Leben mit Diabetes: alles ganz normal?

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Leben mit Diabetes: alles ganz normal?

Wie werden Diabetiker in der Öffentlichkeit dargestellt und wahrgenommen – und deckt sich dies mit der Selbstwahrnehmung? Jana Einser hat sich darüber Gedanken gemacht.

Was bin ich? Diese Frage kam mir, als ich eine Diskussion mitbekam darüber, wie Typ-1-Diabetiker in der Öffentlichkeit dargestellt und dann natürlich auch wahrgenommen werden.

Bin ich ein hilfloses Wesen, das unbedingt einen Diabeteswarnhund braucht? Ich könnte ja sonst, glaubt man der Laienpresse, gar nicht als Typ-1-Diabetiker existieren. Komisch, dass ich es trotzdem schon ein paar Jahrzehnte geschafft habe …

Ich genieße mein Leben nahezu jeden Tag!

Oder bin ich eine arme Leidende, weil ich täglich ein paar Mal meinen Blutzucker messen muss – jedes Mal verbunden mit einem Stich in die Fingerbeere – und mehrfach am Tag Insulin spritzen muss? Natürlich wäre das Leben einfacher, wenn all das nicht wäre. Aber heißt das, dass mein Leben nicht schön sein kann? Sicher nicht – ich genieße nahezu jeden Tag!

Stelle ich für meine Mitmenschen ständig eine Gefahr dar, weil ich jederzeit in die Unterzuckerung fallen könnte und sie mir helfen müssten? Bis jetzt ist alles gut gegangen, noch nie habe ich eine Unterzuckerung gehabt, die mich hilflos gemacht hätte und bei der ich die Hilfe anderer benötig hätte.

Ich weiß, dass ich in dieser Hinsicht wirklich Glück habe, bei anderen Typ-1-Diabetikern kann das mit unerwartet auftretenden Unterzuckerungen anders aussehen. Aber als eine Gefahr sollte das niemand ansehen – in einer solchen Situation ist einfach erste Hilfe nötig, wie sie jeder beherrschen und im Ernstfall auch anwenden sollte.

Dank Technik nahezu ohne Einschränkungen leben

Bin ich eine Behinderte? Sicher auch nicht, denn ich kann mein Leben nahezu ohne Einschränkungen leben – dank der Technik, die sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt hat. Ich muss sie halt nur bekommen. Da hapert es manchmal schon, mitunter sind Kämpfe auszustehen und Geduld mitzubringen. Aber langsam scheint auch hier Vernunft bei den Kostenträgern Einzug zu halten.

Bleibt die Frage: Was bin ich denn nun, wenn ich all das Genannte nicht bin? Ich finde, ich bin ein ganz normaler Mensch, mit Ecken und Kanten, wie sie jeder hat. Und kleine Einschränkungen, wie sie zum Beispiel der Diabetes mitbringt, erleben auch viele Menschen. Also eigentlich alles ganz normal!

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von Jana Einser

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (3) Seite 92

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  • kasch postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hey, ich habe die Omnipod 5 und zurzeit noch den Dexcom g6.
    Die App läuft auf dem iPhone 12. wie kann ich das iPhone auf die Version 26.1 updaten? Automatische Updates würden ja gleich auf 26.2 gehen. Wie kann ich das manuell machen?

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich komme gerne zum T1day. Sicher treffe ich einige von euch aus der online community.

    • Ich würde auch gerne kommen – geht aber beruflich nicht. Gibt es noch einen anderen Termin um mal andere live zu treffen?

    • Hallo Thomas, super, dann sehen wir uns dort. Kommst du auch zum Vorabend-Event? Liebe Grüße Lena

    • @moira: Schau gerne mal in den Veranstaltungskalender hier beim Diabetes-Anker, vielleicht findest du etwas in deiner Region. 🙂

    • thomas55 antwortete vor 1 Woche

      @lena-schmidt: Hallo Lena,
      ja ich komme zum Vorabend-Event. Ruf mich an, wenn du da bist 0177 8501380. Herzliche Grüße Thomas

  • toniologe postete ein Update vor 3 Wochen

    Freue mich das ich bei Euch sein darf

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