Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – es kommt immer anders, als du denkst

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Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – es kommt immer anders, als du denkst

Hat ein jeder von uns sich alles so vorgestellt, wie es ist? Wohl kaum, das Leben ist voller Wendungen, voller Glück, Traurigkeit und unvorhersehbar. Wer von uns hätte mit dem Diabetes in seinem Leben gerechnet? Gut ist, wenn die Wendungen auch Positives ins Leben bringen – so wie bei Nina.

Ich liege in meinem kuscheligen Bett, schaue an die Decke und überlege mir, was ich mir Leckeres zum Frühstück machen werde. Bin ich vernünftig und esse einen Porridge mit Obst und Nüssen? Oder gönne ich mir heute mal was Süßes? Wie wäre es denn mit Apfelpfannkuchen? Die gab es schon lange nicht mehr. Doch dann kommt mir eine bessere Idee.

Kurzerhand entscheide ich mich für Waffeln und selbst gemachten Apfelbrei. Freudestrahlend hüpfe ich aus dem Bett und schlendere in die Küche. Waffeln und Apfelbrei sind für mich einfach Essen für die Seele. Ich drehe das Radio laut auf, und genau in dem Moment wird mein Lieblingslied gespielt. Welch ein Zufall! Und glücklich fange ich zu singen an, während ich das Frühstück vorbereite.

Die Diabetes-Kurzgeschichten-Reihe „Der kleine Melli und ich“ – der Hintergrund

Melli ist ein kleiner Junge, der mit Nina, einer jungen erwachsenen Frau, zusammenlebt. Die beiden Protagonisten der Diabetes-Kurzgeschichtenreihe geraten im Alltag immer wieder in Konflikt: beim Essen, beim Sport etc.

Autorin Lena Schuster ist Psychologin und hat seit 2014 Typ-1-Diabetes. Ihr Bruder hat seit der Kindheit ebenfalls Typ-1-Diabetes, deshalb ist ihr auch der Einfluss der Stoffwechselerkrankung auf die Familie gut bekannt. Zu ihren Kurzgeschichten sagt sie: „Für mich ist der Diabetes vergleichbar mit dem kleinen Melli, den man oft zu gerne ignorieren möchte, doch das geht leider nicht. Denn ignoriert man den Diabetes, ist er wie ein schreiendes Kind, das einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Kümmert man sich jedoch um den Diabetes, so macht einen das stark – und man erkennt, dass man bereit ist, auch andere Probleme des Lebens zu bewältigen.“

➤ hier gibt es alle Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli

Schließlich ist das Essen fertig, und ich setze mich an den Küchentisch und halte kurz inne. Mit geschlossenen Augen atme ich tief ein. Der Duft warmer Waffeln steigt mir in die Nase. Eine wohlige Wärme umgibt meinen Körper. Glücklicher könnte ich in dem Moment nicht sein! So mache ich die Augen wieder auf und genieße das Frühstück. Heute ist mein freier Tag, und ich kann das tun, worauf ich Lust habe. Gehe ich später zum Sport? Bestelle ich mir heute Abend Sushi und schaue einen Film? Oder bummele ich mit einer Freundin durch die Stadt und den Park?

Plötzlich das Piepsen im Ohr – alles nur geträumt!

Plötzlich höre ich ein Piepsen direkt an meinem Ohr. Ich schrecke hoch und sitze senkrecht im Bett. Was ist passiert? Mein Blick geht in die Richtung, aus der das Piepsen kommt: Mein Wecker ist der Übeltäter! Langsam realisiere ich, dass das alles nur ein Traum war. Die leckeren Waffeln, der Morgen des vollkommenen Glücks waren nicht echt. Ein paar Sekunden bleibe ich einfach nur sitzen. Kurze Zeit später kommt Melli ins Schlafzimmer gestürmt. „Nina, du musst aufstehen. Du musst ganz schnell was essen. Wieso liegst du denn immer noch im Bett?“

Bevor ich reagieren kann, hat er auch schon die Rollläden hochgezogen. Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg ins Zimmer und blenden mich. Da wird mir schmerzlich bewusst, was nicht in meinem Traum vorkam: Melli. Ich konnte in meinem Traum essen, worauf ich Lust hatte, wann und so viel ich wollte. Traurigkeit breitet sich in mir aus. Ich quäle mich endlich aus dem Bett und schlurfe in die Küche. Gedankenverloren spritze ich mich und esse wie jeden Morgen ein Stück Vollkornbrot mit einem gekochten Ei.

Melli setzt sich neben mich und fragt: „Was ist denn los? Was hast du denn?“ Doch ich bin so in meinen Gedanken versunken, dass ich ihn gar nicht bemerke. Habe ich mir mein Leben so vorgestellt? Was hatte ich erwartet vom Leben? Was dachte ich denn, wie es verlaufen würde? Es wird deutlich, dass in keiner meiner Vorstellungen Melli vorkam.

Das Telefon klingelt, und ich werde aus meinen Gedanken gerissen. Ich laufe in den Flur und sehe auf das Display: Anna ruft an. Welch eine schöne Überraschung! Anna und ich haben uns bei einer Diabetesschulung kennengelernt und uns auf Anhieb gut verstanden. Direkt geht es mir deutlich besser. Schnell nehme ich den Hörer ab: „Hallo Anna, es freut mich, von dir zu hören. Wie geht es dir?“

Nach ein paar Minuten lege ich auf und komme freudestrahlend auf Melli zu. „Anna wird uns am Wochenende besuchen kommen. Ich freue mich so sehr, das glaubst du gar nicht!“ Lächelnd sieht mich Melli an und ist froh, dass meine schlechte Laune von vorhin verflogen ist.


Kommentar der Autorin:

Jeder hat Vorstellungen, wie das eigene Leben verlaufen wird. Ein Teil der Vorstellungen wird vielleicht erfüllt, jedoch wird es Dinge in unserem Leben geben, die wir nicht erwartet haben. So realisiert Nina, dass ihr Leben anders verlaufen ist, als sie dachte. Das stimmt sie zunächst traurig, weil sie durch Melli eingeschränkt ist. Dann wird ihr jedoch bewusst, dass sie ohne Melli ihre gute Freundin Anna nicht kennengelernt hätte.

Auch ich habe durch den Diabetes etwas entdeckt, das ich so einfach nicht erkannt hätte. Ich habe durch den Diabetes zum Schreiben gefunden und durfte die Redaktion des Diabetes-Journals kennenlernen. Dafür bin ich sehr dankbar!

➤ weitere Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli


von Lena Schuster

Avatar von lena-schuster

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (4) Seite 40-41

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  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen

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  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?