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Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – von jetzt auf gleich
3 Minuten

Das Leben mit Diabetes hat zusätzlich zur Pandemie seine Tücken, weiß Nina. Zum Glück können wir nun wenigstens wieder bummeln gehen – und auch wieder zumindest ins Freiluft-Café.
„Das macht dann 29,99 Euro. Zahlen Sie in bar oder mit Karte?“ Ich war so in Gedanken, dass ich die Frage fast nicht mitbekommen hätte. Knapp antworte ich: „Mit Karte bitte.“ Kurz danach stecke ich das Kleid in die Tüte und drehe mich zu meiner Freundin Anna um.
Freudestrahlend sage ich: „Jetzt habe ich endlich mal wieder ein schönes Sommerkleid.“ Lachend erwidert sie: „Dass du dir irgendwann nochmal ein Kleid kaufst, hätte ich auch nicht mehr für möglich gehalten.“ Ein paar Wochen später wäre das aufgrund des Lockdowns auch nicht mehr möglich gewesen.
Die Diabetes-Kurzgeschichten-Reihe „Der kleine Melli und ich“ – der Hintergrund
Melli ist ein kleiner Junge, der mit Nina, einer jungen erwachsenen Frau, zusammenlebt. Die beiden Protagonisten der Diabetes-Kurzgeschichtenreihe geraten im Alltag immer wieder in Konflikt: beim Essen, beim Sport etc.
Autorin Lena Schuster ist Psychologin und hat seit 2014 Typ-1-Diabetes. Ihr Bruder hat seit der Kindheit ebenfalls Typ-1-Diabetes, deshalb ist ihr auch der Einfluss der Stoffwechselerkrankung auf die Familie gut bekannt. Zu ihren Kurzgeschichten sagt sie: „Für mich ist der Diabetes vergleichbar mit dem kleinen Melli, den man oft zu gerne ignorieren möchte, doch das geht leider nicht. Denn ignoriert man den Diabetes, ist er wie ein schreiendes Kind, das einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Kümmert man sich jedoch um den Diabetes, so macht einen das stark – und man erkennt, dass man bereit ist, auch andere Probleme des Lebens zu bewältigen.“
➤ hier gibt es alle Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
Bummeln, ins Café – hoffentlich geht das bald wieder
So verlassen wir das Kaufhaus und steuern auf unser Lieblingscafé zu. Die letzten Tage hat es nur geregnet, doch pünktlich zum Wochenende kam heute die Sonne raus. Dementsprechend viele Menschen sind in der Stadt unterwegs. Familien mit kleinen Kindern schlendern durch die Innenstadt, und Fahrradfahrer versuchen, sich einen Weg durch die Menschen zu bahnen. „Da drüben ist schon unser Lieblingscafé. Wir waren schon so lange nicht mehr da.“
Gerade will ich die Straße überqueren, da höre ich ein lautes Quietschen von Fahrradbremsen. Ich schrecke auf und schaue reflexhaft nach rechts. Eine Fahrradfahrerin liegt auf dem Boden und hält sich das Bein. Schnell eile ich zu ihr und knie mich neben sie. „Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen?“ Die Frau ist total unter Schock und murmelt: „Ich wollte doch nur bremsen. Dann bin ich wohl mit dem Vorderreifen in die Schienen geraten.“
Auch ein Mann hat sich zu uns gesellt und fragt, ob er einen Rettungswagen rufen soll. Inzwischen ist der erste Schock verflogen und die Frau antwortet: „Nein, einen Arzt brauche ich nicht. Ich denke, ich komme mit dem Schrecken davon.“ Gemeinsam helfen wir der Frau auf und versichern uns ein letztes Mal, dass alles in Ordnung ist.
Und plötzlich ist alles anders …
Kurze Zeit später sitzen wir im Café. Wir konnten uns den letzten Platz in der Sonne ergattern, doch wir brauchen einen Moment, um das gerade Geschehene zu verarbeiten. Anna bemerkt: „In einem Moment ist noch alles gut und plötzlich sieht die Welt ganz anders aus.“ Ich erwidere: „Da hast du total recht, das kann wirklich schnell gehen.“ Schließlich kommt die Bedienung, und wir bestellen Getränke und leckeren Kuchen.
Wir finden wieder zu uns zurück, und das Geschehene tritt in den Hintergrund. „Das ist echt ein schöner Laden, den wir heute entdeckt haben. Der muss neu aufgemacht haben“, sagt Anna. Kurz darauf kommt auch schon unsere Bestellung. Mit dem Blick zu Melli sage ich: „Das ist ja ein großes Kuchenstück. Wie viele Kohlenhydrate das wohl hat?“ Er antwortet: „Da bleibt dir nur die Möglichkeit, das zu schätzen.“
Anna und ich können stundenlang nur reden und vergessen häufig dabei die Zeit. Als die Sonne hinter den Wolken verschwindet und es kühler wird, beschließen wir, aufzubrechen. Gemütlich schlendern wir zur Bushaltestelle. „In fünf Minuten kommt ein Bus, der in meine Richtung fährt. Das passt ja super“, stellt Anna fest. Melli und ich sind mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren. In dem Moment, als ich mich von ihr verabschieden will, wird mir plötzlich ein bisschen schummrig.
„Du bist total blass, Nina. Geht’s dir nicht gut?“, ist Anna besorgt. Melli hakt ein: „Du bist unterzuckert. Du musst sofort was essen, Nina.“ In dem Moment fährt Annas Bus ein. Ich krame einen Traubenzucker aus der Tasche und versuche, sie davon zu überzeugen, in ihren Bus zu steigen. „Ich mache mir einfach Sorgen um dich. In dem Zustand lasse ich dich ungern allein.“ Endlich willigt sie doch ein und steigt in den Bus. Lächelnd winke ich ihr zu und esse noch einen Traubenzucker.
Kommentar der Autorin:
Zum einen ist es sehr schön, wenn sich Freunde und Angehörige um uns sorgen und sich kümmern. Das zeigt, wie wichtig wir für sie sind. Zum anderen kann die Sorge des Umfelds auch manchmal erdrückend sein. So ist es Nina unangenehm, als ihre Freundin für sie da sein möchte, als sie unterzuckert – und das, obwohl sie selbst kurz zuvor auch der Fahrradfahrerin ihre Hilfe angeboten hatte. Es ist wichtig, offen mit seinem Umfeld darüber zu sprechen, um für alle das richtige Maß zwischen Unterstützung und Selbstständigkeit zu finden.
➤ weitere Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
von Lena Schuster
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (6) Seite 46-47
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kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 5 Tagen, 16 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



