- Ernährung
Zusatz-Lebensmittel
3 Minuten
Diabetikerlebensmittel sind seit Jahren aus dem Handel verschwunden. Das bietet genug Platz für Neues. Und die Lebensmittelindustrie hat ihre Hausaufgaben gemacht – ob zuckerfreier Getränkesirup, Light-Joghurt oder fettfreie Chips. Der Markt hat sich verändert, Zusatzlebensmittel haben Einzug gehalten. In den nächsten Ausgaben dreht sich alles um Trends. Wir starten mit Sinn oder Unsinn solcher Produkte, gefolgt von Diät- und Abnehmkuren, der Welt von Bio und Öko sowie den oft propagierten Superfoods wie Chia-Samen, Matcha und Goji-Beeren.
Süßstoff ist ungesund, Light-Produkte machen dick und sind teuer, zuckerfreie Softdrinks schaden der Gesundheit …: typische Pauschalaussagen, die im Volksmund gern weitergegeben werden. Doch alles zu verteufeln und als nutzlos und schlecht zu bezeichnen, ist falsch. Wie bei vielen anderen Dingen lohnt es sich, zweimal hinzuschauen und zu checken, ob das Alternativprodukt sinnvoll ist und wie.
Alles light oder was? Joghurt und Co.
Milchprodukte, die fettreduziert oder als Light-Produkt überall erhältlich sind, können tatsächlich helfen, Kalorien zu sparen; jedoch gilt hier, unbedingt einen Blick auf die Zutatenliste und die Nährwertanalyse zu werfen. Viele Fertigquark- und -joghurtprodukte mit Fruchtzubereitung enthalten 0 bis 0,2 Prozent Fett. Sie sind tatsächlich kalorienärmer als ihr ursprüngliches Pendant. Denn Fett ist mit 9 Kilokalorien pro Gramm der Energieträger Nummer eins. Kohlenhydrate und Eiweiß liefern jeweils nur 4 Kilokalorien pro Gramm.
Nur: Irgendwie müssen die fehlenden Fettkalorien ausgeglichen werden. Und das passiert oft über Aromen und Kohlenhydrate, sprich Zucker. Light-Milchprodukte sind also nicht automatisch fett- und kohlenhydratreduziert.
Fazit: Am besten ist nach wie vor, Fruchtjoghurt oder -quark selbst zu machen. Wählen Sie dazu ein fettarmes Produkt aus, geben Sie einen Teelöffel Konfitüre und nach Geschmack ein paar Spritzer Flüssigsüßstoff dazu – fertig. Alternativ schmeckt auch etwas frisch geschnittenes Obst dazu sehr lecker. Das ist dann tatsächlich light.
Kross & knusprig: Chips
Wer kennt das nicht: Einmal angefangen, hört man oft erst auf, wenn die Chipstüte leer ist. Und das macht bei einer 175-g-Tüte satte 950 kcal, 64 g Fett und 88 g Kohlenhydrate aus. Wäre da die Light-Variante mit 30 Prozent weniger Fett besser? Ganz klar nein! Sie enthält in der gleichen Menge 793 kcal, 41 g Fett und 82 g Kohlenhydrate. Die Kaloriendifferenz liegt bei 157, und das ist weitaus weniger als meistens angenommen.
Stellt sich die Frage, ob beispielsweise Süßkartoffelchips, die aktuell im Trend liegen, eine Alternative bieten. Auch ihre Energiebilanz ist vergleichbar mit der herkömmlicher Chips. Gleiches gilt für Kessel- oder frittierte Gemüsechips; und auch sie schneiden in puncto Fettbilanz nicht besser ab als klassische Kartoffelprodukte.
Wie sieht es mit gebackenen Varianten aus, die in jedem Supermarkt und Discounter zu haben sind? Ihr Fettgehalt liegt im Schnitt bei 10 Prozent. In einer 150-g-Tüte stecken 621 kcal, 14,5 g Fett und 111 g Kohlenhydrate. Diese Chips sind zwar fettärmer, dafür aber kohlenhydratreicher als herkömmliche Sorten. Wer seine Insulinmenge kalkulieren möchte, sollte das auf keinen Fall unberücksichtigt lassen.
Eignen sich Wirsing-Chips als Alternative?
Eine brandneue Alternative sind unfrittierte, ungebackene, gewürzte Wirsing-Chips (z. B. von Heimatgut oder in der Bio-Abteilung beim Drogeriemarkt dm. Eine 35-g-Tüte enthält 140 kcal, 7,4 g Fett und 5 g Kohlenhydrate, wovon allerdings nur 3,5 g anrechnungspflichtig sind. Wer ab und zu gern etwas knabbert, hat hier eine passende Alternative.
Allerdings ist der Wirsinggeschmack nicht jedermanns Sache. Und das Tütchen ist mit etwa 2,50 Euro recht teuer. Fazit: Wenn Chips, dann am besten in kleiner Menge und beispielsweise ohne große Auswirkung auf den Blutzucker – in Form von Wirsing-Chips.
Stevia und andere Zuckerersatzstoffe in Getränken
Im Trend liegen sämtliche Produkte mit Stevia, Süßstoffen wie Sucralose, Saccharin, Aspartam, Acesulfam K und Cyclamat. Doch auch hier lohnt sich der Blick auf die Zutatenliste. Colahaltige Erfrischungsgetränke in der Zero- oder Light-Version sind tatsächlich nahezu energiefrei, haben keine Auswirkung auf Blutzucker und Figur. Bei Stevia-Cola Coke life sieht die Sache schon anders aus: Hier wurden lediglich etwa 30 Prozent der Zuckerkalorien durch kalorienfreie Stevia-Süße ersetzt. Der Rest ist Zucker, was bei Diabetes und kalorienreduzierter Ernährung nicht sinnvoll ist.
Im Convenience-Bereich sollen zuckerfreie Kräutertees mit Stevia, beispielsweise von sweet fitness, Verbraucher zum Kauf anregen. In den fertig verpackten Teebeuteln ist die Süße bereits enthalten. Je länger der Beutel in der Tasse zieht, desto süßer wird das Heißgetränk. Das ist praktisch für unterwegs, denn in einem Beutel ist alles vereint. Doch ob sich solche Fertigprodukte durchsetzen, ist fraglich. Denn Tee selbst mit einer Süßstofftablette zu süßen, ist nicht schwer.
Mineralwasser mit süßem Schuss
Um Mineralwasser einen Schuss Geschmack ohne Zucker und kaum Kalorien zu geben, gibt es beispielsweise Sirup mit null Prozent Zuckerzusatz (von Mautner in großen Supermärkten), Granulat in zig Geschmacksvarianten von Bolero sowie kalorienarmer Sirup von SodaStream free. Die Produkte enthalten meist Stevia, Acesulfam K oder Sucralose.
Auch hier empfiehlt es sich, auf die Dosierung und die entsprechenden Nährwerte in der Analyse zu schauen. Ist das Getränk kalorienarm, hat es zumindest schon einmal deutlich weniger Zuckerkalorien als vergleichbare Produkte. Doch der Gaumen gewöhnt sich schnell an süßen Geschmack. Besonders Stevia ist sehr süß – und sein Nachgeschmack hält recht lange an. Wichtig ist es, Energie, die durch solche Zusatzlebensmittel eingespart wird, nicht über kalorienreichere oder größere Portionen zu kompensieren. Dann ist der Effekt tatsächlich gleich null.
von Kirsten Metternich
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-online.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (2) Seite 64-67
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moira postete ein Update vor 2 Wochen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 5 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 2 Tagen, 10 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 2 Tagen, 9 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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