- Aus der Community
Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – jetzt ist Schluss
3 Minuten
Ninas Freundin Lisa sucht ganz spezielle hochhackige Schuhe. Es geht von einem Geschäft ins nächste. Dann hat Nina die rettende Idee – aber nicht mehr genügend Insulin …
Nina, schau dir mal die knallroten Gummistiefel an, die wären doch was für dich, oder?“, bemerkt Philipp mit einem ironischen Unterton und grinst mich schräg von der Seite an. „Ja, bestimmt. Das kommt gut, wenn ich so zur Arbeit komme!“ Aber ein bisschen schmunzeln muss ich doch über Philipp …
Ich liebe es, samstags gemütlich mit Freunden durch die Stadt zu schlendern und neue kleine Geschäfte zu entdecken. Gerade sind wir in einem Schuhgeschäft, denn Lisa ist nächste Woche auf einen 30. Geburtstag eingeladen und hat noch keine passenden High Heels für ihr Kleid. Allerdings ist Lisa beim Shoppen kein einfacher Fall: Die einen Pumps sind ihr zu hoch, die anderen zu bunt oder zu schick. Ich bin wirklich sehr gespannt, ob wir heute fündig werden.
„Komm, wir schauen mal, welche Schuhe sich Lisa schon zum Probieren ausgesucht hat.“ Philipp lacht: „Du bist aber sehr optimistisch, Nina. Die Frage ist eher, ob sie überhaupt schon ein Paar Schuhe gefunden hat, das ihr halbwegs zusagt.“
Die Diabetes-Kurzgeschichten-Reihe „Der kleine Melli und ich“ – der Hintergrund
Melli ist ein kleiner Junge, der mit Nina, einer jungen erwachsenen Frau, zusammenlebt. Die beiden Protagonisten der Diabetes-Kurzgeschichtenreihe geraten im Alltag immer wieder in Konflikt: beim Essen, beim Sport etc.
Autorin Lena Schuster ist Psychologin und hat seit 2014 Typ-1-Diabetes. Ihr Bruder hat seit der Kindheit ebenfalls Typ-1-Diabetes, deshalb ist ihr auch der Einfluss der Stoffwechselerkrankung auf die Familie gut bekannt. Zu ihren Kurzgeschichten sagt sie: „Für mich ist der Diabetes vergleichbar mit dem kleinen Melli, den man oft zu gerne ignorieren möchte, doch das geht leider nicht. Denn ignoriert man den Diabetes, ist er wie ein schreiendes Kind, das einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Kümmert man sich jedoch um den Diabetes, so macht einen das stark – und man erkennt, dass man bereit ist, auch andere Probleme des Lebens zu bewältigen.“
➤ hier gibt es alle Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
Auf anstrengender Shopping-Tour…
So schlendern wir beide durch den Laden und entdecken Lisa im hintersten Eck. Skeptisch steht sie vor dem Spiegel und begutachtet die blauen Pumps aus Rauleder an ihren Füßen. „Lisa, die sind richtig schön! Genau das richtige Maß zwischen elegant und sexy. Oder was meinst du?“ Ich schaue sie erwartungsvoll an, sie schaut ungläubig zurück. „Ich weiß nicht. Sie sind schon schön, aber passen sie mit der kleinen Schleife an der Seite auch wirklich zu meinem Kleid?“
Da schaltet sich Philipp ein. „Ach Lisa, mach das Leben doch nicht immer so kompliziert. Was soll denn an der Schleife nicht zu deinem Kleid passen?“ Doch überzeugt wirkt Lisa nicht und steht weiterhin unentschlossen vor dem Spiegel. Da fügt Philipp hinzu: „Also, ich vertrete in dieser Runde die Männerwelt und kann dir versichern, die sehen echt super aus!“ Aber auch das scheint Lisa nicht zu überzeugen.
„Nina, du hast nicht mehr genügend Insulin dabei“
Schließlich verlassen wir das Geschäft mit leeren Händen. Unschlüssig stehen wir vor dem Laden. „Wo gehen wir jetzt hin? In der Stadt haben wir alle Schuhgeschäfte durchforstet.“ Doch plötzlich kommt mir eine Idee: „Wie wäre es, wenn wir in das neue Shopping-Center fahren? Da gibt es mit Sicherheit eine riesige Auswahl!“
Ich sehe Hoffnung in Lisas Augen aufblitzen und sofort sind alle Feuer und Flamme. Wir stürmen los und haben Glück: Genau in dem Moment kommt ein Bus. Gerade wollen wir einsteigen, da zieht mich Melli am Ärmel. „Nina, du musst dich spritzen, hast aber nicht mehr genügend Insulin dabei.“
Ich versuche, Melli zu besänftigen. „Ach Melli, ich hab’ alles im Griff. Das Insulin wird noch für den kleinen Zwischenstopp reichen. Das dauert doch nicht lange im Shopping-Center.“ Philipp schaltet sich ein: „Nina, der Busfahrer wird langsam unruhig. Entweder wir steigen ein oder nicht.“ „Jaja, ich komme schon.“
Nein, dieses Mal höre ich nicht auf Melli!
Ich bin entschlossen, nicht auf Mellis Rat zu hören. Da wird Melli wütend. „Es reicht jetzt, Nina! Du kannst nicht einsteigen. Wir müssen nach Hause und Insulin holen. Du weißt, dass das jetzt Vorrang hat.“ Inzwischen haben sich schon mehrere Fahrgäste umgedreht. Ich knicke ein. Peinlich berührt laufe ich knallrot an und stammle: „Philipp und Lisa, fahrt ihr schon mal vor, ich hole zu Hause eine neue Ampulle und komme dann nach, okay?“
Kommentar der Autorin:
Der Diabetes zeigt der Spontanität gewisse Grenzen auf, denn er zwingt uns meist dazu, den Tag zu planen und zu strukturieren. So ergeht es auch Nina, die spontan mit ihren Freunden ins Shopping-Center fahren will. Leider macht ihr Melli einen Strich durch die Rechnung. Wichtig ist, dass wir uns bewusst sind, dass wir auch mit dem Diabetes alles erleben können. Wir können Sport machen, verreisen, genussvoll essen. Doch all diese Aktivitäten müssen durchdacht und geplant werden.
➤ weitere Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
von Lena Schuster
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (6) Seite 44-45
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community
Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – das Leben genießen
4 Minuten
- Aus der Community
Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – von jetzt auf gleich
3 Minuten
Keine Kommentare
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 19 Stunden, 28 Minuten
Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
(Wen es interessiert Band 2.3) -
moira postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 4 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
