- Bewegung
Schwerstarbeit Gewichtsreduktion – Schritt für Schritt
4 Minuten
Ist Abnehmen tatsächlich solch ein schwieriges Unterfangen? Wer aufgibt, Auswahl und Menge der Lebensmittel dem Energieverbrauch anzupassen, wird früher oder später auch einen wesentlichen Teil seiner eigenen Gesundheit aufgeben. Besser ist es, die Verantwortung für den eigenen Körper wieder selbst in die Hand zu nehmen. Unmöglich ist Abnehmen nicht, aber mit Arbeit verbunden. Dazu finden Sie hier ein Fünf-Schritte-Programm, das Ihnen dabei helfen kann.
Regelmäßig nimmt Sabine M. Beratungsgespräche bei ihrer Diabetologin wahr. Schließlich möchte sie sich trotz der bestehenden Erkrankungen – Adipositas (extremes Übergewicht), Typ-2-Diabetes, Fettleber und Bluthochdruck – möglichst fit fühlen. Bei der routinemäßigen Verlaufskontrolle zeigte sich der HbA1c-Wert (Langzeitzuckerwert) deutlich höher als im vorhergehenden Quartal.
Zunächst war keine klare Ursache erkennbar, denn Sabine M. hatte ihre Insulindosis exakt nach Plan injiziert. Als die Diabetesberaterin das Körpergewicht ermittelte, zeigte die Waage jedoch 4 Kilogramm mehr an als beim letzten Mal. Das Insulin konnte durch die Gewichtszunahme nicht mehr so gut wirken.
Schon ein paar Kilos weniger helfen
Jetzt war es höchste Zeit, abzunehmen – nur wie? All die bisherigen Versuche hatten nur eine kurzfristige Wirkung. Sabine M. hatte einiges ausprobiert: von Low-Fat über Low-Carb, Punktezählen und Diätprogramme aus Frauenzeitschriften – doch leider ohne anhaltenden Erfolg. Im Gespräch mit ihrer Diabetesberaterin wurde ihr bewusst, dass sie eine Dauerlösung für das Gewichtsproblem brauchen würde. Die Beraterin hatte ihr zuvor erklärt, dass ihr Gewicht weiter ansteigen würde, sobald sie nicht mehr darauf achtete, was und wie viel sie täglich esse und sich bewege.
Das hänge auch mit dem Alter zusammen, denn Sabine M. befindet sich mit ihren 55 Jahren mitten in den Wechseljahren. In diesem Moment wurde der Mitfünfzigerin bewusst, dass sie ihr ganzes weiteres Leben auf ihr Gewicht achten muss. Früher hatte sie nach dem Erreichen des Zielgewichts häufig den Blick auf die Waage verloren – die Folge war ein Jo-Jo-Effekt.
Ein Plan zur Gewichtsabnahme muss her
Leider gibt es kein Patentrezept. Sämtliche Abnehmprogramme haben jedoch die Kalorienreduktion zum Ziel. Irgendwo muss eingespart oder mehr verbraucht werden, sonst geht der Körper nicht an seine Fettreserven. Die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Gewichtsmanagement ist die Überzeugung, etwas so Schwieriges wie eine Gewichtsreduktion zu meistern. Sich einem qualifizierten Gewichtsreduktionsprogramm anzuschließen, ist sinnvoll. Hindernisse, wie zu viel Stress oder Frust, müssen zuvor aus dem Weg geräumt werden. Denn so lässt sich die erforderliche Kraft für die nötigen Veränderungen einsetzen.
Gewichtsreduktion in 5 Schritten:
- Insulinspiegel niedrig halten
- Blutzucker-Eskapaden verhindern
- sich mehr bewegen
- sich der Macht der Gewohnheiten bewusst werden
- Erfolge kontrollieren
Formula-Diäten sind von den Fachgesellschaften mittlerweile anerkannt und können den Einstieg deutlich erleichtern. Allerdings sollten diese immer in ein Therapiekonzept mit regelmäßigen Gewichtskontrollen eingebunden sein (siehe auch Seite 14). Zudem braucht es ein konkretes Zielgewicht. Denn wer nicht weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt.
Erster Schritt: Anstreben einer niedrigen Insulinkonzentration
Eine hohe Insulinkonzentration im Körper ist für den Körper ein Signal, Fett aufzubauen. Schließlich steigt der Insulinbedarf nach dem Essen an, um die Glukose aus den verzehrten Kohlenhydraten zu verarbeiten. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Bauchspeicheldrüse das Insulin noch selbst produziert oder dieses von außen gespritzt wird. Das Insulin hilft auch bei Sport, die Glukose als „Muskelbenzin“ zu verbrennen, aber nur bei ausreichender Intensität. Bei Inaktivität leitet es die Glukose zur Leber, die damit zuerst ihre Glukosespeicher füllt – sind diese voll, wird aus der Glukose Fett gebildet. Das sicherte früher das Überleben, heute macht es jedoch zunehmend die Menschen krank.
Zweiter Schritt: Verhindern von starken Blutzuckeranstiegen
Um den ersten Schritt zu erreichen, braucht es eine Ernährung mit möglichst niedrigem Anteil an Kohlenhydraten. Nur so müssen die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse weniger arbeiten beziehungsweise lässt sich die zu spritzende Insulindosis reduzieren. Insbesondere Nudeln, Reis, Kartoffeln, Obst oder Brot sorgen neben Süßem für hohe Glukosewerte. Inzwischen gibt es zahlreiche schmackhafte Low-Carb-Brotsorten und Nudeln aus Leinsamenmehl mit bis zu 80 Prozent weniger Kohlenhydraten. Sogar Kartoffelsorten mit 30 Prozent weniger Stärke können dazu beitragen, einen besseren Zuckerverlauf zu erreichen.
Bei Obst kommt es neben der Portionsgröße und dem Reifegrad vor allem auf die Sorte an. Beeren schneiden besonders günstig ab. Auch kleine Mengen Zitrusfrüchte werden meist gut toleriert. Zum Naschen und Knabbern eignen sich Zartbitterschokolade mit mehr als 80 Prozent Kakaoanteil und kleine Portionen zum Beispiel von Nüssen (etwa 30 Gramm). Ob die verzehrte Menge Kohlenhydrate adäquat war, zeigt der Blutzuckerwert etwa zwei Stunden nach der Mahlzeit. Werte unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l) sind ein Zeichen für eine gute Nahrungsmittelwahl.
Dritter Schritt: Mehr Bewegung
Handeln ist die Voraussetzung, um Änderungen zu bewerkstelligen. Der bloße Vorsatz reicht nicht aus. Ohne zusätzliche körperliche Aktivität wird Abnehmen längerfristig nur schwer gelingen. Zudem verbessert Sport die Körperform und strafft das Bindegewebe. Hierbei ist es wichtig, eine passende Herzfrequenz zu erzielen – die Belastungsintensität sollte vorab am besten ärztlich abgeklärt werden. Ist die Pulsfrequenz zu niedrig, wird sich der Zeiger auf der Waage kaum zu kleineren Zahlen bewegen. Steigt der Puls bei Überlastung zu stark an, stoppt der Körper die Fettverbrennung und es entstehen häufig Heißhunger-Attacken. Sinnvoll ist, die Herzfrequenz durch einen Pulsmesser zu überprüfen.
Vierter Schritt: Alte Gewohnheiten überdenken
Am bisherigen Verhalten etwas zu verändern, gehört mit zu den größten Hürden beim Abnehmen. Hierbei ist es erforderlich, sich erst einmal bewusst zu werden, welche Gewohnheiten dick machen. Ein schwieriges Unterfangen, denn wer sieht diesen Tatsachen schon gern ins Auge? Weiters braucht es Mittel, sich dickmachende Angewohnheiten wieder abzutrainieren. Aber auch, wenn beispielsweise die ersten Tassen Kaffee ohne Zucker bitter schmecken, lässt sich der süße Geschmack doch nach und nach reduzieren – wer regelmäßig Kaffee ohne Zucker trinkt, für den schmeckt gesüßter Kaffee plötzlich ungenießbar. Alte Gewohnheiten lassen sich nur durch kontinuierliche Übung von neuen Verhaltensweisen ändern.
Fünfter Schritt: Erfolgskontrolle
Regelmäßiges Wiegen dient der Verlaufskontrolle. Es zeigt, ob die Maßnahmen ausreichen. Sich nicht mehr zu wiegen, ist, wie mit der Kreditkarte einzukaufen, ohne den Kontostand zu prüfen. Hilfreich ist es, den Gewichtsverlauf in einem Kalender zu dokumentieren – ohne Wenn und Aber. So gelingt es leichter, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, wenn sich das Gewicht in die falsche Richtung entwickelt.
Wieder leistungsfähiger zu werden oder beim Shoppen eine Kleidergröße kleiner auszuwählen, sind Anerkennung für die gesetzten Schritte. Die verbesserten Laborwerte unterstreichen den Erfolg. Hinzu kommt, dass man sich körperlich und auch seelisch meistens besser und belastbarer fühlt.
Erreichbare Ziele setzen und umsetzen
Planen Sie lieber kleine Schritte in der Realität als allzu große in der Fantasie. Nichts wirkt demotivierender als nicht erreichte Ziele. Ein sinnvolles Ziel ist eine Abnahme um etwa 10 Prozent vom Ausgangsgewicht. Sabine M. sollte bei einem Gewicht von 117 Kilogramm demnach etwa 12 Kilogramm abnehmen. Ein Zeitraum von einem halben Jahr ist hier realistisch. Durch die anfängliche Auswahl an Lebensmitteln mit geringen Kohlenhydratgehalten kann sie die Insulindosis deutlich reduzieren. Dadurch gelingt Sabine M. die Gewichtsreduktion leichter und das Risiko für Unterzuckerungen reduziert sich.
Einfach ist eine Gewichtsreduktion nie. Stellen Sie am besten selbst fest, ob sich der Aufwand lohnt. Wir sind der Meinung: Ja!
Schwerpunkt „Abnehmen: So geht es“
- Shakes und Riegel helfen erfolgreich beim Abnehmen
- Apps und Co unterstützen beim Reduzieren von Gewicht
- Schwerstarbeit Gewichtsreduktion – Schritt für Schritt
- Starkes Übergewicht: Eine Operation kann sinnvoll sein
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (2) Seite 20-22
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aktuelles
Entstehung von Übergewicht: Rezeptor identifiziert, der das Essverhalten reguliert
2 Minuten
- Aktuelles
Studie: Ein Drittel der Herz-Kreislauf-Todesfälle in Europa geht auf falsche Ernährung zurück
2 Minuten
Keine Kommentare
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 2 Tagen, 14 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
-
laratyp1life antwortete vor 1 Tag, 14 Stunden
Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
-
lelolali antwortete vor 1 Tag, 14 Stunden
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂
-
-
jasminj postete ein Update vor 2 Tagen, 22 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 14 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
-
jasminj antwortete vor 2 Tagen, 14 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 13 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
-
jasminj antwortete vor 2 Tagen, 12 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
-
gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 18 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 4 Stunden
-
jasminj antwortete vor 1 Tag, 3 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
-
-
galu postete ein Update vor 6 Tagen, 19 Stunden
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 6 Tagen, 17 Stunden
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
-
