- Leben mit Diabetes
Kolumne „Fernweh“: Auf hoher See
2 Minuten
Forró, Segeln und Sonne: Für unsere Kolumnistin Susanne Löw klang ein Törn auf hoher See rund um Sizilien nach „Dolce Vita“ pur – bis ihre Glukosesensoren der Hitze und dem Bordleben auf hoher See reihenweise zum Opfer fielen.
Ich tanze gern Forró – das ist ein brasilianischer Paartanz, ein bisschen wie Salsa. Ein Segeltörn mit Forró-Tänzern rund um Sizilien klang daher genau nach meinem Geschmack und Urlaub … Gedacht, gebucht und schon ging es los ins südlichste Italien!
In der Marina, in der unsere Boote zum Ablegen bereitlagen, galt es erstmal für jede Crew, Einkäufe für die Woche zu erledigen und an Bord zu verstauen. Bei über 30 Grad eine zu schweißtreibende Aufgabe für meinen CGM-Sensor. Er verabschiedete sich, noch bevor wir den Anker lichteten. Gut, dass ich zwei Ersatz-Sensoren im Gepäck hatte! Als wir unsere Kabinen bezogen und ich mich mit großem Rucksack durch die enge Kabinentür zwängte, passierte das nächste Malheur: Ich blieb mit dem Sensor hängen und auch er sagte: „Arrivederci!“
Die Segel hatten wir immer noch nicht gehisst. Aber einen hatte ich ja noch. Mit dem letzten Ersatz-Sensor am Arm ging die Segelwoche nun los, die Glukosewerte dank CGM bei jedem Manöver im Blick. „Dolce vita“ vom Feinsten: Baden im Mittelmeer, Tanzen in Häfen, Ankern in Buchten, Schlafen unterm Sternenhimmel, eine nächtliche Wanderung auf den Stromboli.
Autorin Susanne Löw und ihre Kolumne Fernweh
Susanne Löw ist freie Journalistin und lebt in Hamburg. Die gebürtige Bayerin hat seit dem Jahr 2002 Typ-1-Diabetes und ist seitdem erst recht gern unterwegs. Ihre weltweiten Erfahrungen mit „Zucker im Gepäck“ hat sie in einem gleichnamigen Ratgeber zusammengefasst (ISBN 978-3-87409-701-7).
In der Kolumne Fernweh schreibt sie in jeder Diabetes-Anker-Ausgabe über ihre Reise-Leidenschaft uns alles, was dazugehört.

Doch die anhaltende Hitze, die ungewohnten Handgriffe an Bord und viel Sonnencreme und Wasser sorgten dafür, dass sich auch mein letzter Sensor immer mehr weigerte, an seinem Platz zu bleiben – trotz Overpatch und diverser Tape-Künste der Ärztin, die zufällig Teil der Crew war. Viele Mitsegler hatten meinen wertvollen Sensor im Blick: „Was macht das Pflaster?“ „Pass auf, hier geht es wieder ein bisschen ab!“ „Tape die Stelle unten nochmal.“
Doch alles gemeinschaftliche Kümmern half nichts. Zur Halbzeit des Törns meldete der Sensor: Game over. Das hieß: Blutzuckermessgerät, Teststreifen und Lanzetten aus dem Rucksack kramen und auf die wertvolle AID-Funktion der Insulinpumpe verzichten. Wellengang und viel Chaos, das elf Menschen auf einem Boot innerhalb kürzester Zeit veranstalten können, sind nicht die besten Voraussetzungen für blutige Messungen, aber es musste gehen. Und es ging.
Meine Learnings? Wie schnell man doch nach gut zehn Jahren mit CGM vergessen hat, wie mühsam und „eindimensional“ die Blutzuckermessung ist. Und: Bei „extremen Bedingungen“ packe ich nächstes Mal vielleicht mehr als den doppelten Bedarf an Ersatz ein. Zurück in der Marina gab es übrigens dank eines unglaublich hilfreichen Netzwerks, das aktiv wurde, während ich noch zwischen Lipari und Salina schipperte, Sensor-Nachschub. Mille grazie! Manchmal ist einem der Diabetes-Gott gnädiger, als man im ersten (Frust-)Moment denkt.
von Susanne Löw
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (10) Seite 82
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moira postete ein Update vor 6 Tagen, 21 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
