucker zu einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstseinsverlust kommen. Daher ist es ratsam, mit einer Person zusammen feiern zu gehen, die über den Diabetes informiert ist und in einer solchen Situation adäquat handeln kann.
Bei Bier, Wein und Schnaps besser folgende Regeln beachten
Mediziner empfehlen, dass die tägliche Menge an alkoholischen Getränken generell möglichst ein Standardglas (ca. ein achtel Liter Wein oder ein kleines Bier) bei Frauen und zwei Standardgläser (ca. ein viertel Liter Wein oder ein halber Liter Bier) bei Männern nicht überschreiten sollte. Und grundsätzlich sollten Menschen mit Diabetes immer etwas essen, wenn sie Alkohol zu sich nehmen. Wird Alkohol nämlich auf nüchternen Magen getrunken, setzt die blutzuckersenkende Wirkung noch schneller ein, außerdem hemmt Alkohol die Magenentleerung.
Ratsam ist es, dafür Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die langwirkende Kohlenhydrate enthalten (bspw. Brot, Schokolade oder Müsli), um eine Hypoglykämie zu vermeiden. Als Faustregel eignet sich hier: ein bis zwei langwirkende Kohlenhydrateinheiten pro Glas Alkohol. Zudem sollte der Genuss von Mixgetränken möglichst vermieden werden, da diese viel Zucker enthalten und den Blutzucker zunächst stark anheben, es aber im weiteren Verlauf durch den Alkohol zu Unterzuckerungen kommen kann.
Alkohol und Diabetes: Was es bei der Insulingabe zu beachten gilt
Außerdem sollte für die im Alkohol enthaltenen Kohlenhydrate niemals Insulin gespritzt werden. Auch das birgt eine große Unterzuckerungsgefahr. Und ist ein Mensch mit Diabetes nach Alkoholgenuss in einer Unterzuckerung nicht mehr ansprechbar, sollte sofort der Notarzt gerufen werden, denn selbst Glukagonspritzen wirken bei stärkerem Alkoholgenuss nicht mehr.
Um Unterzuckerungen vorzubeugen, kann z. B. die abendliche Insulindosis beim Konsum von Alkohol um zwei bis vier Einheiten reduziert werden und ein Zielblutzucker von 180 mg/dl bis 200 mg/dl (10 bis 11,1 mmol/l) vor dem Schlafen angestrebt werden. Außerdem sollte nicht zu lange geschlafen werden, so dass man sich am besten einen Wecker stellt und am nächsten Tag ein reichhaltiges Frühstück einnimmt.
- Alkohol kann zu Unterzuckerungen führen.
- Niemals bis zur Bewusstlosigkeit trinken.
- Nicht alleine trinken.
- Alkohol nicht auf nüchternen Magen trinken.
- Ein bis zwei langwirksame KE zusätzlich aufnehmen, wenn Alkohol getrunken wird.
- Die konsumierte Menge sollte ein bis zwei Standardgläser nicht überschreiten.
- Umgebung über den Diabetes informieren.
- Zur Nacht einen Blutzuckerwert zwischen 180 bis 200 mg/dl (10 bis 11,1 mmol/l) anstreben.
- Bei Insulintherapie, das abendliche Basalinsulin um zwei bis vier Einheiten reduzieren.
- Morgens nicht endlos lange schlafen, sondern den Wecker stellen und den Blutzucker messen
- Gut frühstücken, wenn am Abend vorher Alkohol getrunken wurde.
Karnevalstypische Bonbons und Gebäck: viel Zucker und Fett
Auch Bonbons (Kamelle/Guutsje), Krapfen (Berliner/Kreppel/Pfannkuchen) und andere Leckereien, die zur Karnevalszeit gehören wie die Kostümierung, sollten Menschen mit Diabetes nicht achtlos verzehren. Denn karnevalstypische Bonbons und Gebäck enthalten sehr viel Zucker und Fett und beeinflussen somit ebenfalls den Blutzuckerspiegel. Die Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hat hierzu eine Checkliste mit Nährwertangaben für einige karnevalstypische Spezialitäten zusammengestellt.
Beispiel Krapfen: Diese sind in der Regel wahre Kalorienbomben mit durchschnittlich 300 bis 500 Kilokalorien. Sie werden nicht gebacken, sondern in heißem Fett frittiert, wodurch sich der Fettgehalt der Rohmasse nahezu verdoppelt. Außerdem sind sie oftmals gefüllt mit Marmelade, Pudding oder anderen süßen Versuchungen und/oder werden von außen mit Puderzucker, Zuckerguss oder Schokostreuseln versehen.
Durch den hohen Fettgehalt steigt der Blutzuckerspiegel häufig verzögert an, was bei einer Blousgabe berücksichtigt werden sollte. Außerdem kann es durch den hohen Fettanteil individuell ratsam sein, auch die Fett-Protein-Einheit miteinzuberechnen.
von Redaktion Diabetes-Journal | Dr. Nicolin Datz | diabetesDE
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 3 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 19 Stunden, 6 Minuten
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 18 Stunden, 5 Minuten
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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