Tief durchatmen – und beim nächsten Mal besser planen

3 Minuten

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Tief durchatmen – und beim nächsten Mal besser planen

Seit Wochen sehe ich meine alte Schulfreundin Lena (Pseudonym) zum ersten Mal wieder. Sie hat gerade ihr Staatsexamen in Medizin bestanden, jetzt geht es an den praktischen Teil ihrer Ausbildung. Das will natürlich gefeiert werden.

Ein ausführlicher Brunch

Wir sitzen zum Brunch zusammen, es gibt Brötchen, Croissants, Tee, Kaffee, Kakao, Marmelade, Eier… kurz gesagt, alles, was das Herz begehrt. Und alles, wofür man so richtig viel Insulin braucht. Aber dafür hat man ja eine Pumpe, oder? Ich überschlage also, was ich so alles essen will, gebe einen guten Schwung Insulin vorab und stelle den Rest verzögert auf eine Stunde ein.

Spontane Bewegung? Besser nicht…

Mehr oder minder exakt in dem Moment, in dem der letzte Teil des verzögerten Insulins abgegeben worden ist, schaut Lena sehnsüchtig aus dem Fenster. Die Sonne blitzt zwischen den Wolken hervor, es scheint doch noch ein schöner Frühsommertag zu werden. „Es ist so schön draußen, lass uns noch eine Runde spazieren gehen“, schlägt sie vor. Ich seufze innerlich. So eine Info brauche ich, bevor ich eine viertel Tagesdosis Insulin für so einen Brunch abgebe. Das kann nicht gut gehen. Das sage ich ihr auch: „Wenn ich mich jetzt bewege, geht mein Zucker ganz schnell runter, dafür habe ich viel zu viel Insulin wirksam.“ Ich verkneife mir den Nachsatz „Du als Medizinerin kennst doch die Physiologie dahinter“.

„Ach, das wird schon, nur eine kleine Runde“

Doch Lena ist nicht überzeugt. „Ach komm, eine kleine Runde wird schon drin sein, wir sind ja nicht lange unterwegs.“ Ich habe keine Lust, ewig zu diskutieren, und gehe davon aus, dass eine „kleine Runde“ maximal eine halbe Stunde ist. Sicherheitshalber packe ich eine Packung Kekse ein, ein Päckchen Saft, Traubenzucker und Gummibärchen. Das sollte mehr als ausreichen. Wir gehen los, und die Sonne ist wirklich angenehm. Lena wohnt am Stadtrand und innerhalb von ein paar Minuten sind wir in einer wunderschönen Hügellandschaft.

Eine größere „kleine Runde“

Nach zwanzig Minuten beschleicht mich das Gefühl, dass Lenas Idee einer „kleinen Runde“ eine andere ist als meine. Unglücklicherweise werden genau jetzt meine Knie unangenehm weich und ich muss mich anstrengen, um die Füße vom Boden zu bekommen. Es fühlt sich an, wie durch morastigen Schlamm zu waten. Wie mit Kaugummi festgeklebt zu sein. Die erwartete „Hypo“. Fünf Minuten später wird der gefühlte Kaugummi unter meinen Füßen zu zäh. Ich muss mich hinsetzen und essen.

Zwangspause

Also tippe ich Lena, die gerade telefoniert, auf die Schulter und teile ihr mit, dass ich eine Pause brauche. Irgendwann ist sie mit ihrem Telefonat fertig, ich habe den Großteil meines Zuckervorrats gegessen und bin ziemlich frustriert – Hunger hatte ich keinen, es gab ja einen tollen Brunch. Und dass das mit dem Zucker so laufen würde, hatte ich ihr doch vorher schon gesagt. Außerdem ärgere ich mich über mich selbst – warum habe ich nicht vorgeschlagen, dass wir uns einfach auf den Balkon oder vor die Tür setzen? Aber jetzt ist erstmal wichtiger, den Zucker wieder in einen Bereich zu bekommen, in dem ich zurück nach Hause laufen kann. Daraus lernen kann ich, wenn mein Gehirn wieder funktioniert.

„Wann können wir denn jetzt endlich weiter?“

Ich bin also voll mit meinem Frust beschäftigt und damit, dass sich mein Körper anfühlt, als würde ich noch halb in einem Schlammloch festhängen, als Lena mich etwas genervt ansieht und fragt, wann wir denn endlich weitergehen können. Ich seufze tief: „Es dauert noch, bis der Zucker richtig wirkt, ich hab’ dir doch gesagt, dass mein Zucker mir abschmiert, wenn ich mich nach so einem Brunch mit so viel Insulin bewege.“ Und wieder diese Stimme in meinem Kopf „Du als Ärztin solltest das echt besser wissen“.

Tief durchatmen und beim nächsten Mal früher planen

In solchen Situationen hilft nur eins: ganz tief durchatmen und nicht zu hart zu sich selbst (und anderen) sein. Und beim nächsten Mal wirklich lieber entweder auf dem Balkon sitzen bleiben oder vor dem Brunch klären, ob vielleicht noch ein Spaziergang auf dem Programm steht. Denn so eine Zwangspause auf halber Strecke ist wirklich nicht nötig.

Diese Geschichte und viele andere hat die Künstlerin und Sprachwissenschafts-Kollegin Alex Lorson in Comics verwandelt. Mehr von ihrer Kunst findet ihr auf Instagram.


Mirjams vorherigen Comic-Beitrag findet ihr hier.

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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