Im Ramadan fasten – auch mit Diabetes möglich?

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Im Ramadan fasten – auch mit Diabetes möglich?

Der Fastenmonat Ramadan hat begonnen. In diesem Monat verpflichtet der Koran gesunde Erwachsene, die zudem sesshaft sind, zu fasten. Muslime mit Diabetes müssen zwar nicht fasten. Viele Gläubige möchten jedoch den Ramadan trotz chronischer Krankheit einhalten. Welche Möglichkeiten dafür gibt es?

Experten raten Diabetes-Patienten, wenn, dann nur unter ärztlicher Begleitung zu fasten. Denn der verschobene Essrhythmus kann sich auf den Blutzucker auswirken. Die International Diabetes Federation (IDF) hat daher eine neue Leitlinie herausgegeben. Darauf weist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hin.

Etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland sind Muslime. Während des Ramadan, der nun begonnen hat und bis zum 4. Juli 2016 dauert, fasten viele von ihnen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das heißt: kein Essen, kein Trinken und kein Geschlechtsverkehr während dieser Zeit. Auch auf Zigaretten verzichten sie. Teilweise essen und trinken sie daher übermäßig während der Nacht.

Vor dem Fasten mit dem Arzt sprechen

Trotz chronischer Erkrankung möchten zahlreiche Muslime mit Diabetes mitfasten. Viele Ärzte raten jedoch davon ab. Denn gerade bei Menschen mit Diabetes, aber auch bei Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen, können Fasten und verschobene Essgewohnheiten zu medizinischen Problemen führen. „Grundsätzlich sollten Menschen mit Diabetes vorab mit ihrem Arzt darüber sprechen, ob sie fasten dürfen“, sagt Dr. Mahmoud Sultan, niedergelassener Diabetologe aus Berlin und Leiter der Projektgruppe „Diabetes und Ramadan“ der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Migranten“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Interview mit Dr. Mahmoud Sultan
Ein ausführliches und sehr informatives Interview mit dem Berliner Diabetologen lesen Sie auf www.diabetologie-online.de

Neuer Leitfaden als Hilfe für Ärzte

Eine neue Leitlinie der IDF gibt Ärzten einen Leitfaden an die Hand, mittels dem sie einschätzen können, ob der Gesundheitszustand des Betroffenen für das Fasten geeignet ist sowie Tipps zur Ernährung und zum Management des Diabetes während des Fastenmonats.

Auf Ernährung achten und Diabetesbehandlung umstellen

Wichtig für fastende Muslime mit Diabetes ist zum Beispiel, abends beim täglichen Fastenbrechen ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Sonst droht der Körper auszutrocknen.

Um Stoffwechselentgleisungen zu verhindern, ist zu beachten, dass sich während des Ramadan der Tag-Nacht-Rhythmus umkehrt. Anstelle von drei Hauptmahlzeiten gibt es im Ramadan meist nur zwei. Dementsprechend müssen Menschen mit Diabetes die Diabetesbehandlung umstellen. Vorsicht ist vor allem in den Morgenstunden geboten. Denn Insulin und andere blutzuckersenkende Medikamente können bei gleicher Dosierung gefährliche Unterzuckerungen verursachen.

Öfter messen als üblich

Wer trotz Diabetes fasten möchte, sollte sich daher an gewisse Regeln halten, um gefährliche Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden: Unterzuckerungen kündigen sich häufig durch Schwitzen, Zittern oder Herzklopfen an. In solch einem Fall müssen Betroffene sofort das Fasten brechen und Traubenzucker essen, Cola oder Fruchtsaft trinken. Außerdem sollten Menschen mit Diabetes während des Ramadan öfter als üblich den Blutzucker zu messen. Als Faustregel gilt: „Ist der Blutzuckerwert niedriger als 3.3mmol/l oder höher als 16mmol/l, muss das Fasten sofort beendet werden“, sagt Dr. Sultan.

Damit der Stoffwechsel nicht durcheinanderkommt, muss in Absprache mit dem Arzt während des Ramadans auch die Medikation an den neuen Ess-Rhythmus angepasst werden. Denn häufig essen fastende Muslime mit Diabetes nach Sonnenuntergang üppiger als zur restlichen Zeit des Jahres.

Mehr erfahren
  • Eine Checkliste mit den weiteren Tipps steht online unter: Checkliste Ramadan.
  • Die neue IDF-Leitlinie finden Interessierte auf Englisch und Arabisch hier.

Quelle: diabetesDe – Deutsche Diabetes-Hilfe

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  • moira postete ein Update vor 10 Stunden, 1 Minute

    Ich warte, dass das Community Meeting beginnt, habe ich die Zeit falsch verstanden?

  • bloodychaos postete ein Update vor 1 Tag, 18 Stunden

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

  • thomas55 postete ein Update vor 6 Tagen, 6 Stunden

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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