- Leben mit Diabetes
Markus Majowski im Interview: Unterstützung annehmen
13 Minuten

Markus Majowski hätte nie gedacht, dass Diabetes auch etwas mit ihm zu tun haben könnte. Eine Verkettung von Ereignissen sorgte in kürzester Zeit dafür, dass er seinen Typ-2-Diabetes anerkennen und schließlich auch angehen konnte. Im Interview schildert er, wieso das Annehmen von Unterstützung ein entscheidender Faktor dafür war.
Im Interview: Markus Majowski
Wenn man nicht an Engel glaubt, dann glaubt man vielleicht nach dieser Geschichte daran“, so beschreibt Markus Majowski seinen Weg mit Diabetes. Im Oktober 2025 sprang er spontan als Sponsoren-Pate bei der Diabetes-Charity-Gala von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe ein. Nur wenige Stunden zuvor war ihm klar geworden, dass er womöglich von Typ-2-Diabetes betroffen ist. Eine Bekannte, die in der Weiterbildung zur Diabetologin war, hatte ihm nach langer Zeit der Verleugnung die Augen geöffnet.

Ein klares Ziel und helfende Hände
Beim Gespräch auf der Bühne lernte der Schauspieler den Diabetologen Dr. Jens Kröger kennen. In den folgenden Monaten stellte er u. a. mit dessen Unterstützung seinen Lebensstil um. Dabei halfen ihm ein klares Ziel vor Augen und Hacks, also Wege und Tricks, wie man die Glukosewerte nach dem Essen zusätzlich niedrig halten kann. Ein System zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) wurde für Markus Majowski zum sicheren Haltegriff, eiskalter Sprudel mit Zitronensaft der Ersatz für Softdrinks und auch die Freude an Bewegung entdeckte er neu. „Man muss akzeptieren, dass es eine Krankheit ist und dann kann man Verantwortung für die Genesung übernehmen“, erklärt er.
Als Botschafter Mut machen
Mittlerweile hat er beinahe sein Idealgewicht erreicht, das Verlangen nach Zucker ist für ihn kein Thema mehr. Den Glukose-Sensor trägt er aber weiterhin. Sehen darf man diesen gern: „Dass jeder so eine kleine Botschafter-Tätigkeit übernimmt, das finde ich cool.“ Abschalten kann Markus Majowski in seinem Beruf, bei dem er in verschiedenste Figuren schlüpft. Um die Gedanken treiben zu lassen, empfiehlt er, sich „ruhig mal ein Quatschhobby“ zu suchen.
Diabetes-Anker (DA): Herr Majowski, Sie waren 2025 auf der Diabetes-Charity-Gala von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe einer der prominenten Sponsoren-Partner. Wie kam es dazu?
Markus Majowski: Ich wurde eingeladen, weil eine Kollegin von mir relativ kurzfristig erkrankt war. Die Geschäftsführerin von diabetesDE, Frau Nicole Mattig-Fabian, rief mich einen Tag vorher an, so als ob sie etwas gewusst oder geahnt hätte. Ich glaube, sie hat auch angerufen, weil sie weiß, dass ich mich gerne für interessante, liebevolle Projekte engagiere.
DA: Sie haben bei der Gala sinngemäß gesagt, dass Sie bis vor 48 Stunden komplett in der Leugnung Ihres Diabetes waren. Warum glauben Sie, haben Sie den Diabetes bis dahin verleugnet?
Markus Majowski: Ich habe gerade heute mit einer Freundin darüber geredet, über das sogenannte Sucht-Gen. Leugnung gehört sehr viel zu süchtigem Verhalten, das bei mir auch vorlag. Sucht ist eine Krankheit und wir sagen bei uns in der Selbsthilfe immer, dass wir für die Krankheit selbst keine Verantwortung übernehmen können, wir können aber für unsere Genesung Verantwortung übernehmen. Nun hatte ich über viele Jahre Essen und Süßigkeiten als Sucht komplett ausgeblendet. Ich habe das nicht gesehen, diese Masse, die mein Körper von Jahr zu Jahr mehr tragen musste. Ich dachte, das gehört zu meinem erfüllten Leben dazu, ich hatte ein Belohnungs-Prinzip entwickelt, was ich mir nicht nehmen lassen wollte. Die Leugnung waren Sätze wie: „Das habe ich mir doch verdient“ und „Ich bin so wie ich bin, ich mag mich so wie bin“.
Meine Mutter hat allerdings vom Krankenbett einen Satz abgeschossen. Sie meinte zu mir: „Ist es nicht unangenehm, dass die Leute denken, ach, da kommt der Dicke?“ Das hatte sie noch nie zu mir gesagt. Das hat meine Schwester mitbekommen und gesagt: „Was fällt Mama eigentlich ein? In der heutigen Zeit darf man sowas gar nicht sagen.“ – Mütter dürfen das. Ja, ich war in einer kompletten Leugnung. Und das führte dazu, dass ich die Kontrolle verloren habe, vor allen Dingen über den Zuckerkonsum.
DA: Was hat sich in dieser kurzen Zeit vor und während der Gala geändert und ein Umdenken ausgelöst?
Markus Majowski: Die Diabetes-Gala war Mitte Oktober. Im August letzten Jahres saß ich mit meinem Sohn beim Abendbrot. Meine Frau war noch bei der Arbeit. Und er hat sehr ernsthaft mit mir geredet. Er meinte: „Papa, du bist am Schnaufen, am Hecheln, du schwitzt. Du siehst aus, ich brauche es gar nicht zu sagen. Ich liebe dich so sehr und ich möchte gern mit dir noch Sport machen und mit dir was erleben. Wie kann ich dir denn helfen? Siehst du was mit dir los ist?“
In dem Moment habe ich die Bestandsaufnahme mit ihm geteilt, obwohl ich noch bis Oktober in der Leugnung blieb. Ich habe gesagt: „Ja, ich muss kapitulieren vor meinem süchtigen Verhalten. Das kommt aus einer ganz anderen Ecke. Ich glaube, das ist eine Suchtverlagerung. Ich weiß, ich muss mich mehr bewegen.“ Und er sagte: „Siehst du Papa, da kann ich dir doch helfen. Wir können jetzt schon anfangen.“
Dann waren wir beide eigentlich auch schon am Heulen. Wir haben uns an den Händen genommen. Das war echt schlimm, weil ich auch gesagt habe: „Julius, ich weiß nicht weiter.“ Dann fragte er: „Darf ich dir was sagen? Du trinkst am Abend zwei bis drei Liter von deinem Lieblingsgetränk, das ist eine Mischung aus Fanta und Cola. Dann hast du so Alibi-Light-Getränke im Kühlschrank, die du ab und zu mal trinkst. Das geht nicht. Du machst dich kaputt. Du bist 62. Bitte hör auf damit.“
Also haben wir uns einen Handschlag gegeben und ich habe ihm versprochen, dass ich etwas ändere. Ich habe dann ein bisschen mit Sport angefangen. Ich habe zwei Havaneser-Hunde, die übrigens auch in der Sterbebegleitung als Therapiehunde eingesetzt werden. Da habe ich mir gedacht: „Okay, das kann jetzt nicht sein, dass meine Havaneser und ich seit mittlerweile 6 Jahren eine Sterbebegleitung mit mir machen. Ich nutze jetzt einfach den Effekt und gehe mehr spazieren, mache Dehnungsübungen und so weiter.“ Aber ich hatte noch keine Struktur.
„Ich sah noch gar nicht, dass es eigentlich um mich geht.“
DA: Was hat sich dann geändert?
Markus Majowski: Ich habe gebetet. Ich habe um Hilfe gebeten. Ich bin ein gläubiger Mensch, wenn ich um Hilfe bitte, gehe ich in Resonanz. Es vergingen diese zwei Monate mit weiterer Leugnung der eigentlichen Gefahr. Dann rief mich meine Mama an, die war in einer Altersresidenz und sagte: „Du, pass mal auf, die Tochter von unserer Vermieterin aus Salzburg kommt. Die ist in Berlin in der Weiterbildung zur Diabetologin und macht hier auch ein Praktikum an der Charité. Hättest du Lust, sie mal abzuholen, damit sie mich besuchen kann?“
Also holte ich die Nathalie, so heißt die junge Dame, von der Charité ab. Ich saß mit ihr im Auto und wir haben Smalltalk gemacht auf dem Hinweg. Erst auf dem Rückweg, da guckte sie mich an und sagte: „Kann ich dir so ein bisschen darüber erzählen, was ich mache? Wie geht es dir im Moment?“ Da sagte ich: „Ja, nicht so gut, du siehst ja, aber ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Sie hat mich angehört, sie hat mir ganz viel erzählt und den Verdacht geäußert, dass ich Prädiabetes habe. Sie ist ganz defensiv gewesen, als ob sie wusste, dass süchtige Menschen sehr stur sind und wir keinen erhobenen Zeigefinger dulden in unserem Leben. Durch das Gespräch bin ich am Tag, bevor Nicole Mattig-Fabian anrief, zu meiner Hausärztin, die Blut abgenommen hat, um den Langzeitzucker zu überprüfen.
Am Abend war die Veranstaltung und ich kam auf die sensationelle Idee, die Nathalie mitzunehmen. Ich wusste nicht, dass ich ein Interview auf der Bühne geben soll. Ich dachte, ich übernehme den Scheck von 20.000 Euro, halte mich raus und sage „Juhu“. Nathalie saß unten und sammelte Kontakte, das war toll für sie. Ich hatte meine Pflicht erfüllt, fand ich. Es war toll, dass ich ihr helfen konnte. Ich sah noch gar nicht, dass es eigentlich um mich geht.
Dann saß ich plötzlich im Panel, habe ein bisschen was aus meinem Leben erzählt, es gab viel zu lachen. Alle waren ganz glücklich, dass ich da oben saß und auch einen Unterhaltungswert hatte. Aber da kam wieder der Spruch, in dem Fall von Dr. Jens Kröger: „Herr Majowski, wie geht’s Ihnen eigentlich? Sie sehen ja nicht so gut aus. Ich tippe mal auf Prädiabetes.“ Und ich sagte: „Ja, Sie sind nicht der Erste, der mich fragt.“
Er fragte, was ich jetzt gemacht hätte. Dann habe ich den Satz gesagt, dass ich bis vor 48 Stunden noch in der kompletten Leugnung war und da war der ehrliche Satz rausgefahren. Das muss offensichtlich die Nathalie gewesen sein, dass die mir die Augen geöffnet hat, in dieser Autofahrt nachts von Mama. Da sagt er zu mir: „Wissen Sie was, wenn Sie Ihre Ergebnisse haben, rufen Sie mich bitte an und dann gucken wir mal, was ich für Sie tun kann.“
Das Gespräch war beendet, alles dufte, der Abend wurde lang. Ich erhielt am nächsten oder übernächsten Tag meine Ergebnisse. Der Blutzucker muss so um die 280 mg/dl (15,5 mmol/l Anm. d. Red.) gelegen haben. Ich bin sofort zur diabetologischen Praxis, die bei mir um die Ecke gleich in derselben Straße ist, was ich gar nicht wusste. Nichtsdestotrotz rief ich Dr. Jens Kröger an und habe ihm auch die Daten geschickt. Dann sagt er zu mir: „Herr Majowski, wenn Sie möchten, bin ich ab jetzt erst mal für ein viertel oder vielleicht auch für ein halbes Jahr Ihr Ernährungsberater. Ich habe an einem Buch geschrieben und ein paar Hacks entwickelt.“
Das war der Anstoß, das war die Magic-Geschichte. Wenn man nicht an Engel glaubt, dann glaubt man vielleicht nach dieser Geschichte daran.
„Mir haben die Geschichten Mut gemacht und ich hoffe, dass Teile meiner Geschichte wiederum Mut machen, darüber zu reden und zu erkennen, wenn es bei dem einen oder der anderen so ähnlich ist wie bei mir.“
DA: Wie sehen die Hacks aus, von denen Sie eben gesprochen haben?
Markus Majowski: Hack bedeutet in dem Fall, dass man über den Tag verteilt Mahlzeiten isst, wie man sie gewohnt ist, mit normalen Kohlenhydrat-Mengen und ohne Bewegung. Am nächsten Tag isst man zu denselben Uhrzeiten Mahlzeiten mit mehr Ballaststoffen und macht danach Bewegungen wie Kniebeugen oder Treppensteigen. An beiden Tagen beobachtet man die Werte über einen Glukose-Sensor und erkennt dadurch die Veränderung.
DA: Was würden Sie zusammenfassend sagen, war der Antrieb dafür, das Thema Gewichtskontrolle und Diabetes anzugehen?
Markus Majowski: Den eigenen Tod vor Augen zu haben. Dann hatte ich bei der Gala Menschen mit Diabetes getroffen und dachte: Hut ab vor den Menschen, die Diabetes haben. Mir haben die Geschichten Mut gemacht und ich hoffe, dass Teile meiner Geschichte wiederum Mut machen, darüber zu reden und zu erkennen, wenn es bei dem einen oder der anderen so ähnlich ist wie bei mir.
DA: Hatten Sie in Ihrem Leben zuvor schon Berührungspunkte mit Diabetes?
Markus Majowski: Ja, ich habe im Freundeskreis drei Typ-1-Diabetiker und das sind sogar meine besten Freunde: meine Physiotherapeutin, die ich seit dem Buddelkasten kenne, mein bester Theater-Regisseur und Freund, der sein Leben lang mit Diabetes zu tun hatte und einer unserer besten Freunde, Michèl, der im Alter von 24 Jahren nach einem langen Drehtag in einem Hotelzimmer auf dem Bett an den Folgen eines Diabetes mellitus gestorben ist. Das hat uns alle total geschockt. Aber da wäre ich ja nie auf die Idee gekommen, dass das etwas mit mir zu tun hat. Mein bester Freund Folke, der hat immer eine Pumpe am Körper. Renate, meine Physiotherapeutin, hat auch eine tolle Pumpe am Körper. Beide haben unheimlich gut Verantwortung dafür übernommen.
Ein Erlebnis aus den 80ern mit Michèl ist mir im Gedächtnis geblieben. Wir waren oft schwimmen bei uns am Glienicker See draußen in West-Berlin, damals verlief noch die Mauer durch den See. Michèl musste oftmals Insulin spritzen. Er hatte keine Pumpe. Er hat auf dem Grundstück, wo unser Boot lag, hinterm Baum sein Spritzenbesteck rausgeholt. Ein berühmter, prominenter Musiker hat das gesehen und hat die Polizei geholt, weil er dachte, der Michèl sei am Fixen. Dann kam der Funkwagen und Michèl konnte nachweisen, dass er Diabetiker war. So haben wir alle nicht nur bezaubernde nette Polizisten kennengelernt, sondern auch diesen berühmten Musiker, der sich auch entschuldigt hat.
DA: Wie geht es Ihnen aktuell mit Ihrem Diabetes?
Markus Majowski: Bei mir haben sich die Glukosewerte Gott sei Dank normalisiert, dadurch, dass ich aktuell fast 45 kg abgenommen habe in zehn Monaten. Ich komme von 138 Kilogramm und wiege jetzt 92 Kilogramm.
Es gibt eine Sache, die ich gerne den Leserinnen und Lesern mitgeben möchte. Ich habe von einem Arzt gehört, dass man, wenn man aus dem Jo-Jo-Effekt raus will, eine Zahl vor Augen haben muss. Man muss seinen Body-Mass-Index kennen und das Idealgewicht, was dir dein Arzt bestimmt. Dieses Idealgewicht muss man vor Augen haben, das ist die Aufgabe. Und der Körper wird sagen: „Hurra, ich bin da, wo ich hingehöre, da fühle ich mich wohl, das kenne ich.“ Man sollte langsam von seinem Ausgangsgewicht runter. Besagter Arzt empfiehlt anderthalb bis zwei Jahre.
Ich bin jetzt fast da, ich wiege 92 Kilogramm und habe zehn Monate gebraucht. Ich sage, es war zu schnell, es könnte ein bisschen langsamer gehen. Man muss Geduld haben. Es ist eine abgefahrene Reise. (Schmunzelt) Fragen Sie mich doch bitte, was mein Lieblingsgetränk ist.
„Man muss akzeptieren, dass es eine Krankheit ist und dann kann man Verantwortung für die Genesung übernehmen.“
DA: Was ist denn Ihr Lieblingsgetränk?
Markus Majowski: Danke für diese Frage. Es ist eiskalter Sprudel, kann auch Medium sein, und frisch gepresster Zitronensaft. Davon kann ich literweise trinken. Das macht meinem Körper gar nichts, die Fruktose von der Zitrone. Das kennen vielleicht viele Typ-2-Diabetiker, nach zwei, drei Wochen Zucker-Entzug ist das Thema eigentlich durch. Ich kann heute ab und zu einfach ein Stück Kuchen naschen oder ein Stück Schokolade. Es sei denn, ich bin völlig gefrustet, dann ist es auch schonmal eine halbe Tafel Schokolade. Aber es ist so, dass mir dieser Zucker gar nicht mehr so richtig schmeckt. Deswegen reicht manchmal ein Bonbon, ein halber Keks.
Wenn meine Mutter mir eine Käsetorte hinschiebt und sagt: „Komm, du hast jetzt zwei Wochen keinen Kuchen gegessen, du darfst doch. Das sieht so toll aus. Du bist gar nicht mehr mein Dicker“, dann liegt die Torte vor mir, ich esse ein Stück, dann muss ich es zurückschieben, weil ich gar keinen Appetit mehr habe.
DA: Zusammengefasst haben Ihnen also die Hacks, die Ihnen Jens Kröger empfohlen hat, geholfen, ein klares Ziel vor Augen…
Markus Majowski: …und statt Brause-Fanta Wasser mit Zitrone – und auch kapitulieren vor der Situation, dass ich vorher in der Leugnung war. Ich habe in dem Moment, als die Nathalie in dem Auto zu mir gesagt hat „Markus, das stimmt was nicht“ vor meiner Sturheit kapituliert. Dann kam auch noch der Anruf von der Nicole-Mattig-Fabian, du musst einspringen für eine Diabetes-Gala. Man muss akzeptieren, dass es eine Krankheit ist und dann kann man Verantwortung für die Genesung übernehmen. Man muss die Zeichen erkennen und die Hilfe annehmen, das ist ganz wichtig.
Ein Freund von mir hat gesagt, wenn er ein Drehbuch geschrieben hat und nicht mehr weiter konnte, hat er die ganzen Knötchen nach oben geschickt, wie auf so einem Fließband. Schick sie zu deiner Higher Power, was auch immer da oben sitzt, ob es eine Göttin ist oder ein Gott, die Natur oder das Universum. Das ist es, die Knoten von unseren Problemen, die wir haben: Wie ernähre ich mich richtig, wie gehe ich zum Sport? Wie schaffe ich das? Wie komme ich überhaupt noch in meinem Leben klar? Ich mache das auch und sage dann immer: „Schick mir den Scheiß erst wieder zurück, wenn du die Knoten aufgemacht hast. Ich kann es nicht lösen. Mach du das bitte.“ Diese Haltung, die ich entwickelt habe in meinem Leben, trotz Sturheit, die ist stärker als mein Trotz – Dankbarkeit, Bereitschaft, sich helfen zu lassen.
DA: Sie haben ja auch einen Glukose-Sensor. Inwiefern hat das geholfen?
Markus Majowski: Das Gesamtkonzept mit der Beratung von Jens Kröger hat nur dadurch funktioniert, dass wir immer gemeinsam auf diesen Sensor gucken konnten. Und die App, die hat mich erinnert, super sensationell. Das war absolut unerlässlich, sollte viel mehr gefördert werden, die Glukose-Messung. Mir hat es Sicherheit gegeben und Struktur.
DA: Tragen Sie den Sensor dauerhaft oder etappenweise?
Markus Majowski: Ich habe ihn fast fünf Monate lang dauerhaft getragen. Hätte ich nicht machen müssen, aber es war wie ein Halte-Griff. Ich habe mich nicht getraut, den Sensor abzumachen, weil er mir so geholfen hat. Wenn er ausläuft und ich ihn abmache, möchte ich manchmal ganz kurz, zum Teil ist es wirklich nur eine Woche, einfach dieses Gefühl haben, dass er nicht dran ist. Dieser kleine Faden, der in der Haut liegt, piekt so ein bisschen. Außerdem sieht man einen Fleck, der ganz schwer weggeht, vom Pflaster. Dann rubbele ich das erstmal alles weg. Aber mehr traue ich mich nicht. Ein Monat wäre für mich im Moment gar nicht möglich. Das ist alles noch viel zu frisch für mich und soweit ich das verstanden habe, ist es sinnvoll, den dauerhaft dran zu haben.
DA: Zeigen Sie den Glukose-Sensor offen, wenn Sie unterwegs sind oder auch bei Engagements, die Sie haben? Wie gehen die Menschen in ihrem Umfeld damit um, wenn sie diesen Sensor sehen? Was passiert, wenn sie erfahren, dass sie mit Diabetes leben?
Markus Majowski: Ja, er ist sichtbar. Die Reaktionen sind so wie bei mir beim ersten Mal. Ich dachte: „Was hast du denn da für eine Bluetooth-Schnittstelle? Bist du verbunden mit dem Bundesfinanzministerium?“ Wenn ein doofer Spruch kommt oder so, dann erklärst du dich. Das habe ich auch getan. Ich habe einfach schlicht und ergreifend gesagt: „Das ist eins der Systeme, die mir geholfen haben, mit meinem Diabetes klarzukommen und ein gesundes Leben zu führen.”
„Man sollte sich nicht die Freude am Essen nehmen lassen und vielleicht einen Hack ausprobieren und nicht vergessen, sich wirklich vom Arzt den Glukose-Sensor verschreiben zu lassen.“
DA: Was wünschen Sie sich für die Zukunft mit dem Diabetes, für sich persönlich, aber auch generell?
Markus Majowski: Ich wünsche mir einen noch offeneren Umgang, also das T-Shirt nicht zuppeln und so, dazu stehen, davon erzählen, selbstbewusst, mit einem Lächeln. Das finde ich toll, das habe ich nur so erlebt, aber das möchte ich gerne noch unterstützen. Selbst wenn man noch Mehrgewicht hat, weil das ja von vielen Faktoren abhängt, kann man selbstbewusst, cool erzählen, was man für eine Krankheit hat, dass man den Sensor benutzt, kaum Süßigkeiten zu sich nimmt, dass man einfach Diabetes hat und dass das kein Verbrechen ist, sondern das so ist. Dass jeder so eine kleine Botschaftertätigkeit übernimmt, das finde ich cool.
DA: Welche Tipps möchten Sie Menschen mit Typ-2-Diabetes mitgeben, die frisch diagnostiziert wurden oder die eine Ahnung haben, dass sie vielleicht auch von Diabetes betroffen sein könnten?
Markus Majowski: Man sollte ruhig versuchen sich nach jedem Essen zu bewegen. Es gibt Übungen, zum Beispiel auf dem Stuhl, dass man die Füße hoch und runter macht, dass das man das Bein bewegt. Da wird schon der Stoffwechsel angekurbelt, weil der Körper in Bewegung ist. Man kann ruhig Treppen laufen, statt den Fahrstuhl zu benutzen, vielleicht ein Hundchen anschaffen, um rauszugehen, wenn es passt. Man sollte Hilfe annehmen von kompetenter Seite, nicht von der Nachbarin, die sagt, hier habe ich ein neues Süßungsmittel, mach das mal in deine Torte rein.
Ich esse zum Beispiel vor fast jeder Mahlzeit ein Ei oder ein halbes Ei, weil durch das Eiweiß die Insulin-Ausschüttung angeregt wird. Man muss sich das vorstellen wie einen Ofen. Wenn du das Ei isst, wenn es dir schmeckt, wenn‘s dir bekommt, wird der Körper bzw. der Ofen angeworfen, weil der Körper weiß, jetzt geht’s los. Dadurch ist für alles, was du danach isst an Kohlenhydraten, direkt Insulin da. Es funktioniert bei mir auch mit einem Teelöffel Magerquark. Danach kann ich ein schönes Brot essen mit einem Thunfisch-Pâté und kleinen Tropfen Tabasco darauf und vielleicht noch einem Schafskäse-Scheibchen – schöne Kombination, nicht zu kalt aus dem Kühlschrank, der Schafskäse muss ein bisschen angerahmt sein.
DA: Die Freude am Essen ist also weiterhin da?
Markus Majowski: Ja, genau. Man sollte sich nicht die Freude am Essen nehmen lassen und vielleicht einen Hack ausprobieren und nicht vergessen, sich wirklich vom Arzt den Glukose-Sensor verschreiben zu lassen.
Abgesehen von dem Treppensteigen und den Sachen, die mir Jens Kröger ans Herz gelegt hat, bin ich auch zum ersten Mal in meinem Leben mit Freude in einem Sport-Studio. Ich bin seit acht Monaten Mitglied in einem Fitness-Center. Für mich war wichtig, dass das Fitness-Center eine Sauna hat und ein Schwimmbad. Also da ruhig lange suchen, nicht irgendeins nehmen, weil es schon ganz schön testosterongeschwängert ist. Mir hat geholfen, mich langsam voranzutasten, mit diesen Seilen zu arbeiten, mit dem eigenen Körpergewicht. Es müssen nicht immer die Maschinen sein. Aber man ist dann erstmal da und in einer Atmosphäre, in der man sich wohlfühlt.
DA: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie eine kurze Pause von Ihrem Diabetes-Management brauchen und wenn ja, was hilft Ihnen dann abzuschalten?
Markus Majowski: Mein Beruf ist einfach gottvoll. Ich darf in Figuren schlüpfen, auch solche, die keinen Diabetes haben. Das ist meins, also in meinem Beruf aufgehen, in meinem Hobby aufgehen. Wenn wir jetzt perspektivisch auf andere Menschen gucken, würde ich empfehlen, auch mal ruhig ein Quatschhobby zu haben, wie Malen, Rennen und da einfach die Gedanken treiben zu lassen.
DA: Herzlichen Dank, Herr Majowski.
Ein Herz aus Schokolade – Markus Majowski in der Comödie Dresden
Bis zum 27. Dezember 2026 steht Markus Majowski auf der Bühne in der Comödie Dresden. Er verkörpert Henri Schuhmann, einen Chocolatier, der ausgerechnet seinen Geschmackssinn verloren hat, in einer mitreißende Komödie voller Herzblut.
Weitere Informationen zum Stück gibt es hier.
Interview: Janina Seiffert
Janina Seiffert ist Apothekerin und Journalistin bei der MedTriX Group. Sie ist tätig als Redakteurin beim Diabetes-Anker und betreut zudem das Fachmagazin „Diabetes, Stoffwechsel und Herz“, in dem wissenschaftliche Beiträge, Übersichtsarbeiten zu den Zusammenhängen zwischen Diabetes, endokrinologischen Erkrankungen und kardiovaskulären Risiken erscheinen.
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Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂



